Mein erstes Mal Jana, 17, kommt ins Fernsehen

Wer rechnet denn damit? Jana Ditz, 17, bekommt eine Einladung vom Fernsehen - sie soll von ihrem Austauschjahr in Südafrika erzählen. Kurz vor der Sendung wird sie nervös, lernt das Drehbuch auswendig, probiert tausend Kleider an. Dann heißt es: Achtung - Kamera läuft!


"Eine E-Mail vom Kinderkanal: Ich bin eingeladen, um in einer Show über Afrika als Gast aufzutreten. Ich war ein Jahr lang in Südafrika in Kapstadt und bin dort zur Schule gegangen - davon soll ich erzählen. Man kann sagen: Ich komme ins Fernsehen. Natürlich sage ich zu und beginne sofort damit, meinen Koffer zu packen, das erhöht die Vorfreude. Der Kinderkanal hat mir schon ein paar Tage vor der Aufzeichnung ein Drehbuch zugeschickt. Da stehen Vorschläge drin, was ich auf ihre Fragen so antworten könnte - aber was ich letztendlich sage, ist mir selbst überlassen.

Am Tag vor der Sendung nehmen mein Freund Phillip und ich einen Zug nach Erfurt, da sitzt der Kinderkanal. Wir wohnen in Hamburg, vier Stunden braucht der Zug bis dahin. Phillip sagt, dass mein Koffer 'mindestens 40 Kilo' wiegt. Dabei trage ich ihn sogar selber.

Im Zug bekomme ich eine Panikattacke: Habe ich wirklich alles eingepackt? Phillip holt den Koffer von der Gepäckablage und breitet seinen Inhalt vor mir aus. Die anderen Leute im Abteil lachen. Ich bin beruhigt. Alles da. Ich lese das Drehbuch und meinen Text für die Show noch einmal durch. Phillip schläft ein. Wieder eine Panikattacke: Was passiert, wenn ich vor der Kamera plötzlich nicht mehr weiß, was ich sagen soll? Ich lerne den Text aus dem Drehbuch auswendig.

Ich probiere alle Klamotten mehrmals an

'Nächster Halt: Erfurt' - ich wecke Phillip, raus aus dem Zug, ab zum Hotel. Vor dem Einschlafen werde ich wieder unruhig. Was soll ich bloß morgen anziehen? Ich probiere alle Klamotten aus meinem Koffer mehrmals an. Ich verteile mein Zeug über den Fußboden, die Stühle, die Lampen und das Bett. Am Ende entscheide ich mich für meinen Schulrock aus Südafrika, ein geringeltes Top und halbhohe Schuhe. Schick und locker, so ist es perfekt. Jetzt kann ich die Aufzeichnung kaum noch erwarten.

Das Gebäude des Kinderkanals ist riesig und aus Glas. Gästebetreuerin Denise bringt uns in einen Warteraum. Phillip ist begeistert: 'Ledersessel, ein riesiger Fernseher und jede Menge Verpflegung - was will man mehr?' Wir bekommen einen Kaffee, dann muss ich in die Maske.

Ich sitze auf einem Stuhl, der aussieht wie beim Zahnarzt, die Maskenbildnerin legt mir einen Frisierumhang mit chinesischen Schriftzeichen um. Ich werde bepinselt, 15 Minuten lang. Denise zeigt mir noch schnell die Regie: Monitore, Schalter und Computer - ein ganz schöner Aufwand steckt hinter so einer einzigen Sendung. Jetzt geht es endlich ins Studio.

Der Raum ist knallbunt eingerichtet. Auf der einen Seite steht die ganze Technik, also Kameras, Monitore, es liegt ganz viel Kabel auf dem Boden herum. Auf der anderen Seite ist eine Sitzecke mit einem großen Bildschirm, daneben Platz für Zuschauer und im Hintergrund eine bunte Wanddekoration - all das, was man im Fernsehen so sieht.

Der Tontechniker verkabelt mich, ich bekomme ein Mikro über das Ohr gehängt. Generalprobe: Ich laufe durch eine Art Torbogen, ein großer Kran mit einer Kamera nähert sich mir. Ich sage hallo zu den Moderatoren Tanja und Lukas. Um mich herum ist alles im Afrika-Look dekoriert, die Scheinwerfer brennen auf meiner Haut. Während der Probe darf ich meine Drehbuchtexte dabei haben. Alles läuft prima. Ich kann die richtige Aufzeichnung kaum noch erwarten.

Jetzt wird es ernst!

'Wir beginnen in zehn, neun, acht, ...', die Stimme des Regisseurs hallt durchs Studio. Ich stehe an meiner Position vor dem Torbogen. Noch schnell ein wenig Puder auf meine Nase, ein paar beruhigende Worte von Denise - und los, jetzt wird es ernst.

Dieses Mal habe ich keinen Text in der Hand, als ich auf die Moderatoren zugehe. Es sitzen Kinder im Studio und klatschen, vom Band kommt eine Musik. Die Kameras laufen. Als Moderatorin Tanja mir zur Begrüßung die Hand schüttelt, zittere ich.

Wir setzen uns hin und beginnen zu reden. Ich beruhige mich – und schlagartig ist die Aufregung wie weggeblasen. Ich beantwortete die Fragen wie geplant, und selbst da, wo wir improvisieren, läuft alles gut. Als am Ende der Aufzeichnung alle klatschen, bin ich überglücklich. Nur eine kleine Stelle muss noch einmal gedreht werden. Ich hatte meine Schuluniform aus Südafrika nicht lange genug in die Kamera gehalten. Die sollen ja schließlich auch alle erkennen können, also halte ich sie noch einmal hoch.

Auf der Rückfahrt im Zug schlafe ich sofort ein. Ich bin erschöpft und erleichtert. Was für ein Tag."



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