Schüler bereiten Marsch vor Washington erwartet Riesen-Demo gegen Waffen

In der US-Hauptstadt bereiten sich Hunderttausende auf den "March for Our Lives" vor: Aus dem ganzen Land sind Schüler angereist, um für ein schärferes Waffenrecht zu demonstrieren. Sie treibt die Wut über immer neue Tote.

Kinder malen Plakate für die Demonstration
AFP

Kinder malen Plakate für die Demonstration

Aus Washington berichtet


Mehr als 900 Kilometer von seinem Zuhause in Fort Wayne entfernt sitzt Leo in einem fremden Keller und malt an einem Plakat. Es ist für seine erste Demonstration: An diesem Samstag, wenige Tage vor seinem 13. Geburtstag, will Leo auf die Straße gehen. Gegen Waffengewalt, gegen Schüsse an Schulen. Leo will, dass sich etwas ändert.

Neun Stunden saßen Leo, seine zwei Jahre ältere Schwester Ila und ihre Mutter Jaimee Wilkinson deshalb am Freitag im Auto. Sie hätten auch auf eine der kleineren Demonstrationen in ihrem Heimatstaat Indiana gehen können. "Aber wir hatten das Gefühl, dass wir es richtig machen müssen", sagt Jaimee. "Jeder Einzelne, der in Washington ist, macht doch einen Unterschied", sagt Leo. Also haben sie sich mit Freunden verabredet und sich auf den Weg zum "March for Our Lives" gemacht (lesen Sie hier mehr über die Großdemonstration).

Banner vor dem Kapitol in Washington
AFP

Banner vor dem Kapitol in Washington

In einem Haus im Norden Washingtons treffen Leo und seine Familie nun auf andere Demonstranten - sie kommen aus Florida, Ohio oder Michigan. Das Haus gehört Amy und Hassan Murphy, sie stellen es für die Vorbereitung des Marsches zur Verfügung.

Während die Kinder und Jugendlichen im Keller ihre Plakate malen, stehen die Erwachsenen im Esszimmer am großen Tisch, auf dem Pötte mit Salaten, Kartoffelgratin und Chips angerichtet sind, und staunen, was die junge Generation in den vergangenen Wochen auf die Beine gestellt hat.

Denn abgesehen von finanzieller und logistischer Unterstützung - wie der Schlafplatzbörse, der Leo und seine Familie ihre Unterkunft und das Treffen bei den Murphys verdanken - geht all das, was an diesem Samstag in Washington passieren wird, von der jungen Generation aus.

Amoklauf-Überlebende kritisiert Trump: "Schämen Sie sich!"

imago/ ZUMA Press

Bis zu eine Million Demonstranten werden in der US-Hauptstadt unweit des Weißen Hauses erwartet. Es könnte der größte politische Protest der vergangenen Jahrzehnte werden. Und viele der Teilnehmer sind kaum älter als Leo und seine Schwester. Es ist die Schülergeneration, die den Mächtigen zeigen will, dass sich im Umgang mit Waffen etwas ändern muss - angeführt wird sie von Überlebenden des Amoklaufs an einer High School in Parkland, Florida. Dort hatte Mitte Februar ein ehemaliger Schüler 17 Menschen erschossen. Nur wenige Tage danach hatten die Jugendlichen um Jaclyn Corin, Alex Wind, Emma González, Cameron Kasky und David Hogg den Hashtag #neveragain initiiert und die Demonstration in Washington angekündigt.

Hinterbliebene des Parkland-Amoklaufs
AP

Hinterbliebene des Parkland-Amoklaufs

Seitdem hat die Gruppe viel Unterstützung erfahren: Prominente spendeten Millionen, solidarisierten sich. Zuspruch bekamen die Jugendlichen auch aus dem politischen Washington - allerdings nicht von US-Präsident Donald Trump, sondern von der Bürgermeisterin Muriel Bowser. In einer Videobotschaft rief sie gemeinsam mit Musikstar Justin Timberlake auf, am Marsch teilzunehmen.

Im Weißen Haus dagegen dringen die Proteste bisher offenbar noch nicht durch. Zu stark ist die in der "National Rifle Association" organisierte Waffenlobby. Auch Präsident Trump verteidigt eisern das Recht der Amerikaner, Waffen zu tragen - auch wenn seine Regierung sich am Freitag zu einem ersten kleinen Schritt hin zu mehr Regulierung bereit zeigte: Justizminister Jeff Sessions kündigte an, Schnellfeuervorrichtungen für Gewehre zu verbieten. Mit solchen sogenannten bump stocks ist es möglich, eigentlich halbautomatische Waffen wie ein Maschinengewehr zu nutzen. Eine solche Vorrichtung hatte zum Beispiel der Attentäter von Las Vegas verwendet, der im Oktober von einem Hotel aus 58 Menschen tötete.

Konzerte, Jutebeutel und Gebete

Am Abend vor Beginn der Großdemonstration ist Spannung in Washington fast überall zu spüren. "Heute war ein verrückter Tag, zeitweise ging die Schlange durch den ganzen Shop", sagt die Verkäuferin im "The Outrage". Der kleine Laden im hippen Stadtteil Adams Morgan ist der offizielle Pop-up Shop des "March for Our Lives", hier gibt es T-Shirts, Kapuzenpullis und Jutebeutel, die Erlöse gehen zu 100 Prozent in die Finanzierung der Veranstaltung.

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"March for Our Lives": Promis protestieren gegen Waffengewalt

In einer Ecke nehmen Besucher Videobotschaften auf, in der anderen liegen Postkarten aus. Wer will, kann hier seinem Abgeordneten seine Meinung schreiben. Selbst um kurz vor 20 Uhr steigen noch immer Käufer die Stufen zum Laden hoch. Zeitgleich zum Treffen bei Familie Murphy finden in der ganzen Stadt Konzerte statt, Kirchen haben zu gemeinsamen Gebeten eingeladen.

Wie akut ihr Anliegen ist, daran wurden die meisten Demonstranten am Freitag noch einmal schmerzhaft erinnert. In der Nacht starb Jaelynn Willey. Die 16-Jährige war am Dienstag in Maryland, nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Washington entfernt, in der Schule von einem Mitschüler angeschossen worden.

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