Falsches Selbstbild Wie die Erziehung die Mädchen schlechter rechnen lässt

Wer gewinnt die Fields-Medaille? Meistens ein Mann. Mädchen schneiden in Mathe häufig schlechter ab - zu Unrecht, sagen Wissenschaftler. Denn es liegt nicht am Geschlecht, sondern an Vorurteilen und Lehrmethoden.

Mädchen an der Tafel
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Mädchen an der Tafel

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Peter Scholze hat als zweiter Deutscher die Fields-Medaille gewonnen. Vor ihm erhielten seit 1936 mehr als 50 Männer die höchste Auszeichnung für Mathematiker - und nur eine Frau.

Dieses krasse Ungleichgewicht passt zu dem Vorurteil, wonach Mädchen einfach schlechter sind in Mathe. Doch stimmt das überhaupt?

Tatsächlich zeigen die deutschen Pisa-Ergebnisse: Mädchen weisen überraschend häufig sehr schlechte Leistungen in Mathematik auf und erreichen öfter als Jungen nicht die notwendigen Mindestkompetenzen.

Doch: Das heißt nicht, dass Jungen von Natur aus einen besseren Zugang zu Zahlen haben. Denn es gibt Länder, in denen die Ergebnisse ganz anders aussehen. So schnitten isländische Mädchen bei Pisa bereits eindeutig besser in Mathe ab als ihre gleichaltrigen Mitschüler. Und auch in der Timss-Studie zeigten in mehreren Ländern Mädchen bessere Matheleistungen.

Woran liegt es also, dass Mädchen in Deutschland sich seltener für Mathe begeistern und häufiger schlechte Noten haben? Forscher haben mehrere Gründe dafür ausgemacht.

Mädchen unterschätzen sich

Mädchen trauen sich oft weniger zu - und haben deshalb auch schlechtere Noten. So sagen sie einer anderen OECD-Studie zufolge, dass sie "einfach nicht gut in Mathe" seien - selbst dann, wenn sie bei Pisa genauso gut abgeschnitten hatten wie ihre Klassenkameraden.

Und eine Studie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt: "Jungen schreiben sich im Schulfach Mathematik größere Fähigkeiten zu als Mädchen - in einem Ausmaß, das durch die tatsächlichen Schulnoten nicht gerechtfertigt ist." Die Forscher haben für Deutschland repräsentative Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) ausgewertet und kamen zu dem Schluss: Die entsprechenden Selbsteinschätzungen von Schülerinnen und Schülern weichen bereits in der fünften Klasse deutlich voneinander ab. Bis einschließlich zur zwölften Jahrgangsstufe bleiben die Unterschiede weitgehend bestehen.

Vorteile in der Gesellschaft und im Elternhaus

"In vielen Gesellschaften herrscht ein Klima, in dem es als normal erscheint, dass Mädchen Mathe nicht so gut können", sagt OECD-Sprecherin Antonie Kerwien - ein Faktor, der sich offenbar auch in Deutschland auf die Schulleistungen auswirkt. Grundlage ist das Rollenklischee, dass Mädchen einfach nicht rechnen können und sie in dieser Fehleinschätzung auch noch von vielen Eltern bestärkt werden.

So hat sich den vergangenen Jahren auch unter Wissenschaftlern die Überzeugung durchgesetzt, dass Mädchen unbewusst dazu erzogen werden, keine Mathe-Überflieger zu sein. Gerade die Eltern tragen demnach oft bewusst oder unbewusst dazu bei, dass sich Jungen mehr für Mathe und Naturwissenschaften interessieren - indem sie sich laut Umfragen für ihre Töchter seltener einen technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf vorstellen können als für ihre Söhne.

Dass es sich dabei nur um einen Bildungsmythos handelt, ändert nichts daran, dass sich Vorurteile häufig bestätigen, weil Mädchen sich dadurch weniger zutrauen - und ihr schlechteres Abschneiden so zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.

In den Neunzigerjahren fanden kanadische und amerikanische Forscher heraus, dass Studentinnen in einem Mathetest deutlich weniger Punkte erreichten, wenn sie vorher gesagt bekamen, dass Frauen in diesem Test üblicherweise schlechtere Leistungen erbringen als Männer. Ohne diese Ansage schnitten die Studentinnen ähnlich gut ab wie ihre männlichen Kommilitonen.

Unterricht in der Schule

Ein Aspekt, der Mädchen bei uns in ihrer Begeisterung für Mathe bremst, könnte auch der Unterricht an deutschen Schulen sein. Die Kölner Professorin für Kognitive Mathematik, Inge Schwank, erforscht seit vielen Jahren, wie Kinder an mathematische Aufgaben herangehen. Sie fand heraus, dass viele Mädchen gut statische Strukturen analysieren, sich aber schlechter dynamische Prozesse vorstellen können - was wiederum Jungs oft leicht fällt.

Es gibt also offenbar Unterschiede im Gehirn, doch die bedeuten nicht, dass Mädchen automatisch schlechter in Mathe sind. Man müsste sie lediglich anders auf die Aufgaben vorbereiten, damit sie genauso gut abschneiden wie Jungs. "Der Unterricht muss neu gedacht werden, um Mädchen besser fördern zu können", sagt Schwank.

Es gibt Hoffnung

Waren Anfang der Achtzigerjahre unter den exzellenten Mathe-Schülern in den USA noch 14-mal mehr Jungen als Mädchen, hat sich diese Lücke inzwischen verkleinert: 2010 kamen auf jede Top-Mathe-Schülerin nur noch zweieinhalb mal so viele ebenso gute Schüler.

Bildungsforscher machen dafür ein gewandeltes gesellschaftliches Bewusstsein und mehr erfolgreiche Rollenmodelle für Frauen und Mädchen verantwortlich. Die Daten aus dem US-Test stimmten zuversichtlich, heißt es in dem Bericht: Bald schon werde das Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen ausgewogen sein, und es sei realistisch, "dass wir in ein paar Jahrzehnten genauso viele Nobelpreis-Gewinnerinnen wie -Gewinner in den naturwissenschaftlichen Fächern haben".

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igb 02.08.2018
1. Die Zahlen sagen doch alles!
Liebe "Frauen", ihr könnt es drehen und wenden wie ihr wollt aber die Zahlen sagen doch alles. 50:1 in über 80 Jahren. Versucht nicht immer irgendwelche scheinheiligen Ausreden zu suchen, akzeptiert es so wie es ist. Nicht umsonst sind Frauen bei MINT Studiengängen kaum zu finden.
alsterherr 02.08.2018
2.
In meinerSchule waren die Mathe-Spitzenreiter stets die Mädchen. Das mathematische Können der Frauen ist also da. Viele Mädchen und Frauen sind gut in Mathe, verstehen es und überragen ihre männlichen Mitschüler oftmals. Danach ist dann aber Sense: Ein Großteil der Frauen hat schlicht und ergreifend kein INTERESSE an einem Studium der Mathematik, Physik oder anderer STEM Fächern, genausowenig wie es Männer in Pflegeberufe oder Erziehung zieht. Es sind grundlegende Interessen, die die Geschlechter Unterscheiden, und diese Unterschiede kann man auch mit der stärksten Agenda nicht wegdiskutieren.
sponor 02.08.2018
3. War ja klar...
... dass so ein Kommentar kommt. Man muss jedenfalls nicht ganz so ein Mathe-Genie sein um zu erkennen, dass "Statistiken" über solche winzigen, höchst unrepräsentativen Gruppen wie Fields-Medaillen-GewinnerInnen eher nicht für Aussagen über eine Grundgesamtheit wie "alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland" o.ä. zu gebrauchen sind. Ein bisschen denken muss man allerdings halt schon.
Tanacetum 02.08.2018
4. Rolle der Schule
Dass in der Schule Mädchen vermittelt würde, sie "seien eben nicht so gut in Mathe", stimmt für Deutschland mit Sicherheit nicht (mehr). An den Grundschulen sind heute >90% der Lehrkräfte weiblich - und die fördern nachweislich eher die Mädchen ("fleißig, ruhig, angepasst") als die Jungen ("laut, unkonzentriert, rauflustig"). Es ist nun einmal so, dass es geschlechterspezifische Vorlieben und Begabungen gibt. U.a. deswegen sind heute bereits 2/3 der Studienanfänger im Fach Medizin weiblich, während es im Studiengang Elektrotechnik nur 15% sind (Tendenz allerdings auch hier steigend). Aus der Intelligenzforschung weiß man, dass es im Durchschnitt keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt. Mädchen haben aber häufig ein besseres Arbeitsverhalten, sind oft zielstrebiger und stressresistenter - deshalb sind Einser-Abiturienten auch überwiegend weiblich. Allerdings gibt es bei Männern eine stärkere Streuung in die Extremwerte - es gibt also, salopp gesagt, mehr männliche Genies und mehr männliche Dummbatzen. Deshalb wird sich am Übergewicht der Männer bei der Fields-Medaille langfristig auch nichts ändern.
dievo 02.08.2018
5. Die Türen stehen sperrangelweit offen
Es scheint also doch Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen in der Herangehensweise an die Mathematik zu geben, die natürlich bedingt sind und durch einen speziellen Unterricht zumindest gemildert werden können. Aber 80:1 ist schon sehr signifikant. Ansonsten stehen die Türen der MINT-Fächer für Frauen schon seit Jahrzehnten sperrangelweit offen, sie müssen nur hindurchgehen und sollten nicht verlangen, von den Männern über die Schwelle getragen zu werden.
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