March for Our Lives Waffenlobby ätzt gegen Demonstranten

Hunderttausende Menschen haben in den USA gegen Waffen protestiert. Für die amerikanische Waffenlobby ist klar, die Jugend wurde instrumentalisiert. Sie giftet: "Kämpft für die Sicherheit unserer Kinder, indem ihr der NRA beitretet."

ANDREW GOMBERT/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

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Die amerikanische Waffenlobbyorganisation National Rifle Association (NRA) hat sich auf Facebook vorab abschätzig über die Demonstrationen gegen Waffengewalt in den USA geäußert. In einem Video kritisiert die Organisation etwa Aussagen von David Hogg, einem der Anführer der Anti-Waffen-Proteste. Nur Stunden vorher setzte die Organisation zu einem Rundumschlag an: "Die heutigen Proteste sind nicht spontan", heißt es in einem Posting, "Schusswaffen hassende Milliardäre und Hollywood-Eliten manipulieren und instrumentalisieren Kinder als Teil ihres Plans, den zweiten Verfassungszusatz zu ZERSTÖREN und uns unseres Rechtes zu berauben, uns und unsere Lieben zu schützen."

Es sind vor allem Bilder von jungen Demonstranten, die in diesen Tagen um die Welt gehen. Es sind Schüler, die sich nicht mehr mit Amokläufen an ihren Schulen abfinden möchten und die sich mehr Sicherheit in ihrem Alltag erhoffen. Demonstrationen und Kundgebungen fanden nicht nur in der Hauptstadt Washington, sondern auch in Chicago, Boston, Philadelphia, Miami, Minneapolis, Houston, Los Angeles oder New York statt. Protestler vor dem Trump-Tower trugen Schilder mit Parolen wie "Wenn unsere Führer sich wie Kinder verhalten, müssen Kinder führen."

Das sehen die Kommentatoren unter dem Facebook-Posting der NRA anders: "Das ist wie in einem schlechten Disney-Film, wo die Kinder und der Hund immer mehr wissen als die Erwachsenen", schreibt eine Nutzerin darunter. "Aber das hier ist die Realität." Andere zweifeln daran, dass Jugendliche überhaupt in so großem Stil Proteste organisieren und finanzieren können. Doch auch einige Kommentare mit Gegenrede sind dort zu lesen: Die Jugendlichen seien keineswegs von Hollywood gesteuert, sondern schlicht von "ihrem Wunsch nach einem Ende der Waffengewalt".

Während das Posting noch vor den Demonstrationen veröffentlicht wurde, schreibt ein anderer Nutzer während der Proteste: "Millionen von Menschen demonstrieren gerade rund um die Welt gegen euch. Nicht bloß ein paar 'Milliardäre und Hollywood-Eliten'. Und fangt gar nicht erst an mit dem Gerede von Manipulation."

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Die Gesichter des Waffenprotests: "Ich gebe nicht auf, bis sich etwas tut"

Allein in Washington, D.C., sind am Samstag laut den Veranstaltern 800.000 Menschen auf die Straße gegangen - das wäre ein Rekord in der Geschichte der Stadt. Auf der Pennsylvania Avenue zwischen Kapitol und Weißem Haus drängten sich die Protestierenden, Teenager mit Schildern, auf denen "Genug ist genug" stand oder "Nie wieder" oder "Schützt Leben statt Waffen!" Auf der Bühne sprachen Schüler über ihre erschossenen Geschwister, und Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, die Organisatoren der Proteste, erinnerten an die Tragödie an ihrer Schule. Ein 19-Jähriger hatte dort am 14. Februar insgesamt 17 Menschen erschossen.

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Es war eines von vielen Attentaten an US-Schulen in den vergangenen Jahrzehnten und Start einer Protestwelle, die von überlebenden Parkland-Schülern ins Rollen gebracht wurde. Sie wollen Schulen wieder zu einem sicheren Ort machen und fordern eine Reform der Schusswaffengesetze in den USA.

Die National Rifle Association (NRA) hält dagegen: "Stand and Fight for our Kids' Safety by Joining NRA", schreibt sie anlässlich der Proteste auf Facebook, übersetzt etwa "Kämpft für die Sicherheit unserer Kinder, indem ihr der NRA beitretet."

Es ist die alte Diskussion zwischen zwei verhärteten Fronten: Sind Waffen ein wichtiger Schutz zur Verteidigung des eigenen Lebens und Eigentums, der keinem Bürger verwehrt werden darf? Oder sorgt der weit verbreitete Waffenbesitz selbst für Unsicherheit?

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Landesweiter Protest in den USA: Die Wut auf Waffen

Längst beschränken sich die Proteste für eine Reform der amerikanischen Waffengesetze nicht mehr auf die USA selbst: Den Organisatoren zufolge waren am Wochenende mehr als 800 Demonstrationen geplant - und zwar weltweit. Auf Twitter machten Solidaritätskundgebungen in Nordirland, auf Mauritius und in Schweden die Runde. Auch in Paris und London sowie in mehreren deutschen Städten gab es Demonstrationen - darunter in München und Berlin.



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derhey 25.03.2018
1. Erwartbar
War nicht anders zu erwarten. Vermutlich wird jetzt auch in der Vita der Jugendlichen nachgeforscht, wo vielleicht ein schwarzer Fleck sein könnte oder noch einfacher, Unwahrheiten verbreitet. Ich wünsche den Jugendlichen viel Erfolg und weiterhin Mut. Die "Amis" sind doch nicht so einfach gestrickt wie manchmal suggeriert wird - vielleicht eine Art neue Woodstock-Bewegung, wäre toll.
mirage122 25.03.2018
2. Absolute Solidarität
Ganz besonders lobenswert finde ich das Argument, dass diese Demonstranten es sich hätten selbst übel genommen, wenn sie nicht dabei gewesen wären. Donald, stell' dich darauf ein, dass besonders die jugendliche Gefolgschaft nicht an deinem Strang zieht. Das berechtigt zu Hoffnungen für die amerikanische Zukunft!
creatext 25.03.2018
3.
Die NRA ist eine Organisation, die mit dem Töten von Menschen viel Geld verdient. Organisiertes Verbrechen also, das von der US-Regierung unterstützt wird. Wenn die NRA nicht verboten wird, bleiben die USA der weltweit gewalttätigste Staat, in dem - völlig geschichtsvergessen und vernunftwidrig - das Faustrecht mehr gilt als das Menschenrrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.
die Stechmücke 25.03.2018
4. Betroffene Hunde bellen
Die NRA steht für eine Kultur des wilden Westens wo jeder rumballern kann wenn er es für richtig hält. Das Ganze wird dann verkauft um die eigene Freiheit und Sicherheit zu verteidigen. Dafür gibt es die Staatsorgane, die für die Sicherheit zu sorgen hat. Die Bewegung 'March for our Lives' repräsentiert die Würde des Menschen. Hoffentlich bleibt die Bewegung stark genug diesen reaktionären Sumpf endlich trocken zu legen.
hellem 25.03.2018
5. Es wird sich nichts ändern
Es sind die üblichen Redebeiträge, wenngleich diesmal auf der Waffengegnerseite sehr, sehr laut. Dennoch fehlen interessanterweise immer die entscheidenden Argumente: was ist mit den Dutzenden, Hunderten Toten, die wegen spielender Kinder zu beklagen sind? Zweijährige, die ihre Mutter erschießen, weil beim Wickeln (!!!) eine Knarre in der Nähe lag? Oder was ist mit all jenen Ländern, in denen Waffenbesitz verboten bzw. an allerstrengste Auflagen geknüpft ist? Ein Blick in die Amokstatistik dieser Länder wäre anzuraten. Andererseits beweist die Reaktion der Waffenfans auf die Demo in Washington: Nachdenken, Argumente abwägen ist nicht deren Stärke. Also wird sich nichts ändern. Quod erat demonstrandum.
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