Fotografien von Hellen van Meene Märchenhafte Mädchen

Hellen van Meene fotografiert Mädchen und junge Frauen auf ganz besondere Weise. Mit Schafen und Pudeln, gepudert und entrückt - wie gemalt.

Hellen van Meene

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Die Zutaten von Hellen van Meenes Fotos sind schnell zusammengetragen: Mädchen in wallenden Kleidern und verlassene Häuser. Die Kinder lächeln selten, schauen oft nachdenklich oder ernst. Meist haben sie eine auffällige Frisur. "Irgendetwas führt mich zu diesen Mädchen", sagt die Fotografin. "Entweder es ist das Haar oder das Gesicht, das meine Aufmerksamkeit erregt."

Zur Person
  • Hellen van Meene
    Hellen van Meene, geboren 1972, arbeitet als Fotografin. Die Niederländerin fotografiert seit mehr als 20 Jahren nicht ganz so perfekte Jugendliche.

Da gibt es etwa dieses Foto, auf dem ein Mädchen und drei Pudel zu sehen sind. "Ich wusste, ich wollte die Hunde fotografieren. Und ich wusste, das Mädchen passt perfekt dazu", sagt van Meene. Ihre Modelle findet sie im Freundeskreis ihrer Töchter, unter den Kindern ihrer Freunde oder sie spricht sie auf der Straße an.

Allesamt sind in einem Alter zwischen Kindheit und Erwachsensein. Irgendwie zeitlos. "Ein junges Gesicht ist noch offen", sagt die Fotografin. "Ein Mädchen kann jung aussehen, aber auch alt. Es kann alles sein."

Gemusterte Tapete oder bröckelnder Putz

Zeitlosigkeit ist das große Thema in der Fotografie von Hellen van Meene. Ihre Aufnahmen könnten in den Zwanzigerjahren entstanden sein, in den Sechzigerjahren oder in der vergangenen Woche. Sie fotografiert ihre Modelle meist auf Wiesen oder in alten Häusern mit gemusterter Tapete oder bröckelndem Putz, mit alten Möbeln, Uhren, Kerzenständern, Vasen oder anderen Dingen, die so rumstehen. Das verleiht den Bildern etwas Mystisches.

Fotostrecke

12  Bilder
Kindsein: Alte Mädchen, junge Frauen

Solche magischen Orte zu finden, sei schwer, sagt van Meene. Die Fotografin geht daher immer mit offenen Augen durch ihre Heimatstadt Heiloo in der Nähe von Amsterdam. Findet sie ein Haus, ruft sie den Makler oder die Eigentümer an und fragt, ob sie dort fotografieren dürfe. Die freuen sich meist über die unerwartete Aufmerksamkeit.

Zur Umgebung passend wählt van Meene auch die Kleidungsstücke ihrer Modelle aus: Bonbonfarbene Kleider mit Rüschen, Blümchen, ein bisschen Spitze. "Ich liebe die Vergangenheit", sagt sie. Van Meene schätzt auch das Tageslicht, das sie für ihre Fotografien nutzt. "Wenn man mit Tageslicht arbeitet, dann denkt man wie ein Maler."

Viele ihre Fotos erinnern auch an die alten holländischen Maler, vielleicht liegt das daran, dass van Meene analog arbeitet und alles sorgsam inszeniert. Sie gibt ihren Modellen strikte Anweisungen, wartet auf das richtige Licht, die richtige Stimmung und drückt erst auf den Auslöser, wenn der Moment perfekt ist.

Und warum schauen die Mädchen und jungen Frauen so traurig drein?

"Sie schauen nicht traurig", sagt hingegen van Meene. "Die Mädchen müssen manchmal 45 Minuten still sitzen, sie sind konzentriert und nicht traurig." Wenn das Modell nicht lächelt, könne der Betrachter viel mehr aus seinem Gesicht herausziehen. Lächeln, sagt die Fotografin, sei eine Maske.



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dasfred 29.04.2018
1. Hab mir gerade die Zeit genommen, mich auf die Fotos einzulassen
Alle diese Bilder haben einen besonderen Reiz. Die Inszenierung wie für ein Gemälde gibt den Mädchen eine gewisse Aura, die sie völlig aus der Zeit löst. Im Grunde das Gegenteil von diesen Schnappschüssen der hippen Selfie Generation. Diese Mädchen umgibt etwas mystisches, überirdisches. Ich habe in jungen Jahren mal ein schwarz weiß Selbstporträt in einem verwilderten Garten gestaltet. Es gibt kein Foto von mir, mit dem ich je zufriedener war. Diese totale Lösung aus dem hier und jetzt gibt den Bildern erst eine Seele.
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