Mexiko Lehrerprotest zwingt Regierung zum Einlenken

Acht Tote, rund 100 Verletzte: Die Gewalt bei Lehrerprotesten gegen eine Bildungsreform in Mexiko eskalierte wochenlang immer weiter. Jetzt weicht die Regierung einen zentrale Neuregelung auf.

Protestmärsche von Lehrern in Mexiko
REUTERS

Protestmärsche von Lehrern in Mexiko


Nach wochenlangen Protesten hat die mexikanische Regierung den streikenden Lehrern im Land Zugeständnisse gemacht. Die in der jüngsten Bildungsreform vorgesehene Überprüfung der Lehrkräfte werde überarbeitet, kündigte Bildungsminister Aurelio Nuño nach Gesprächen mit Gewerkschaftsvertretern an.

Die Überprüfung solle vor allem regionale Besonderheiten im Land berücksichtigen, hieß es nach dem Treffen am Mittwoch. "Die Regeln werden an die soziokulturellen Bedingungen in den verschiedenen Teilen des Landes angepasst", sagte Nuño. Das bedeute aber nicht, dass die Reform unter dem Druck bestimmter Lehrer völlig ausgehöhlt werde.

Die Regierung kommt den Lehrern in einem Punkt entgegen, der bei den Gewerkschaften für besonders großen Unmut gesorgt hatte. Tausende hatten sich dagegen gewehrt, dass ihre fachliche Eignung überprüft werden sollte. Dies sieht eine Reform aus dem Jahr 2013 vor.

Die Regierung begründete die Kontrollen damit, dass Lehrkräfte einzig aufgrund ihrer fachlichen Qualifikation für den Schuldienst eingestellt werden sollen. Das erklärte Ziel: die Qualität des Unterrichts im Land erhalten und verbessern.

Wochenlange Proteste, Chaos und Gewalt

Gleichzeitig sollte der Einfluss der mächtigen Lehrergewerkschaft beschnitten werden. Sie entschied bislang über die Postenvergabe und verteilte Gehälter. Lehrerstellen wurden teilweise verkauft oder vererbt. Aus Sicht der Lehrer dagegen sollten mit der Reform ihre Rechte als Arbeitnehmer beschnitten werden. Wer sich den Überprüfungen verweigerte, sollte den Job verlieren.

Aus Protest gegen die Reform hatten Lehrer im Süden des Landes wochenlang Fernstraßen blockiert, bis in der Region Benzin und Lebensmittel knapp wurden. Bei gewalttätigen Ausschreitungen kamen acht Menschen ums Leben und rund 100 weitere wurden verletzt.

Ob die Einigung vom Mittwoch zu einer friedlichen Einigung zwischen Regierung und Lehrern führen wird, war zunächst unklar. Vorerst war nicht sicher, ob der radikalste Flügel der Lehrergewerkschaft die Vereinbarung zwischen Nuño und Gewerkschaftsvertretern annimmt.

fok/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.