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02. Oktober 2017, 06:29 Uhr

Mädchen in Nepal

Du hast deine Tage? Dann wirst du verbannt

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Sie werden in Ställe verbannt, dürfen keine Menschen und kein Wasser berühren: Frauen in Nepal werden während ihrer Periode vom Leben ausgeschlossen. Fünf Mädchen berichten vom Kampf gegen die Tradition.

Wer seine Tage hat, darf nichts mehr anfassen. Keine anderen Menschen. Keine Ziegen oder Kühe. Kein Obst oder Gemüse, und erst recht keinen Wassereimer.

Wer seine Tage hat, wird verbannt. In einen Kuhstall oder irgendeine kleine Hütte. Hauptsache, weit weg von allem. Frühestens am fünften Tag nach Einsetzen der Periode ist die Rückkehr ins Leben erlaubt.

"Chhaupadi" heißt dieser Brauch aus Nepal. Er wurde dort 2005 vom Verfassungsgericht verboten - und wird trotzdem vor allem im Westen des Landes noch immer praktiziert.

Frauen und Mädchen müssen dort oft in eisiger Kälte in "Menstruationshütten" ausharren. Mindestens zehn seien dabei in den vergangenen zehn Jahren an Schlangenbissen, Unterkühlung oder starken Blutungen gestorben, beklagen Frauenrechtler.

Drei Monate Haft und 25 Euro Strafe

Unterstützt von den Vereinten Nationen kämpfen Aktivistinnen seit Jahren für ein Ende der Diskriminierung. Im August feierten sie nun einen Erfolg: Das Parlament in der Hauptstadt Kathmandu verabschiedete ein Gesetz, das die Verbannung von Frauen während ihrer Menstruation unter Strafe stellt. Drei Monate Haft und eine Geldstrafe von 3000 Rupien (rund 25 Euro) drohen bei Verstoß - allerdings erst ab nächstem Sommer. Da es sich um "eine tief verwurzelte Tradition" in Teilen des Landes handele, brauche das Gesetz "eine Vorbereitungszeit", heißt es.

Und die Verbannung aus dem Haus ist nicht die einzige Schikane, der Frauen und Mädchen in Nepal während ihrer Tage ausgesetzt sind. Solange sie bluten, dürfen sie sich nicht die Haare kämmen, die Nägel schneiden oder in einen Spiegel blicken. Auch Milch zu trinken, Obst und Gemüse zu ernten und Essen zu kochen, ist verboten. Und in die Schule trauen sich ohnehin nur die wenigsten, wenn sie ihre Tage haben, weil Binden oder Tampons fehlen.

Die britische Hilfsorganisation "WaterAid" setzt sich im Distrikt Sindhuli, östlich von Kathmandu, für die Mädchen ein. Mitarbeiter organisierten einen Aufklärungsworkshop und verteilten Digitalkameras an die Jugendlichen. Sie sollten fotografieren, was "Chhaupadi" für sie bedeutet. Herausgekommen sind starke Bilder - die sogar einige Familienangehörige zum Umdenken brachten. Sehen Sie selbst:

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