Mobbing in sozialen Netzwerken Das Leiden der Lehrer

Viele Lehrer leiden unter Hetze von Schülern im Internet, zeigt eine neue Studie aus England. Ein Kommentar wie "Schlechtester Lehrer" ist noch das Harmloseste. Auch Eltern pöbeln mit.

Gefrusteter Lehrer: Schikane im Netz kann verheerende Folgen haben (Symbolbild)
Corbis

Gefrusteter Lehrer: Schikane im Netz kann verheerende Folgen haben (Symbolbild)


Sie mobben, pöbeln, drohen. Sie verstecken sich in der Anonymität des Netzes und schlagen online zu. Weil sie sich ärgern oder langweilen, manchmal auch, weil es ihnen einfach Spaß macht, andere zu quälen. Ja, Menschen können gemein sein. Eine neue Studie aus England zeigt jetzt, wie sehr Jugendliche und ihre Eltern online austeilen - und wie Lehrer darunter leiden.

Die NASUWT, die größte britische Lehrergewerkschaft, hat Lehrer gebeten, online Fragen zu beantworten: Wurden Sie schon mal in sozialen Netzwerken gemobbt? Wie sind Sie damit umgegangen? Wie reagierte Ihr Schuldirektor?

7500 Personen antworteten. Ein Fünftel der Befragten sagte: Ja, es gab schon mal negative Kommentare über mich als Lehrer in sozialen Netzwerken - meist von Schülern (64 Prozent), aber auch die Eltern pöbeln oft mit.

Die meisten Kommentare veröffentlichen Schüler bei Facebook (57 Prozent), gefolgt von der Bewertungsplattform Ratemyteacher (23 Prozent), Twitter (5 Prozent), YouTube (3 Prozent) und SnapChat (2 Prozent). Bei den Eltern sieht es ähnlich aus. Die Kommentare reichen von: "Schlechtester Lehrer" über "Geh zurück nach China!" bis "Du bist ein Pädo und deine Tochter eine Nutte". Manchmal eröffneten Schüler auch Fake-Facebookprofile im Namen der Lehrer und posteten Dinge wie: "Ich werde jeden Achtklässler vergewaltigen, der in die Schule kommt."

Der Generalsekretär der Lehrergewerkschaft, Chris Keates, sagt dazu: "Lehrer sind oft traumatisiert von diesen Attacken in den sozialen Netzwerken." Viele hätten dadurch ihr Selbstvertrauen als Lehrer verloren und den Beruf gewechselt.

Die Studie ist nicht repräsentativ. Vielleicht fühlten sich auch gerade jene von dem Fragebogen besonders angesprochen, die schon mal böse Kommentare in den sozialen Netzwerken einstecken mussten. Das könnte das Resultat verzerren. Auch sind die Ergebnisse nicht neu, sondern weisen in die gleiche Richtung wie eine frühere Studie aus England. Und trotzdem verdrängen viele Schulen - auch in Deutschland - diese Problem noch immer gern. Denn die Studie zeigt auch: Die Mehrheit (73 Prozent) der Schulen hat zwar eine Internet- oder Social-Media-Richtlinie. Aber nur in einem Drittel steht, wie Personal vor Online-Pöbelei geschützt werden könnte.

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

  • Rund die Hälfte der gemobbten Lehrer sagte, sie wurden online von Schülern beleidigt, ebenfalls 50 Prozent sagten, sie hätten negative Kommentare zu ihrer Leistung als Lehrer entdeckt. Etwa ein Viertel entdeckte Fotos oder Videos, die Schüler heimlich aufgenommen und veröffentlicht hatten.
  • Wenn Eltern online schimpften, dann ebenfalls meist in Form von beleidigenden Kommentaren (57 Prozent), oder aber sie äußerten sich negativ zur Lehrer-Leistung (63 Prozent).
  • Die Mehrheit der Betroffenen (58 Prozent) zeigte den Vorfall nicht an. Meist glaubten die Lehrer nicht daran, dass eine Anzeige bei der Polizei oder dem Schuldirektor etwas ändern würde.
  • Wenn die Lehrer den pöbelnden Schüler anzeigten, dann reagierte die Schule in 40 Prozent der Fälle tatsächlich nicht. Eltern kamen sogar noch häufiger mit ihren Beleidigungen durch (55 Prozent).

Oft fühlten sich die befragten Lehrer alleingelassen, sie wünschten sich mehr Empathie. Ein Lehrer schrieb: "Ich arbeite als Lehrer so viele Stunden jede Nacht. Ich finde es demoralisierend und unakzeptabel, dass Seiten wie Ratemyteacher existieren dürfen und wir nichts dagegen tun können." Andere schrieben: "Ich finde solche Kommentare entsetzlich."

  • Corbis
    Gemobbt zu werden fühlt sich mies an - zu mobben auch, aber manchmal erst viel später. Dem Jugendmagazin "Spiesser" haben zwei Täter und ein Opfer erzählt, wie sie ausgeteilt haben und was sie einstecken mussten. mehr...

fln

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 162 Beiträge
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Seite 1
lasse.wissmann 21.04.2014
1. optional
Kritik im geschichts-lk meines abi-jahrgangs führte zur drohung seitens der Lehrkraft,mich zu verklagen... Lehrer sitzen am absolut längeren hebel,haben die Schüler im notenverseuchten Abhängigkeitsverhältnis und sind nahezu unkündbar. und dann wundert man sich über anonymes mobbing?
HankTheVoice 21.04.2014
2. Mobbing im Internet ist ein allgemeines Problem
nicht nur die Lehrer auch die Kinder werden oft per Facebook Co. gemobbt.
Passivist 21.04.2014
3. ...
Zitat von sysopCorbisViele Lehrer leiden unter Hetze von Schülern im Internet, zeigt eine neue Studie aus England. Ein Kommentar wie "Schlechtester Lehrer" ist noch das harmloseste. Auch Eltern pöbeln mit. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/mobbing-in-social-media-viele-lehrer-leiden-unter-boesen-kommentaren-a-965394.html
Meine Frau ist Lehrerin, sie hatte bisher zum Glück noch keine Facebook-Shitstorms zu überstehen, allerdings ist sie von Eltern eines Schülers mit Migrationshintergrund einmal persönlich bedroht worden. Insgesamt ist diese Entwicklung sehr bedenklich, weil die vermeintliche Anonymität des Internets zu einer Enthemmung im Tonfall führt, die sich im persönlichen Umgang fast niemand trauen würde. Besonders die Eltern nicht. Im Übrigen, dass Lehrer die halbe Nacht arbeiten kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Auch wenn es stimmt, dass der Job um halb 1 noch nicht vorbei ist, wenn man sich ein wenig Mühe gibt.
sikasuu 21.04.2014
4. Ich bin noch nie in (a)sozialen Netzwerken gemobt worden...
... aber das liegt bestimmt an mir. Ich habe da noch nie reingeguckt!:-)) . MMn. gibt es nichts überflüssigeres als diese Netzspielplätze. Kommunikation, Diskurs ....... geht anders:-) . Kann mein Leben gut ohne FB,Twitter, Whatsapp usw. bestreiten und fühle mich nicht aus den Kommunikatioenssträngen dieser Welt abgekoppelt! . Ps. Btw. da gibt es noch Usenet, Mailinglisten,...... manchmal sogar Foren in denen man es ist kaum zu glauben "sinnvoll" schreiben, reden, fragen und antworten kann :-))
Kontra 21.04.2014
5. Nicht weiter schlimm
Zitat von sysopCorbisViele Lehrer leiden unter Hetze von Schülern im Internet, zeigt eine neue Studie aus England. Ein Kommentar wie "Schlechtester Lehrer" ist noch das harmloseste. Auch Eltern pöbeln mit. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/mobbing-in-social-media-viele-lehrer-leiden-unter-boesen-kommentaren-a-965394.html
Ja und?---Da müssen die durch, gehört wohl zu den negativen Begleiterscheinungen dieses Berufszweigs in der Zukunft. Früher wurde eben nur auf den Schulhöfen getuschelt und kritisiert, heute geht es eben online. Interessant ist die Hetze ob angebracht oder nicht sei mal dahin gestellt , sowieso nur für die Jenigen, die die Betroffene Person auch kennen. Als Erwachsene lässt man ja auch seine Wut und den Dampf über Politiker oder andere populäre Personen ab, wenn man sich über deren agieren ärgert.
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