Lehrerstreik "Die Stimmung ist sehr kämpferisch"

In fünf Bundesländern sind angestellte Lehrer in den Streik getreten: Mit bunten Schildern, Gewerkschaftsschals und Regenmänteln protestieren sie für mehr Lohn und bessere Absicherungen. Das ist nur der Anfang.

DPA

Berlin - Auf ihren Schildern steht "Geiz ist ungeil", "Hände weg von der Betriebsrente", "Streikst du mit oder reicht's dir schon?". An einer ersten Streikwelle beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaften vor allem angestellte Lehrer in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Berlin und Sachsen-Anhalt. An vielen Schulen und Berufsschulen fiel Unterricht aus.

In Berlin erwartet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass 1500 bis 2000 der rund 6300 angestellten Lehrer streiken. "Die Stimmung ist sehr kämpferisch", sagte die Berliner GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik. Beamtete Lehrer hielten den Unterricht aufrecht oder organisierten eine Notbetreuung. Sie dürfen nicht streiken.

In Nordrhein-Westfalen gab es in Düsseldorf, Duisburg, Essen und Wuppertal zahlreiche GEW-Protestversammlungen: Viele Lehrer trugen sich in Streiklisten ein. In welchem Umfang Unterricht ausfiel, war zunächst nicht absehbar. Die nordrhein-westfälische GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer sagte: "Jede Stunde Unterricht, die wegen eines Streiks ausgefallen ist, ist eine gut ausgefallene Stunde."

In Niedersachsen und Bremen traten Lehrer, Schulsozialarbeiter und Sozialpädagogen in den Ausstand. In Niedersachsen waren laut GEW 50 Schulen betroffen. Massiven Unterrichtsausfall erwarteten die Schulleiter aber nicht. Auch in Sachsen-Anhalt waren Lehrer zu punktuellen Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

Verdi-Chef Frank Bsirske bezeichnete die Warnstreiks als Signal an die Arbeitgeber, in den Verhandlungen nicht länger zu mauern. "Wir müssen zu einer deutlichen Reallohnsteigerung kommen", forderte er im Deutschlandfunk. In den vergangenen Jahren habe sich bei der Tarifentwicklung eine Schere zwischen Gesamtwirtschaft und Öffentlichem Dienst geöffnet.

Die Demonstranten verbreiten ihre Forderungen auch auf Twitter:

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Eltern zeigten sich solidarisch mit den Lehrern, so wie der Grünen-Politiker Michael Kellner:

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Aber es gab auch kritische Stimmen:

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Die Gewerkschaften fordern 5,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 175 Euro mehr Lohn. Am Freitag war die zweite Verhandlungsrunde der Potsdamer Tarifgespräche für den öffentlichen Dienst aus Gewerkschaftssicht unerfreulich zu Ende gegangen. Die Länder-Arbeitgeber legten dabei kein Angebot vor und wiesen die Tarifforderung als überzogen zurück. Die GEW will zudem ein Ende der unbegründeten Befristungen durchsetzen. Die Tarifverhandlungen werden am 16. und 17. März fortgesetzt.

Bis dahin sind Streiks auch in weiteren Bundesländern geplant.

kha/dpa

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insgesamt 55 Beiträge
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housedrachen 03.03.2015
1. Recht haben sie!
Ich ziehe meinen Hut vor jedem, der diesen Beruf ausübt! Als Eltern dreier schulpflichtiger Kinder sind wir oft sprachlos, was sich die Lehrer von den Kindern und Eltern bieten lassen müssen. Läuft's nicht in der Schule, sind immer die Lehrer verantwortlich. Lehrer haben wirklich Anspruch auf mehr Sicherheit und bessere Bedingungen und vor allem mehr Ansehen - sonst wird bald kein einigermassen vernünftiger Mensch mehr in diesem Job arbeiten wollen.
f818928 03.03.2015
2. Immer Streik notwendig ?
Ich verstehe es nicht. Warum weigern sich die Arbeitgeber erst mal und lassen es darauf ankommen. Oft sind die Streikkosten höher, als das was am Ende verlangt wird. Der Staat will wohl allen Arbeitnehmern das Leben so unnötig schwer machen, daß diese die Flucht ins besser zahlende Ausland ergreifen sollen, in der Hoffnung, daß dann Lohnsklaven per Greencard ins Land strömen ? Ich dachte, wir hätten einen Fachkräftemangel ?
firefly 03.03.2015
3.
Erzieher verdienen im Schnitt 1.500 Euro Brutto. Da kann ich verstehen wenn sie Streiken. Angestellte Lehrer verdienen mehr als das Doppelte. Teilweise bis zu 5.000 Euro Brutto. Vielleicht sollten diese lieber verzichten und im Sinne der Gerechtigkeit ihren Anteil an die Erzieher abgeben.
dukatenjunge 03.03.2015
4. Von Lehrergehältern und besseren Absicherungen
können die Mitarbeiter in der Weiterbildung trotz oft identischer Ausbildung nur träumen. Da sind 13 Euro Branchenmindestlohn und befristete Arbeitsverträge Standard, jedenfalls wenn man eine Anstellung hat. Die meisten arbeiten ohne jegliche Absicherung für Dumping-Honorare. Das interessiert die GEW jedoch schon lange nicht mehr.
karljosef 03.03.2015
5. Wie las ich heute Morgen in der Zeitung?
Der Unterschied zwischen dem Einkommen einem beamteten Lehrers, der allerdings nicht streiken darf, beträgt durchschnittlich 500€. Wie groß der Unterschied zwischen den Pensionen und Renten ist, wurde nicht beschrieben. Die Pensionen bezahlt der Steuerzahler!
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