Mobbende Klassentyrannen Fies, aber beliebt

Der Klassenrabauke kann gut zuschlagen und brüllen, ist aber dumm und hat nicht viele Freunde. Wirklich? Forscher sagen jetzt: Mit Aggressionen kann man punkten - die schlimmsten Mobber sind meist beliebter als ihre Opfer, die unter den Schikanen leiden.


Sie attackieren, provozieren und schikanieren ihre Mitschüler: "Bully" oder "Tyrann" nennen englischsprachige Forscher die Jugendlichen, die das Klassenzimmer in eine wahre Hölle für ihre Opfer verwandeln können. Angeblich sind diese kleinen Klassentyrannen körperlich überlegen, aber dumm und sozial unreif. Wissenschaftler widersprechen inzwischen diesem Bild.

Prügel unter Schülern: Immer auf die Kleineren, die Schwächeren, die Randfiguren
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Prügel unter Schülern: Immer auf die Kleineren, die Schwächeren, die Randfiguren

Auf einer Tagung zum Thema "Gewalt und Bullying an Schulen" der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität räumten die Forscher am Donnerstag und Freitag mit diesen weitverbreiteten Vorurteilen auf: "Die soziale und kulturelle Kompetenz der Täter ist überdurchschnittlich", sagt Mechthild Schäfer von der Fakultät für Psychologie an der Uni München.

"Wer mit Mobbing keine Ablehnung provozieren will, muss sich sehr clever anstellen", so Schäfer. Bei "Bullying" und Mobbing in der Schule gehe es meist nicht allein um ein Spannungsverhältnis zwischen einem Täter und einem Opfer, "Mobbing kann sich so weit ausdehnen, bis eine ganze Klasse auf das Opfer losgeht".

Je älter die Schülerinnen und Schülern werden, desto weniger gehe es dabei allerdings ums Schlagen, Treten, Prügeln. In Befragungen gaben 25 Prozent aller Grundschüler an, sie seien in den letzten Wochen geschubst, getreten oder geschlagen worden - das Gleiche sagten dagegen nur zehn Prozent der Schüler an weiterführenden Schulen.

Die älteren Schüler mobben mit Worten, nicht mit Schlägen

Die handfeste Gewalt unter Schülern, sagt Schäfer, nehme bereits ab der zweiten Klasse ab. Ältere Schüler in den höheren Klassen der Grundschule oder der Mittelstufe üben subtiler Gewalt aus: Sie schließen ihre Opfer aus der gemeinsamen Gruppe aus, versuchen sie in die Ecke zu drängen - aber nicht mit dem Körper, sondern mit Worten.

Sie versuchen, ihre Opfer auszuschließen, sie auszugrenzen, so Schäfer. Zu ihrer Verblüffung stellten viele Psychologen bei ihren Studien fest, dass in der Mittelstufe die kleinen Tyrannen in ihrer Klasse nicht einmal besonders unbeliebt sind.

Ein "Bully" ist nicht weniger populär als ein neutraler Mitschüler. Er ist vor allem meist deutlich beliebter als sein Opfer. "Mit Aggressionen kann man punkten", sagt Mechthild Schäfer.

Die Täter suchen sich ihre Opfer in einer Klasse stets sehr genau aus - Täter und Opfer verbinde meist eine dauerhafte Beziehung, sagt auch Inge Seiffge-Krenke vom Psychologischen Institut der Uni Mainz.

Die Klasse lässt die Mobbing-Opfer fallen

Sie können Freunde sein, Nachbarn, Bekannte. Immer gebe es zwischen ihnen ein starkes Machtgefälle, die Opfer seien stets die Kleineren, die Schwächeren, die Randfiguren einer Klasse. Unter gleichrangigen Schülern gebe es systematische Quälereien und Schikanen dagegen fast nie.

Der typische "Bully" handelt selten allein: "In 85 Prozent aller Bullying-Episoden sind Mitschüler anwesend", sagt Schäfer. Wissenschaftler unterscheiden zwischen den "Gefolgsleuten" eines Mobbers, die teils aktiv bei den Quälereien mitmachen, und den "Verstärkern" - die nehmen zwar nicht aktiv teil, feuern den Bully aber bei seinen Quälereien oder Schikanen an oder applaudieren ihm.

Es sei enorm wichtig, vor allem das Verhalten dieser Mitschüler zu beeinflussen, wenn man "Bullying" oder Mobbing in einer Klasse stoppen will, so Inge Seiffge-Krenke. Während die Täter von ihren Aggressionen profitieren, setze bei den Opfern ein allmählicher Statusverfall ein.

Ein Schüler, der Opfer von "Bullying" oder Mobbing ist, wird vom Rest der Klasse allmählich nicht mehr in Schutz genommen, sondern fallengelassen.

Guido Rijkhoek, dpa

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Peter-Freimann 03.04.2008
1.
Zitat von sysopHinter den Mädchen bleiben Jungen schulisch deutlich zurück. Sind sie wirklich Bildungsversager mit Gewaltneigung? Oder liegt an der weiblich geprägten Kuschelpädagogik?
Jungen haben durchaus spezifische Bedürfnisse und Eigenheiten, aber Kuschelpädagogik ist für Mädchen auch sehr schlecht.
Zwietracht, 03.04.2008
2.
Zitat von sysopHinter den Mädchen bleiben Jungen schulisch deutlich zurück. Sind sie wirklich Bildungsversager mit Gewaltneigung? Oder liegt an der weiblich geprägten Kuschelpädagogik?
Was genau ist eigentlich "Kuschelpädagogik"?
lis, 03.04.2008
3.
Zitat von sysopHinter den Mädchen bleiben Jungen schulisch deutlich zurück. Sind sie wirklich Bildungsversager mit Gewaltneigung? Oder liegt an der weiblich geprägten Kuschelpädagogik?
Was bitte ist "Kuschelpädagogik"? Eine, die Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kinder nimmt? Soll das dann heissen, dass Buben in der Schule besser wären, wenn Drill und Dresche angesagt wären? Kann ja wohl nicht ernst gemeint sein. Zudem: Wie hiesse der Gegensatz zu "weiblicher Kuschekpädagogik"? "Männliche Drillpädagogik"? Was sind denn das für altertümliche Rollenbilder - hie das kuschelige Weibchen und dort der harte Mann? So ein Käse. Die Jungs sind auch nicht prinzipiell Bildungsversager mit Gewaltneigung - so wenig wie die Mädchen alle sozialbegabte Bildungsstars sind. Das Bild kehrt doch spätestens beim Studienabschluss, wo plötzlich die Männer in der Mehrheit sind. Oder im oberen Management, wo die ehemals angeblich schulschwachen Männer fast unter sich bleiben. Schulerfolg ist eben noch lange nicht deckungsgleich mit Berufserfolg. Aber prinzipiell kann man wohl sagen, dass grosse Klassen Kindern den Schulerfolg erschweren, die sich nicht problemlos einfügen. Kleinere Klassen wiederum sind nicht gratis zu haben. Und so bleibt die politische Entscheidung, ob man für Schulen mehr Geld ausgeben will, um auch nicht klaglos angepassten Kindern einen Schulerfolg zu ermöglichen.
MarkK 03.04.2008
4.
Zitat von sysopHinter den Mädchen bleiben Jungen schulisch deutlich zurück. Sind sie wirklich Bildungsversager mit Gewaltneigung? Oder liegt an der weiblich geprägten Kuschelpädagogik?
Ach je, ist das wirklich notwendig, dass SPON jetzt auch noch einen eindeutigen Kampfbegriff mal einfach so in die Diskussion wirft? Haben wir nicht schon genug ideologisch geprägtes Gebashe in den anderen Pädagogik-/Lehrerthreads gehabt? Wie soll da denn eine substantielle Diskussion rumkommen, wenn der Diskussionsanlass ("Kuschelpädagogik") schon so unbestimmt ist?
Peter-Freimann 03.04.2008
5.
Zitat von lisWas bitte ist "Kuschelpädagogik"? Eine, die Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kinder nimmt? Soll das dann heissen, dass Buben in der Schule besser wären, wenn Drill und Dresche angesagt wären? Kann ja wohl nicht ernst gemeint sein. Zudem: Wie hiesse der Gegensatz zu "weiblicher Kuschekpädagogik"? "Männliche Drillpädagogik"? Was sind denn das für altertümliche Rollenbilder - hie das kuschelige Weibchen und dort der harte Mann? So ein Käse. Die Jungs sind auch nicht prinzipiell Bildungsversager mit Gewaltneigung - so wenig wie die Mädchen alle sozialbegabte Bildungsstars sind. Das Bild kehrt doch spätestens beim Studienabschluss, wo plötzlich die Männer in der Mehrheit sind. Oder im oberen Management, wo die ehemals angeblich schulschwachen Männer fast unter sich bleiben. Schulerfolg ist eben noch lange nicht deckungsgleich mit Berufserfolg. Aber prinzipiell kann man wohl sagen, dass grosse Klassen Kindern den Schulerfolg erschweren, die sich nicht problemlos einfügen. Kleinere Klassen wiederum sind nicht gratis zu haben. Und so bleibt die politische Entscheidung, ob man für Schulen mehr Geld ausgeben will, um auch nicht klaglos angepassten Kindern einen Schulerfolg zu ermöglichen.
Lesen Sie mal die progressive Berliner Schulverfassung: was da noch an sozialen Rollenunterschieden besteht, gendern die dort alles weg, dann gibt es an den Schulen das Problem zwischen "Männlein" und "Weiblein" sowieso nicht mehr.
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