Mein erstes Mal Felix, 16, zittert auf der Bühne

Schon lange hat Felix Steup, 16, einen Traum - er will Regisseur werden. Jetzt reichte er seinen Kurzfilm bei einem Wettbewerb ein und wurde nominiert. An den Abend kann er sich kaum erinnern. Er weiß nur: Er war aufgeregt, er zitterte, er freute sich. Wahnsinnig.

LechnerMedia / Andreas Breunig

"Zur Sicherheit sagte ich mir immer wieder: Du schaffst es nicht! Du schaffst es nicht! Du schaffst es nicht! Ich wollte einfach nicht enttäuscht sein. Dann klappte es doch: Ich habe mit meinem Kurzfilm bei einem Wettbewerb gewonnen.

Schon lange möchte ich Regisseur werden. Bei meinem ersten Film, einem Horrorfilm, spielte ich selbst mit: Ich sprang dafür in einen Teich und ertrank. Da war ich 13. Später gründete ich mit einem Kumpel in der Schule eine Film-AG und drehte unter anderem für den Chemie- und Religionsunterricht.


"Entgleist" auf YouTube ansehen

Das Urteil der Jury: "Ein beachtlicher, stimmiger Film für einen so jungen Filmemacher mit einer guten in sich schlüssigen Story, prima Kamera, gutem Schnitt und einem überraschenden Ende, Musik zur Stimmung passend."


'Entgleist' ist der erste Film, den ich gern zeige. Es geht darin um einen Jungen, der sich umbringen will und durchs Klettern neue Kraft tankt. Ein schweres Thema. Ich weiß nicht mehr, wie ich darauf gekommen bin. Wahrscheinlich durch meine Liebe zum Klettern - wobei ich eigentlich Höhenangst habe.

Drei Monate plante ich den Film, einen Monat drehte ich mit Freunden in den Sommerferien und schnitt das Material. In diesem Film spielte ich auch selbst mit, das tue ich normalerweise nicht. Ich schauspielere nicht gern, stehe lieber hinter der Kamera, um so die ganze Szene besser im Griff zu haben. Aber ansonsten hätte ich die Idee nicht umsetzen können.

Schneiden und Filmen habe ich mir selbst beigebracht. Vieles schaue ich mir auch ab: Ich gehe wahnsinnig gern ins Kino, am liebsten sehe ich die Filme von James Cameron. Für Kino und Equipment spare ich mein ganzes Taschengeld, manchmal arbeite ich auch bei meinem Vater. Er hat einen Sanitärbetrieb. Ich zog schon eine Woche den Blaumann an und wechselte in Kellern Abflussrohre aus. Riecht übel, macht trotzdem Spaß. Demnächst möchte ich versuchen, Image-Filme an örtliche Unternehmen zu verkaufen.

Als 'Entgleist' fertig war, wollte ich unbedingt wissen, wo ich stehe. Ich wollte ehrliche Kritik. Von meinen Freunden sagt mir natürlich keiner: 'Dein Film gefällt mir nicht.' Also reichte ich ihn beim Camgaroo-Award ein, einem Filmwettbewerb für Amateur- und Independent-Filmemacher, und wurde tatsächlich nominiert.

An dem Abend war ich richtig aufgeredet. Irgendwann sagten die Moderatoren: 'Der Preis für den besten Nachwuchsfilm geht an Entgleist von Felix Steup.' Und ich blieb einfach sitzen. Ich weiß auch nicht warum. Vielleicht dachte ich, es kommt noch was. Vielleicht wollte ich den Moment genießen. Irgendwann stupste meine Mutter mich an, und ich stand auf.

Ich kann mich kaum erinnern, was ich auf der Bühne gesagt habe. Auch an die Laudatio der Jury erinnere ich mich nicht. Ich weiß nur, dass ich zitterte und mich natürlich unglaublich freute. An dem Abend haben wir noch lange gefeiert.

2015 mache ich mein Abitur - ich bin gespannt, wo mein Weg mich noch hinführt. Sollte es doch nicht klappen als Regisseur, könnte ich mir auch vorstellen, an der Gesamtschule zu unterrichten. Wobei ich dann natürlich wieder eine Film-AG gründen würde."

Aufgezeichnet von Frauke Lüpke-Narberhaus

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.