Mexiko Lehrerproteste extrem

Straßenschlachten, Barrikaden, Geiselnahmen: Die Proteste mexikanischer Lehrer gegen die geplante Bildungsreform werden immer brutaler. Das hat auch dramatische wirtschaftliche Folgen.

Lehrerdemonstration in Mexiko: Proteste gegen die Bildungsreform
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Lehrerdemonstration in Mexiko: Proteste gegen die Bildungsreform


Oaxaca de Juárez ist eine der schönsten Städte Mexikos. Kopfsteinpflaster, Kolonialbauten in Pastellfarben, schattige Parks und opulente Barockkirchen locken Tausende Touristen an - normalerweise. Doch jetzt herrscht Totenstille in den Straßen. Streikende Lehrer blockieren aus Protest gegen eine Bildungsreform wichtige Straßen in die Region und die Zufahrt zum Flughafen. In den Restaurants und Hotels ist kaum jemand zu sehen.

"Der touristische Betrieb hat sehr nachgelassen. Es kommen keine Urlauber mehr", sagt ein Hotelangestellter im Stadtzentrum. Er befürchtet, dass dann viele ihren Arbeitsplatz verlieren. Eines der bekanntesten Restaurants am zentralen Platz Zócalo, der Asador Vasco, hat bereits geschlossen.

Den Geschäftsleuten entgehen Einnahmen in Millionenhöhe. Im Bundesstaat Oaxaca sei wegen der Straßensperren durch die Lehrer in den vergangenen Tagen bereits ein Verlust von 1,7 Milliarden Pesos (81 Millionen Euro) aufgelaufen, sagt der Vorsitzende des Unternehmerverbands, Juan Pablo Castañón. In der Stadt Oaxaca seien die Hotels nur zu fünf Prozent ausgelastet, im Badeort Huatulco an der Pazifikküste gebe es keinen Treibstoff und keine Lebensmittel mehr.

Am Mittwoch gingen die mexikanischen Lehrer wieder auf die Straße.
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Am Mittwoch gingen die mexikanischen Lehrer wieder auf die Straße.

Die Lehrer protestieren gegen eine Bildungsreform der Regierung. Der Plan sieht vor, dass alle Lehrer eine Fachprüfung ablegen müssen. Bestehen sie den Test mehrfach nicht, dürfen sie nicht mehr unterrichten und werden in die Verwaltung versetzt. Viele Lehrer in Mexiko sind schlecht ausgebildet.

"Ich finde auch, dass die Leistung überprüft werden sollte und die Lehrer sich fortbilden müssen. Aber die Regierung will einfach nur Leute entlassen und das Budget weiter kürzen", sagt die Lehrerin Karina Mejía aus der Ortschaft Macahuite.

Mit der Bildungsreform, die bereits 2013 verabschiedet wurde, sollen zudem die Privilegien der mächtigen Lehrergewerkschaft beschnitten werden. Sie entschied bislang über die Postenvergabe, verteilte die Gehälter und leitete im Fall von Oaxaca sogar das regionale Bildungsministerium. Lehrerposten wurden teilweise verkauft oder vererbt.

Sie lehnen die Bildungsreform der Regierung ab und protestieren seit Wochen zum Teil sehr gewalttätig: Lehrer in Mexiko
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Sie lehnen die Bildungsreform der Regierung ab und protestieren seit Wochen zum Teil sehr gewalttätig: Lehrer in Mexiko

Ziel der Regierung ist es, das Bildungsniveau in der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas zu heben. Beim Pisa-Test liegen die mexikanischen Schüler deutlich unter dem Durchschnitt der Industrieländerorganisation OECD. 2012 erreichten 55 Prozent nicht das Mindestniveau in Mathematik, bei der Lesekompetenz fielen 41 Prozent durch und in Naturwissenschaften scheiterten 47 Prozent. Es muss also dringend etwas geschehen - doch die Regierung strebe das gar nicht an, behaupten die Lehrer.

"Das ist keine Bildungs-, sondern eine Arbeitsreform", sagt etwa Basilio Jiménez. Der 53-Jährige stammt aus dem Indio-Dorf Santa María Tlahuitoltepec und kampiert nun mit Kollegen im Zentrum von Oaxaca. "Was tut die Regierung denn wirklich, um die Bildung zu verbessern? In manchen Dörfern gibt es überhaupt keine Infrastruktur."

Die Sektion 22 aus Oaxaca gilt als der radikalste Flügel der Lehrergewerkschaft. Sie errichtet immer wieder Straßensperren, steckt Gebäude in Brand, demütigt Streikbrecher in der Öffentlichkeit und hält Polizisten fest.

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Proteste in Mexiko: Wenn Lehrer zu Steinewerfern werden

So wie in dieser Woche, als streikende Lehrer zwei Polizisten gefangen nahmen und sie zwölf Stunden lang regelrecht öffentlich zur Schau stellten. "Sie haben uns gezwungen, niederzuknien und eines ihrer Transparente hochzuhalten", sagte einer der Beamten im Radiosender Fórmula. Die Demonstranten hätten gedroht, sie in Brand zu stecken. Bilder von den knieenden Polizisten gingen in Mexiko durch die Medien. Die Menschenrechtskommission verurteilte den Vorfall.

Vor knapp zwei Wochen kamen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei in der Ortschaft Nochixtlán acht Menschen ums Leben und rund 100 weitere wurden verletzt.

In Oaxaca geht jetzt die Angst um. Die Blockade der Lehrer kappt die Lebensader des armen Bundesstaats. Ende Juli beginnt das Folklorefest Guelaguetza, das normalerweise Tausende Touristen anzieht. "Wir befürchten, bei der Guelaguetza nur 40 Prozent oder weniger Auslastung zu haben", sagt der Präsident des regionalen Hotellerieverbandes, Jaime Bautista.

Die Unternehmer der Region fühlen sich von den streikenden Lehrern in Geiselhaft genommen. "Ein ums andere Mal haben wir betont, dass Oaxaca so nicht weitermachen kann", sagt der Chef des Nationalen Gaststättenverbands, Onésimo Bravo. "Die Lehrer und ihre Sympathisanten sollten verstehen, dass sie ihre Protestmethoden ändern müssen, um nicht Dritten zu schaden."

Piji Gutiérrez/Denis Düttmann/dpa/him



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Pränki 30.06.2016
1. Polizei mit scharfen Waffen
„Vor knapp zwei Wochen kamen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei in der Ortschaft Nochixtlán acht Menschen ums Leben und rund 100 weitere wurden verletzt.“ Sie können es hier und in anderen Medien (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/mexiko-lehrer-proteste-oaxaca-tote-polizei) nachlesen. Die acht Menschen, allesamt auf Seiten der Streikenden, wurden von Polizeieinheiten erschossen, die mit scharfen Waffen auf sie losgegangen sind. Über zwanzig Menschen sind zudem „verschwunden“. Ein Flügel der Lehrergewerkschaft CNTE ist radikal, mit dem sich die Mehrheit der Streikenden nicht identifiziert. Aber das rechtfertigt nicht den Einsatz von scharfen Waffen. (https://twitter.com/Omarel44/status/747971515396743168)
a.totok 30.06.2016
2.
Zitat von Pränki„Vor knapp zwei Wochen kamen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei in der Ortschaft Nochixtlán acht Menschen ums Leben und rund 100 weitere wurden verletzt.“ Sie können es hier und in anderen Medien (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/mexiko-lehrer-proteste-oaxaca-tote-polizei) nachlesen. Die acht Menschen, allesamt auf Seiten der Streikenden, wurden von Polizeieinheiten erschossen, die mit scharfen Waffen auf sie losgegangen sind. Über zwanzig Menschen sind zudem „verschwunden“. Ein Flügel der Lehrergewerkschaft CNTE ist radikal, mit dem sich die Mehrheit der Streikenden nicht identifiziert. Aber das rechtfertigt nicht den Einsatz von scharfen Waffen. (https://twitter.com/Omarel44/status/747971515396743168)
wann ist es gerechtfertigt? erst wenn die ganze stadt abgebrannt ist und die menschen rund um die verrückten radikalen allesamt im ruin sind?
dasdondel 30.06.2016
3. Verhältnismässigkeit
---Zitat--- wann ist es gerechtfertigt? erst wenn die ganze stadt abgebrannt ist und die menschen rund um die verrückten radikalen allesamt im ruin sind? ---Zitatende--- Am Ergebnis - acht streikende wurden erschossen - ist ganz klar erkennbar von wem die Gewalt ausgeht. Die Freiheitsberaubung der Polizisten - zweifelsohne illegal - rechtfertigt das nicht. Wenn man liest, daß festgenommene Personen immer wieder verschwinden, wird mir auch verständlich, warum die Demonstranten sich bewaffnen.
a.totok 30.06.2016
4.
Zitat von dasdondelAm Ergebnis - acht streikende wurden erschossen - ist ganz klar erkennbar von wem die Gewalt ausgeht. Die Freiheitsberaubung der Polizisten - zweifelsohne illegal - rechtfertigt das nicht. Wenn man liest, daß festgenommene Personen immer wieder verschwinden, wird mir auch verständlich, warum die Demonstranten sich bewaffnen.
in mexiko läuft sehr viel schief.. allem voran das lehrer dort keine eignung aufweisen müssen, um in ihren jeweiligen fachbereichen zu unterrichten. dagegen wird aber nicht nur protestiert, sondern es werden gebrandschatzt und zerstört. wenn mein geschäft von ihnen bedroht wird, will ich persönlich das die polizei eingreift und durchaus durchgreift. ich habe schonmal geschäfte brennen sehen am ersten mai in berlin. so etwas will ich nie wieder erleben müssen. da gibt es keine entschuldigung, erst recht nicht - wenn das gesetz einfache standards bringt.
SebastianN 30.06.2016
5.
Ich wohne und studiere in Mexiko-Stadt und muss leider sagen das diese Lehrer zu einer last geworden sind. Das einzige was von den Lehrern gefordert wird, damit sie ihren Job behalten dürfen, ist eine Prüfung der Grundschulkenntnisse (Primaria) zu bestehen. Das heisst im grunde Plus-Minusrechnungen, Teilen, Multiplizieren und einen Aufsatz schreiben zu können. Wenn die Lehrer sich dem entziehen wollem haben sie meiner Meinung nach kein Recht zu unterrichten. Vor ca. 2 Wochen wurde ein Arzt auf der Autobahn von den Lehrern krankenhausreif geschlagen und sein Auto in brand gesetzt weil er ein abgeschlossenes Studium hat. Will man ernsthaft das solche Menschen die Kinder erziehen? Das einzige was die Lehrer verfolgen ist nicht getestet werden zu müssen (was laut vorherigen Tests ca . 90% nicht bestehen würden) und ihren Kindern die Stelle vererben zu können unabhängig derer schulischen und characterlichen Anlagen und Fähigkeiten. @Pränki: Die Lehrer denken nicht. Wenn sie mit einer total absurden Forderung auf die Strasse gehen und Polizisten und Zivilpersonen mit Waffen angreifen, müssen sie sich über Gegenwehr eigentlich nicht beschweren.
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