Großbritannien Londoner Schüler atmen im Klassenzimmer noch dreckigere Luft als draußen

Die Feinstaubbelastung ist in Londoner Schulen besorgniserregend hoch, zeigt eine Studie - mit fatalen Folgen für die Gesundheit der Kinder. Die Stadt will Schüler nun besser vor Luftverschmutzung schützen.

Smog über London
AP

Smog über London


Wenn die Schule direkt an einer vielbefahrenen Straße liegt, atmen Kinder verpestete Luft. In der Millionenmetropole London zeigt nun eine Studie das ganze Ausmaß der Misere: Demnach atmen Kinder in den Klassenzimmern häufig sogar mehr schädlichen Feinstaub ein als draußen.

Das haben Wissenschaftler des University College London und der Cambridge University herausgefunden. Sie untersuchten die Luftverschmutzung in fünf Londoner Grundschulen und einem Kindergarten und fanden eine Feinstaubbelastung, die zum Teil deutlich über den Werten lag, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als gesundheitlich unbedenklich einstuft.

Gerade in Metropolen entsteht ein wesentlicher Teil des Feinstaubs durch den Verkehr. Denn jeder Verbrennungsmotor bläst kleinste Partikel in die Luft. Außerdem trägt der Abrieb von Bremsen und Reifen zur Feinstaubbelastung bei. Die Abgase gelangen durch Fenster und Lüftungsanlagen in die Klassenzimmer, und die Partikel werden dort immer wieder aufgewirbelt.

Auch an deutschen Schulen wurden schon hohe Feinstaubbelastungen gemessen. Das Berliner Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheit und technische Sicherheit hat das schon vor mehr als zehn Jahren kritisiert. Ein Grund für die zusätzliche Belastung sei auch, dass zu selten in Klassenräumen gewischt und gelüftet werde, hieß es damals.

Gerade bei Hochdruckwetterfronten kann die Feinstaubbelastung in Räumen deutlich höher ausfallen als auf der Straße, berichten die britischen Forscher in der Studie, die Londons Bürgermeister Sadiq Khan am Donnerstag vorstellte und über die der "Guardian" zuerst berichtete.

Die Forscher warnen, dass durch die Belastung das Gesundheitsrisiko der Kinder deutlich steige. Feinstaub reizt Atemwege und Schleimhäute und kann Atemwegsprobleme wie Husten, Atemnot und Asthma entstehen lassen oder verstärken. Auch an der Entstehung von Lungenkrebs können die Partikel beteiligt sein.

Nirgendwo sonst in Europa erkrankten Kinder häufiger an Asthma als in Großbritannien, warnen die Forscher. Sie fordern deshalb, den Schadstoffausstoß in Städten deutlich zu senken.

1,1 Millionen Euro für Schulen und Kitas

Auch Londons Bürgermeister Khan reagierte alarmiert und will nun umgerechnet etwa 1,1 Millionen Euro lockermachen, um den am meisten betroffenen Schulen und Kitas zu helfen. Mit dem Geld sollen beispielsweise zwanzig Kindergärten neue Filteranlagen bekommen.

Gesundheitsorganisationen begrüßten die Pläne, forderten jedoch weitere Maßnahmen. Von der British Lung Foundation hieß es beispielsweise: "Die Regierung muss die Lungen von uns allen besser schützen. Dazu gehören auch neue und sichere Grenzwerte bei der Luftverschmutzung."

koe



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