Max Buskohl Reifeprüfung für den Rock-Rebellen

Er verkrachte sich mit Dieter Bohlen und verließ "Deutschland sucht den Superstar" vor dem Finale. Jetzt will Max Buskohl es mit Empty Trash schaffen. Die Berliner Schülerband sucht ihre Chance, Teenie-Groupies hat sie schon. Ein Besuch beim ersten Konzert nach dem Fernsehhype.

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Dieser Moment könnte der Anfang einer Karriere sein – oder das Ende.

Max Buskohl steht mit dem Rücken zum Publikum. "Max, wir wollen dich ficken!", schreien die Teenies. "Ladies and Gentleman... Empty Trash!", schreit der Veranstalter. Max dreht sich um, grünes Scheinwerferlicht blendet seine Augen. Er zupft an der Gitarre. Das Kreischen wird lauter. Der Bass setzt ein. "Salt aint sweet", singt Max. BHs fliegen auf die Bühne, Digitalkameras blitzen. "Ihr seid ein geiles Publikum", ruft Max.

Vielleicht kommt in seinem Leben nichts Größeres mehr. Vielleicht war das schon der Höhepunkt in der Karriere des Musikers Max Buskohl und seiner Schülerband Empty Trash: ein Konzert vor 900 Teenies in einem Berliner Club.

Es wäre dann das jähe Ende einer kurzen Geschichte: Max Buskohl, 18, entzaubert die RTL-Show"Deutschland sucht den Superstar", indem er kurz vor dem Finale aussteigt. Es folgen 15 Minuten Ruhm: Schlagzeilen in der "Bild"-Zeitung, ein Auftrittsangebot von Stefan Raab, Gepöbel von Dieter Bohlen – mehr nicht.

Oder dieser Abend ist erst der Anfang einer Karriere, die Max Buskohl und seine Band in die großen Konzerthallen dieser Welt führt und ihnen lukrative Plattenverträge ermöglicht.

"Sie müssen von dem DSDS-Label weg"

Soundcheck, drei Stunden vor dem Konzert: Gitarrist Stefan probt Griffe, Schlagzeuger Per trommelt auf die Becken. "Onetwoonetwo!", ruft Max ins Mikro und fordert "mehr Bass!". Er trägt schwarze Stiefel, eine schwarze Lederjacke mit Nieten, einen Ring in der Unterlippe.

Seit eineinhalb Jahren spielen die Jungs von Empty Trash zusammen. Auf einer Party trommelte Per gegen den Tisch, Max grölte Rocksongs, sie betranken sich – lass uns eine Band gründen! Schulfreund Stefan kam als Gitarrist hinzu. Jetzt brauchten sie noch einen Bassisten. Per fragte seinen alten Kumpel Julius, der aber noch nie Bass gespielt hatte. Man diskutierte und entschied: Julius ist unser Bassist.

Im Berliner Club SO36 verschluckt Dunkelheit die Bar, das Mischpult, die Garderobe; ein Scheinwerfer wirft schwaches Licht auf die Bühne. "Lasst uns diese Stelle noch mal proben", sagt Max. Er kaut an seinen Nägeln. Für Empty Trash ist es der erste Auftritt nach dem DSDS-Hype. Heute darf nichts schief gehen.

Vor exakt einem Jahr spielte die Band schon einmal in dem Kreuzberger Punk-Club, beim Rockwettbewerb "Emergenza". Es war ihr erstes Konzert vor größerem Publikum - und Empty Trash gewann. Veranstalter Benedikt Zillich sagt, er habe in neun Jahren schon viele gute Bands gesehen, aber keine habe sich so rasant entwickelt wie Empty Trash. "Die Jungs sind smart, sie machen tolle Musik – sie müssen nur von dem DSDS-Label wegkommen."

Der Vater als Supervisor

Im SO36 hängt eine "Emergenza"-Teilnehmerliste an der Wand. Acht Bands duellieren sich heute. Empty Trash ist "special guest" und tritt außer Konkurrenz an, um den anderen Bands eine Chance zu lassen. Die meisten Fans kommen nur ihretwegen. 400 Karten hat Veranstalter Zillich letztes Jahr verkauft, nun sind es mehr als doppelt so viele.

Max Buskohl klopft gegen das Mikro, Probe für den neuen Song "Salt Aint Sweet". Die Musiker der anderen Bands sitzen auf wackeligen Hockern an der Bar. Sie klammern sich an ihre Gitarren und schauen ehrfürchtig zur Bühne hoch, zu Max Buskohl, dem Star, den sie aus dem Fernsehen kennen. "Mehr Tempo!", mahnt der Vater von Max. Carl Carlton hat als Gitarrist für Udo Lindenberg und Peter Maffay gearbeitet, jetzt managt er Empty Trash. Er trägt Levis-Jeans, Sonnenbrille, hat die oberen drei Knöpfe seines Hemdes geöffnet. Er wippt im Takt: "Great stuff! Weiter so!"

Carlton, 52, erteilt der Band Unterricht, er verhandelt mit den Plattenfirmen, bereitet die Konzerte vor: "Ich versuche zu verhindern, dass die Jungs an die falschen Leute gerate, denn davon gibt es in dieser Branche viele." Er gab der Band auch den Namen. Vor dem ersten Auftritt wussten die Kids nicht, wie sie nicht nennen sollten. Dann zeigte Carlton auf einen leeren Mülleimer und sagte: Warum nicht Empty Trash?



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