Wegen Datenschutz Kita schwärzt Kindergesichter in Fotoalben

Eine Kita in Nordrhein-Westfalen hat Kindern als Erinnerung an ihre Zeit im Kindergarten Fotoalben geschenkt, in denen die Gesichter ihrer Freunde geschwärzt sind - damit der Datenschutz gewahrt bleibt. Eltern sind irritiert.

Kinder betrachten Fotoalben (Symbolbild)
Getty Images/Science Source

Kinder betrachten Fotoalben (Symbolbild)


Die Datenschutzgrundverordnung hat eine Kita in Nordrhein-Westfalen derart verunsichert, dass sie in Fotoalben die Gesichter der Kinder geschwärzt hat. Die Alben sollten ein Erinnerungsgeschenk an Kinder sein, die demnächst eingeschult werden. Doch nur das Kind, dem die Mappe überreicht wurde, ist jeweils zu erkennen.

Wie die "Neuß-Grevenbroicher Zeitung" (NGZ) schreibt, haben sich etliche Eltern deshalb bei der Kita-Leitung beschwert. Gerade die Fotos, auf denen die Kinder mit anderen Kindern spielen, seien doch später beim Durchblättern der Anlass, sich an die Freunde aus der Kindheit zu erinnern, sagte eine Mutter der Zeitung. Zu sehen sei aber nun auf allen Fotos nur ihr Sohn. "Alle anderen Gesichter wurden mit blauer Farbe unkenntlich gemacht."

Der Grund dafür sei die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), sagte Pfarrer Peter Stelten von der Gemeinde St. Michael Dormagen-Süd, zu der die Kita gehört, der "NGZ". Man habe "den sicheren Weg" gewählt, um Klagen vorzubeugen.

Die Kindertagesstätte selbst und der zuständige Datenschutzbeauftragte des Erzbistums Köln wollten sich auf Anfrage des SPIEGEL zu dem Fall nicht äußern. Der Diözesandatenschutzbeauftragte der norddeutschen Bistümer, Andreas Mündelein, hingegen zeigt sich verwundert. Grundsätzlich sei für die Veröffentlichung von Fotos von Kindern und Jugendlichen immer die Einwilligung der Eltern nötig, so Mündelein, aber: "Ich finde das Vorgehen dieser Kindertagesstätte merkwürdig, denn es wäre doch möglich gewesen, sich eine Einverständniserklärung der Eltern zu holen."

Die DSGVO ist seit dem 25. Mai in Kraft und regelt, wie Unternehmen, Behörden oder Vereine mit personenbezogenen Daten umzugehen haben. Erst kürzlich hatte die neue Regelung eine Grundschule in Düsseldorf so verunsichert, dass dort alle Zeugnisse per Hand geschrieben wurden.

Endlich verständlich - was die neuen EU-Regeln für die Bürger bedeuten, lesen Sie hier.

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insgesamt 149 Beiträge
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Seite 1
GarfieldP 01.08.2018
1. Nein, konnte die Kita nicht
Eine Einwilligung von allen Eltern bekommen? Schriftlich? In einer kirchlichen Kita? Auf welchem Mond lebt dieser Datenschutzbeauftragte denn? Nach zwei Monaten werden sie immer noch nicht alle Einverständniserklärungen bekommen haben und dürfen dann anfangen, die entsprechenden Kinder unkenntlich zu machen! " Die Kita hat genau richtig gehandelt, um diesen Irrsinn zu bedienen.
blödbacke 01.08.2018
2. Oh Leute, man kann es auch übertreiben!
Ok, wenn man eine Webseite hat, sollte man sich vielleicht Gedanken über Google Analytics usw. machen. Und wenn man patientenbezogene Daten verwaltet, auch. Wenn keine Eltern widersprechen, können die Fotos natürlich im Album verwendet werden. Das war schon so und das ist immer noch so. Die Kita muss sich allerdings Gedanken machen, wie lange sie die Daten der Kinder aufbewahrt, und irgendwann löschen. P.S. Dürfen Meldeämter eigentlich meine Daten ewig aufbewahren? Hmm...
Ekatus Atimoss 01.08.2018
3. Dsgvo ...
...was für eine Pervertierung wurde da in Brüssel maßgeblich von den grünen Weltverbesserern eingetütet. Datenschutz als Selbstzweck.
tommix68 01.08.2018
4. Omg
so Mündelein, aber: "Ich finde das Vorgehen dieser Kindertagesstätte merkwürdig, denn es wäre doch möglich gewesen, sich eine Einverständniserklärung der Eltern zu holen." - jetzt mal ehrlich! Mir fehlen die Worte...
cpostel 01.08.2018
5. Übertriebener Datenschutz
Das kann doch wohl nicht wahr sein! Spinnen wir langsam in Deutschland?
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