Auf Druck von Eltern New York hebt Handyverbot an Schulen auf

Klingeln, Piepsen, Summen: Das digitale Mitteilungsbedürfnis von Schülern nervt viele Lehrer. Trotzdem wurde jetzt das generelle Handyverbot an Schulen in New York aufgehoben - weil Eltern Druck gemacht hatten.

Schüler mit Smartphones: In New York sind Handys an Schulen wieder erlaubt - unter Auflagen
Corbis

Schüler mit Smartphones: In New York sind Handys an Schulen wieder erlaubt - unter Auflagen


Handys und Smartphones sind an Schulen umstritten: Lehrer verdammen sie als Aufmerksamkeitskiller, Schüler lieben die permanente Kommunikation. Jetzt hat die New Yorker Bildungsbehörde dem Druck von Eltern nachgegeben und das bisherige generelle Verbot von Mobiltelefonen an Schulen im Stadtgebiet aufgehoben, berichten US-Medien wie "The Verge".

Das Verbot war von Eltern kritisiert worden, denen es nicht passte, dass sie ihre Kinder vor und nach der Schulzeit nicht erreichen konnten.

Zudem sei das vom früheren New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg vor mehr als neun Jahren eingeführte Verbot nicht überall gleich konsequent umgesetzt worden. Einige Schulen erlaubten es Schülern auch weiterhin, die Telefone während der Schulzeit bei sich zu behalten - unter der Bedingung, dass sie verstaut blieben und die Lehrer die Mobiltelefone weder sahen noch hörten.

Andere Schulen in der Stadt, vor allem solche mit Metalldetektoren an den Eingängen, setzten meist ein Komplettverbot um. Das führte in einigen Fällen dazu, dass sich vor den Toren der Schulen eine kleine Schattenwirtschaft entwickelte: Findige Geschäftsleute parkten Kastenwagen vor den Schulen. Dort konnten Schüler gegen eine Gebühr von einem Dollar am Tag ihre Telefone abgeben und nach der Schule wieder abholen.

Handyverbot als Wahlkampfthema

Ganz abgeschafft sind Handyregeln trotz der Aufhebung des generellen Verbotes jedoch nicht: In Zukunft müssen Schuldirektoren in New York - in Absprache mit Lehrern und Eltern - eigene Regeln für ihre Schulen aufstellen.

Bereits während seines Wahlkampfes hatte der aktuelle Bürgermeister Bill de Blasio versprochen, er werde das Verbot kippen. Es sei wichtig, dass Eltern ihre Kinder jederzeit kontaktieren könnten. Er räumte ein, dass auch sein Sohn ein Handy mit zur Schule nehme.

Viele Lehrer sind kritisch, was die Verwendung von Handys und speziell von Smartphones angeht: Schüler mit internetfähigen Geräten können im Unterricht abgelenkt sein oder den Unterricht stören. Außerdem weisen die Pädagogen auf die Gefahr von Diebstählen und den Missbrauch der Geräte zum Schummeln hin.

In Deutschland führte das private Internat Salem in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr ein umfangreiches Verbot ein, das auch außerhalb des Unterrichts greift. Gegenwind von besorgten Erziehungsberechtigten gibt es aber nicht: Die Eltern dort, berichtet der Sprecher der Schule, fänden das Verbot "großartig".

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Internat ohne Internet: Handy her!

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insgesamt 107 Beiträge
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jehudi 08.01.2015
1.
Da haben die Eltern den eigenen Kindern einen Bärendienst erwiesen
Lanek 08.01.2015
2.
Wo ist das Problem daran, dass Handys in der Schule nicht GENERELL untersagt werden? Es ist doch sinnlos, zu sagen, dass man nicht in die Schule kann wenn man das augeschaltet bei sich führt. Es gibt genug Gründe, warum es nicht schlecht ist, wenn Kinder das Handy dann auch mit sich führen. Sei es wegen der Erreichbarkeit bei Problemen oder Notfällen oder sonstiges. Solange man den störungsfreien Unterricht durchsetzt, ist doch alles in Ordnung. Regelungen wie Nichtbenutzung im Unterricht bzw wegpacken sind doch viel treffender als generelles Verbot. Das ist eher eine Verweigerung vor dem heutigen technischen Stand.
kumi-ori 08.01.2015
3.
Man sagt den New Yorkern nach, dass sie gern auch mal zur Hysterie neigen. Wie konnten die Kinder eigentlich in früheren Zeiten überleben, als es noch keine Handies gab? Dass ein Kind sein tolles Spielzeug lediglich zu dem einen Zweck mitnimmt, damit Mama rund um die Uhr den Aufenthaltsort auf dem Schirm hat, glauben wohl höchstens die Mütter selber. Aber wie werden die Mütter reagieren, wenn sich an den Noten zeigt, dass der Fratz nicht aufgepasst hat, weil er die ganze Zeit mit Networking beschäftigt war? Dann ist sicher der blöde Lehrer schuld. Ich hoffe, in Deutschland wird es gelingen, eine nicht-digitalisierte Parallelwelt zu etablieren, in de wir uns ohne GPS-Tracking bewegen können.
Spiegelwahr 08.01.2015
4. Arbeitgeber verbietet Arbeitnehmer Handy
Mal sehen wie groß das Gebrüll wär, wenn Arbeitgeber ihrem Arbeitnehmer die Handys verbieten würden. Warum soll man dann Schüler die Handys verbieten. Alle Reden von Medienkompotenz und Computerausbildung und gleichzeitig sollen Handys usw. schlecht sein. In der heutigen Zeit müssen auch Kinder für ihre Eltern erreichbar sein und umgekehrt. Wenn jetzt die Alten sagen, wir sind früher auch so ausgekommen, dann sage ich nur früher gab es ja auch keine Handys. Solange die Erwachsenden im Straßenverkehr am Lenkrad jede Handyverbot missachten, solange haben sie kein Recht sich über Schüler aufzuregen. Im Unterricht in Flugmodus geschaltet und gut ist.
Greyjoy 08.01.2015
5.
Warum ist die Sache so kompliziert? Verbot der Nutzung während des Unterrichts und entsprechende Sanktionen (Handy in der Stunde abgeben z.B.) bei Störungen durch Piepen, Summen oder sonst was. Das funktioniert doch auch hier auf einem vertretbaren Level.
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