Sanierung Lehrerverband fordert zehn Milliarden Euro für marode Schulen

Undichte Dächer, Schimmel, kaputte Toiletten: Viele Schulgebäude in Deutschland müssten dringend saniert werden. Der Lehrerverband fordert von der neuen Bundesregierung Milliardeninvestitionen.

Grundschule in Berlin (Archivbild)
DPA

Grundschule in Berlin (Archivbild)


Der deutsche Lehrerverband hat wegen der vielen heruntergekommenen Schulgebäude Sanierungsausgaben in Höhe von zehn Milliarden Euro über vier Jahre gefordert. "Angesichts des skandalösen Sanierungsstaus an zahlreichen Schulen muss im Koalitionsvertrag unbedingt ein umfassendes Investitionsprogramm für Schulrenovierungen und -sanierungen enthalten sein", sagte der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Meidinger der "Bild". Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hatte die Gesamtkosten für die Instandsetzung maroder Schulen bereits auf 34 Milliarden Euro beziffert.

Meidinger, selbst Schulleiter in Bayern, zeigte sich schockiert über die Bedingungen an zahlreichen deutschen Schulen: "Der Zustand vieler Schulen mit undichten Flachdächern, Mäusen und Ratten in den Versorgungsschächten, untragbaren hygienischen Bedingungen auf den Toiletten, mangelhafter Wärmedämmung und bröckelndem Putz an den Innen- und Außenwänden sowie fehlender regelmäßiger Reinigung ist eine Schande für den Kulturstaat und Hochtechnologiestandort Deutschland."

Im Februar hatte der Bundestag einen Nachtragshaushalt beschlossen, mit dem 3,5 Milliarden Euro für die Sanierung von Klassenräumen, Turnhallen und Schultoiletten zur Verfügung gestellt werden. Im Juni verabschiedeten Bundestag und Bundesrat die dafür notwendige Grundgesetzänderung, damit sich der Bund an der Sanierung der Schulen beteiligen darf - eigentlich waren dafür bislang ausschließlich die Länder zuständig.

"Wir können uns nicht damit zufriedengeben"

Auch die Evangelische Kirche (EKD) fordert mehr Geld für die Bildung. "Nach wie vor ist es für ein Kind in Deutschland schwierig, einen hohen Bildungsabschluss zu erreichen, wenn die Eltern aus einer bildungsfernen Schicht kommen", sagte EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Deshalb müsse mehr Geld in die Hand genommen werden, um die Kinder individuell an Schulen und Kindertagesstätten zu fördern.

"Wir können uns nicht damit zufriedengeben, dass drei Millionen Kinder in Deutschland in Armut leben." Sie würden in die Zustände hineingeboren und könnten am allerwenigsten dafür.

koe/dpa/AFP



insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-facebook-1261351808 30.10.2017
1. Bitte nicht übertreiben!
Wenn heute alles so schlimm ist, wie sah es dann in den 90er Jahren aus? Seit Jahren werden Milliarden in Schulsanierungen gesteckt. Das kann natürlich nicht alles auf einmal fertig sein. Mich wundert nur, dass das Thema früher nie eine Rolle gespielt hat.
tobi.oe 30.10.2017
2. Missmanagement
Sollange die Länder jedes für sich dahinwurschteln und rumexperimentieren möchte, sollte der Bund keinen Cent beisteuern! Natürlich ist mehr Geld für Schulen immer eine beliebte Forderung, aber wer die Verantwortung behalten möchte, muss auch die Rechnung bezahlen. Außerdem werden durch haarsträubende Fehlplanungen und aufgeblähte Bürokratie die Kosten selbst für Kleinigkeit exorbitant. Darum sollte man sich erstmal kümmern, dann lässt sich anschließend mehr für weniger Geld restaurieren.
labuday 30.10.2017
3. Stellt doch erstmal fest, in welchen Bundesländern/
Kommunen diese Ruinen stehen und dAnn fragt mal wo das vorgesehene Geld für die Sanierung geblieben ist. Ich vermute, hier wollen die RRG- Länder ihre fehlgeleiteten Ausgaben mal wieder kaschieren und so auf Kosten anderer Länder ihre Missstände sanieren.
touri 30.10.2017
4.
Zitat von spon-facebook-1261351808Wenn heute alles so schlimm ist, wie sah es dann in den 90er Jahren aus? Seit Jahren werden Milliarden in Schulsanierungen gesteckt. Das kann natürlich nicht alles auf einmal fertig sein. Mich wundert nur, dass das Thema früher nie eine Rolle gespielt hat.
Das Thema hat schon seit min. 10 Jahren eine Rolle gespielt und in den 90er Jahren waren die Schulen 20 Jahre jünger...
k.michael62 30.10.2017
5. Physikbaukästen?
Wenn man den Schüler*innen mal Physik- und Chemiebaukästen in die Hand drücken würde, und ein paar elektronische Bücher wäre das wichtiger als der Toilettenzustand.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.