Mein erstes Mal Aleen, 13, sieht sich selbst im Kino

Einmal ganz groß auf der Kinoleinwand - für Aleen aus Mühldorf ist dieser Traum wahr geworden. Im Film "Hanni und Nanni" spielt sie die Rolle der Erika. Der rote Teppich bei der Premiere war zwar lila, ein kleiner Star ist Aleen jetzt trotzdem.

Sabine Kötter

"'Bist du das nicht auf dem Plakat?' So werde ich seit dem Start des Kinofilms 'Hanni und Nanni' oft von Kindern im Freibad angesprochen. Das macht mich stolz. Es ist ein tolles Gefühl, wenn mich die Leute erkennen. Meine Autogrammkarten sind mir leider schon ausgegangen. Schade, denn ich hatte extra meine Unterschrift geübt. Den ganzen Namen oder doch nur die Initialen - das war keine leichte Entscheidung. Gut, dass mir meine Freundin bei der Auswahl geholfen hat. Jetzt unterschreibe ich mit AJK - Aleen Jana Kötter.

Die Schauspielerei liegt bei uns in der Familie. Meine Eltern gründeten vor einigen Jahren mit Freunden eine Theatergruppe, meine beiden Geschwister hatten schon öfter Filmrollen. Sie haben mich mit ihrer Leidenschaft angesteckt. Mit fünf Jahren durfte ich mal einen Satz in einem Film sagen, in dem mein Bruder mitspielte. Als ich zwölf war, wollte ich dann auch richtig schauspielern. Also hat mich meine Mama bei einer Agentur in München angemeldet.

Mein allererstes Casting war gleich das für den Kinofilm 'Hanni und Nanni' nach der Kinderbuchreihe von Enid Blyton. Meine Agentin hat mich dort angemeldet. Ich war vielleicht aufgeregt. Den ganzen Tag über habe ich nur gezittert. Die anderen Bewerberinnen hatten alle schon Erfahrung, das hat mich noch nervöser gemacht. Meine Mama, die mit dabei war, hat mich ein bisschen beruhigt.

Mit den restlichen Mädchen musste ich eine Szene unter einem Nachthimmel spielen. Wir lagen alle auf dem Boden. Den Text hatten wir davor einstudiert. Ich habe versucht, ich selbst zu sein. Das hat den Castern wohl gefallen.

Aleen ist jetzt Erika

An den Tag, an dem ich erfahren habe, dass ich die Rolle der Erika spielen darf, kann ich mich noch genau erinnern. Meine Eltern nehmen mich manchmal zum Spaß ein bisschen hoch. Als ich von der Schule heimkam, meinten sie: 'Aleen, du hast etwas Schlimmes gemacht!' Ich hatte Angst - etwas Schlimmes? Was kann das sein… 'Du hast die Rolle bekommen', meinten sie freudestrahlend. Ich war sprachlos. Anfangs konnte ich das nicht begreifen. Erst langsam ist mir bewusst geworden, dass ich jetzt Erika bin.

Die letzten Sommerferien habe ich am Filmset auf Schloss Faber-Castell in Nürnberg und in Berlin verbracht. Weil ich noch ein Kind bin, darf ich am Tag nur fünf Stunden drehen. Zwischen den einzelnen Szenen gab es viele Pausen. Da haben wir oft Spiele gespielt, um uns wieder zu entspannen.

Gudrun, eine von den Coaches, ist mit uns Schauspielern am Abend zuvor den Text durchgegangen, hat Konzentrationsspiele mit uns gemacht und eine Menge Tipps gegeben. Zum Beispiel, dass wir immer an das denken sollen, was wir spielen. In einer Szene sollten wir weinen. Da hat Gudrun uns eine sehr traurige Geschichte erzählt, und uns liefen wirklich die Tränen runter.

An einem Tag lief der Dreh nicht gut. Ich hatte viel Text und war schon vor Filmbeginn aufgeregt. Weil ich so nervös war, habe ich einige Fehler gemacht. Wir mussten die Szene so lange wiederholen, bis ich es hinbekommen habe. Zum Glück ist die Regisseurin nicht böse geworden.

Die Stars waren ganz normal

Normalerweise war es aber nicht schwer, die Rolle der Erika zu spielen. Erika und ich sind uns nämlich relativ ähnlich: Wir sind beide sehr ehrgeizig und gehören zu den Besten in der Schule. Ich bin aber ein bisschen lebendiger als Erika, sie ist mehr der ruhige, zurückhaltende Typ.

Ich muss zugeben, dass ich von den vielen bekannten Schauspielern am Set zuvor kaum jemanden kannte. Nur Hannelore Elsner und Anja Kling hatte ich schon im Fernsehen gesehen. Und Oliver Pocher - der ist ja bekannt. Mit ihnen konnte ich ganz normal reden, wie mit meinen Freunden. Dass sie so berühmt sind, hat man beim Drehen nicht gemerkt. Mit Suzanne von Borsody habe ich mich besonders gut verstanden. Sie hat mir viel geholfen.

Manchmal musste ich auch während der Schulzeit zum Filmset. Der Direktor meiner Schule hatte nichts dagegen. Ich glaube, er war sogar ein kleines bisschen stolz auf mich. Meine Lehrer wussten das mit dem Kinofilm anfangs gar nicht. Als sie mich dann aber auf den Plakaten gesehen haben, wollten sie alle ein Autogramm. Dass ich durch die Dreharbeiten Unterricht verpasst habe, war nicht schlimm. Weil ich in den Wochen zuvor sehr viel Text für den Kinofilm gelernt habe, konnte ich mich besser konzentrieren und mir den Stoff leichter merken.

Posieren auf dem lila Teppich

Das Highlight war natürlich die Weltpremiere des Films im Mathäser Filmpalast in München. Ich war schrecklich aufgeregt. Gleich sollte ich mich das erste Mal auf der großen Kinoleinwand sehen. Zunächst stand aber der Gang über den lila Teppich an. Für den großen Tag habe ich mich extra schick gemacht. Das Outfit hat mir meine Mama genäht, ein kunterbunter Pulli mit einem schwarzen Kleid darüber. Meine Haare waren in vielen kleinen Zöpfchen aufwendig zu einer Hochsteckfrisur geflochten - wie bei einem richtigen Star eben.

Am Rand standen viele Fotografen und Journalisten. Meine Filmmama hat mich dann auf einmal am Arm genommen und zu einem Interview mitgeschleift. Darauf war ich gar nicht vorbereitet. Der Trubel war riesig, vor allem als die Zwillinge kamen, die Hanni und Nanni spielten.

Dann ging der Film los. Ich saß unruhig auf meinem Stuhl, bin von einer Seite auf die andere gerutscht. Vor Spannung musste ich an meinen Fingernägeln kauen. Und dann kam die erste Szene mit mir. Oh mein Gott, das bin ja ich - ich im Kino. Ich konnte es gar nicht fassen. Aber es fühlt sich gut an.

Deswegen will ich auch weitermachen mit der Schauspielerei, vielleicht noch mal in einem Kinofilm mitspielen. Aber beruflich als Schauspielerin zu arbeiten, kann ich mir nicht vorstellen - das wird wohl immer Hobby bleiben."

Protokoll: Christina Kufer

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