Kampagne in Mecklenburg-Vorpommern Liebe Eltern, legt das Smartphone weg

"Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?" Eine Plakataktion in Mecklenburg-Vorpommern will, dass Eltern weniger aufs Handy schauen und mehr mit ihren Kindern reden. Zumindest die Erzieher sind begeistert.

Plakat der Kampagne "Medien-Familie- Verantwortung"
Lakost

Plakat der Kampagne "Medien-Familie- Verantwortung"

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Auf dem Spielplatz, im Kinderzimmer, beim Abholen aus dem Kindergarten: Bei vielen Eltern ist das Smartphone ständiger Begleiter. Doch besonders die ganz Kleinen leiden darunter, wenn Mama und Papa ständig aufs Display schauen. Die elterliche Aufmerksamkeit, die Kindern zugunsten des Smartphones entzogen wird, kann sich negativ auf die Entwicklung auswirken - ein Problem, das auch immer häufiger in Kitas festgestellt wird.

"Erzieherinnen beobachten zunehmend, dass Eltern ihre Kinder abholen, den Blick kaum vom Display lassen und nicht danach fragen, wie der Tag ihrer Kleinen war", sagte Birgit Grämke von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen in Schwerin. In Mecklenburg-Vorpommern will die Kampagne "Medien-Familie-Verantwortung" nun auf dieses Problem aufmerksam machen.

In mehr als tausend Kitas landesweit sollen Plakate aufgehängt werden, die gezielt junge Eltern ansprechen und dafür werben, Auszeiten vom Smartphone zu nehmen und den Kindern uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu schenken.

Plakataktion in Mecklenburg-Vorpommern
Lakost

Plakataktion in Mecklenburg-Vorpommern

"Damit Kinder eine gesunde Bindung zu ihren Eltern aufbauen können, brauchen sie deren Zuwendung. Kommt diese zu kurz, können Kinder dauerhafte Bindungsstörungen entwicklen," sagt Grämke. Der Griff zum Handy erfolge jedoch oft automatisch und vielen Eltern sei gar nicht bewusst, wie viel Zeit dabei draufgeht. Die Plakate sollen nun eine sanfter Hinweis für Eltern sein - und auch eine Hilfestellung für Erzieher.

Einige Kitas sprechen Smartphone-Verbote für Eltern aus

Viele Erzieher seien täglich mit Eltern konfrontiert, die mit ihren Augen am Display kleben. Oft wissen sie dann jedoch nicht, wie sie das Problem ansprechen sollen. In Zukunft sollen die Plakate den Gesprächseinstieg erleichtern. Doch auch auf Elternabenden müsse über die Mediennutzung im Alltag gesprochen werden, rät Grämke.

Nicht viel hält die Sozialpädagogin hingegen von generellen Smartphone-Verboten. "Manche Erzieher sind so verzweifelt, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen. Einige berichten in unseren Workshops von Verbotsschildern am Kita-Eingang. Doch das führt oft zu Abwehrreaktionen und Trotz. Wir möchten erreichen, dass Eltern ein Bewusstsein für ihre Smartphone-Nutzung entwickeln."

Noch bevor die Plakate aus dem Druck kamen, war die Nachfrage in den Kitas groß. Jetzt werden die Poster aufgehängt.

asc



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