Mein erstes Mal Felix, 12, bringt Günther Jauch zum Schweigen

Sie sollen handeln, nicht nur reden - darum hält Schüler Felix Finkbeiner für seine Klima-Kampagne Prominenten den Mund zu. 50 Menschen, von Gisele Bündchen bis Horst Seehofer, machten schon mit. Vor laufender Kamera ließ der 12-Jährige auch Moderator Günther Jauch verstummen.

I&U TV

"Eigentlich habe ich erst am Morgen der Sendung überlegt, Günther Jauch zu fragen, ob ich ihm den Mund zuhalten darf. Wenn's passt, dann mache ich das einfach, dachte ich mir.

Dabei liefen die Vorbereitungen schon länger. Vor einigen Wochen rief eine Frau aus der Redaktion von 'Stern TV' an, weil ich die Initiative Plant for the Planet ins Leben gerufen habe. Ich will zusammen mit anderen Kindern in jedem Land der Welt eine Million Bäume pflanzen. Das Kamerateam ist dann gekommen, um zu filmen - bei uns daheim, an der Schule, bei Pflanzpartys.

Angefangen hat alles vor drei Jahren mit einem Referat in der Schule. Mein Thema war die Klimakrise. Am Ende habe ich ganz spontan gesagt: 'Lasst uns in jeden Land der Welt eine Million Bäume pflanzen.' Meiner Lehrerin hat die Idee gefallen. Vor der Schule habe ich mit meinen Klassenkameraden den ersten Baum gepflanzt.

Südkorea statt Schule

Mir macht das Spaß. Nach dem Unterricht beantworte ich meist noch E-Mails oder gebe Interviews. So jedes zweite Wochenende halte ich irgendwo einen Vortrag oder bin bei einer Pflanzparty dabei. Manchmal werde ich dafür von der Schule beurlaubt. Ich war schon in China, Südkorea und New York. Aber mir bleibt auch noch genug Zeit, um etwas mit meinen Freunden zu unternehmen, Fahrrad fahren oder Schwimmen gehen.

Die Kampagne 'Stop talking. Start planting', bei der ich und andere Kinder berühmten Menschen den Mund zuhalten, hat sich eine Kommunikationsagentur ausgedacht. Inzwischen habe ich das schon bei so 50 Leuten gemacht, zum Beispiel bei dem Model Gisele Bündchen und dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Aber vor laufender Kamera mit Günther Jauch war das schon etwas Besonderes.

Am Tag der Sendung wurden mein Vater und ich mit einem Auto vom Hotel abgeholt. Im Studio durften wir uns kurz die Bühne anschauen. Wir bekamen eine eigene Umkleidekabine mit Fernseher. Von dort aus schauten wir die anderen Beiträge an. Obwohl es schon ziemlich spät war, war ich nicht müde, denn ich hatte am Nachmittag ein bisschen vorgeschlafen.

Der millionste Baum ist gepflanzt

Dann kam ich auf die Bühne. Zuerst lief der Film über mich und die Aktion. Zum Interview mit Günther Jauch setzte ich mich in einen Ledersessel. Ich habe einfach versucht, ganz normal zu sein, wie immer. An die drei Millionen Menschen, die das im Fernsehen gucken, habe ich nicht gedacht. Nur die Zuschauer im Publikum waren ja wirklich da. Und das waren nicht ganz so viele.

Wir haben vor allem über das Bäumepflanzen geredet. Inzwischen ist nämlich das erste Ziel erreicht. Anfang Mai beim Klimadialog auf dem Bonner Petersberg haben wir den millionsten Baum in Deutschland gepflanzt. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht.

Dann hat Jauch mich noch gefragt, was ich machen will, wenn ich erwachsen bin. Genau weiß ich das nicht. Aber da die Probleme vermutlich noch nicht gelöst sein werden, mache ich vielleicht einfach weiter.

Das war auch schon das Ende des Gesprächs. Als Geschenk gab Jauch mir einen Rucksack mit einem Picknick-Set drin. Da wusste ich, dass ich jetzt fragen muss - und das habe ich dann auch einfach getan. 'Herr Jauch, wie sieht's aus, würden Sie bei unserer Kampagne mitmachen?', habe ich gesagt.

Hand vor den Mund? Kennt Jauch von zu Hause

Richtig abgesprochen war das nicht. Aber ich habe es vorher der Frau aus der Redaktion erzählt. Und vielleicht hat sich Jauch das schon gedacht, weil die Kampagne auch im Film vorkam.

Ich war mir ziemlich sicher, dass Jauch mitmachen würde - auch wegen der Kameras. Er hat eigentlich gleich Ja gesagt. 'Das bin ich von zu Hause gewöhnt', meinte er noch. Da haben alle gelacht und geklatscht.

Dann bin ich einfach aufgestanden, habe mich neben ihn gestellt und meine Hand mit einem kleinen Abstand vor seinen Mund gehalten. Wir halten den Mund nämlich nicht richtig zu. Das wäre ja komisch. Das muss nur so aussehen fürs Foto oder in diesem Fall für die Fernsehkamera. Nach ein paar Sekunden war's schon wieder vorbei. Günther Jauch hat meine Hand geschnappt und noch mal geschüttelt. Dann kam das nächste Thema.

Wie viel Aufmerksamkeit so ein Fernsehauftritt bringt, habe ich erst später erfahren. Wir haben während und nach der Sendung viel mehr Spenden als sonst gekriegt. Sogar der Server der Internetseite ist kurz zusammengebrochen."

Aufgezeichnet von Kathrin Fromm



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