Radikaler Vorschlag Schulnoten? Weg damit!

Es wäre eine tiefgreifende Reform: Marlies Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft GEW, will alle Schulnoten abschaffen - von der Grundschule bis zum Abitur. Doch der Widerstand gegen den Vorschlag ist groß.

Blick ins Schulzeugnis
DPA

Blick ins Schulzeugnis


Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, hat sich für die komplette Abschaffung von Schulnoten ausgesprochen. "Zensuren sind nicht objektiv. Wir müssen weg von den Noten, hin zu individuellen Berichten, weil sie den persönlichen Lernfortschritten der Kinder viel gerechter werden", sagte sie der "Bild".

Tepe betonte, der Verzicht auf Noten sollte "nicht nur in Grundschulen, sondern in allen Schultypen praktiziert werden": Es sei wissenschaftlich bewiesen, dass frei formulierte Berichte besser seien.

Die Präsidentin des Bayrischen Lehrerverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, sprach sich ebenfalls dafür aus, Schulnoten auch in höheren Klassenstufen durch Lernentwicklungsgespräche zu ersetzen, weil dies motivierender sei. "In diesen Gesprächen kann der Lehrer dem Kind Kritisches viel besser vermitteln als mit einem Zeugnis. Die Gespräche sind sehr motivierend", sagte die BLLV-Präsidentin.

Keine Schule ohne Leistungsorientierung

Kritik kam dagegen von der Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz (KMK), Susanne Eisenmann: "Schule muss leistungsorientiert sein. Deshalb gehören auch Noten zur Leistungsmessung dazu", so die CDU-Bildungspolitikerin. Auch der Bayerische Realschullehrerverband sieht in den Schulnoten ein wichtiges Instrument zur Leistungsbeurteilung. Noten seien sowohl ein Lob für gute als auch eine konstruktive Rückmeldung bei schlechten Leistungen. "Alle Forderungen nach Abschaffung von Noten gehen an der Lebensrealität der jungen Menschen weit vorbei", sagt der Verbandsvorsitzende Jürgen Böhm.

Eine große Mehrheit der Deutschen stimmt Eisenmann und Böhm zu. In einer repräsentativen Umfrage sprachen sich drei Viertel der Deutschen für die Beibehaltung von Schulnoten aus.

Viele Eltern verbinden Zeugnisse und Noten allerdings auch mit besonders hohem Erwartungsdruck: In 41 Prozent der Familien führen schlechtere Schulnoten zu mieser Stimmung, in jeder zehnten Familie kommt es sogar zum Streit, ermittelte das Forsa-Institut vor wenigen Wochen - besonders oft kommt es demnach bei Einsen und Zweien zum Zwist.

him/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 86 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
moneysac123 17.02.2017
1.
Leistungsmessung schön und gut, aber Noten messen vieles, nicht unbedingt die Leistung. Was sagt ein Einser-Abi aus? Dass die Person angepasst ist? Ja. Fleißig, auch noch. Dass sie gut auswendig lernen und reproduzieren kann? Möglicherweise auch nocht. Dass sie den Stoff verstanden hat und anwenden kann? Nicht unbedingt. Was ist diese Leistung die gemessen werden soll? Noten sagen wenig.
lupo44 17.02.2017
2. Das hört sich nach Reignation an.....
Schulnoten sind Gradmesser und Aussage des Wissenstandes des jeweiligen Schulteinehmers.In allen technisch-wissenschaftlichen Bewertungen spielen Benotungen eine große Rolle und sind auch ein Leistungsansporn für den Lernenden.Fallen dies Noten weg und werden ersetzt durch Beurteilungen die es ja jetzt schon gibt ist die Gefahr gegeben,dass eine allgemeine Formulierung alles nach oben oder nach unten aufzeigt.Das haben wie ja schon heute bei Verklaisilierten Leistungseinschätzungen durch den Arbeitgeber. Wie solche Formulierungen" War ein geselliger Typ,oder brachte eine gute Stimmung in sein Kollektiv.Fast tödlich für ein Bewerbungsgespräch.Es sollte so bleiben wie es ist.
blaq 17.02.2017
3. Na, endlich im 21. Jahrhundert angekommen?
Na, endlich im 21. Jahrhundert angekommen? Mitnichten. Offensichtlich unterstützen 75% der Deutschen und gestrige Schulpolitker immer noch die traditionelle Rohrstockpädagogik! Bei einer überalternden Gesellschaft wie in Deutschland wundert einen gar nichts mehr. Ein Hoch auf den Kaiser!
karl-felix 17.02.2017
4. Das
Zitat von moneysac123Leistungsmessung schön und gut, aber Noten messen vieles, nicht unbedingt die Leistung. Was sagt ein Einser-Abi aus? Dass die Person angepasst ist? Ja. Fleißig, auch noch. Dass sie gut auswendig lernen und reproduzieren kann? Möglicherweise auch nocht. Dass sie den Stoff verstanden hat und anwenden kann? Nicht unbedingt. Was ist diese Leistung die gemessen werden soll? Noten sagen wenig.
scheint mir unbestritten und nicht der Punkt. Die Frage stellt sich nach der Alternative: Was entnimmt der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann, der Niedriglöhner, die Oma, der Opa, das Kind aus der gleichen Formulierung ? Sie würden sich wundern . Arme Gerichte. Es geht also nicht um die Abschaffung von Zeugnissen sondern um den Ersatz der Schulnoten durch Formulierungen wie : "Sie hat sich in Biologie immer redlich bemüht und zur Stimmungsaufhellung der Klasse erheblich beigetragen, insbesondere bei theoretischen/praktischen Übungen zur Aufklärung ". Das sagt sehr viel,oder? Können Sie dann nahtlos auch für Deutsch einsetzen . .
chrho67 17.02.2017
5. Zynisch
Ich habe noch nie verstanden, wie ein Pädagoge einem Kind eine Aufgabe vorlegen kann, von der er vorher schon sicher weiß, dass das Kind sie nicht lösen wird - wer macht das bitteschön mit seinen eigenen Kindern? Wenn dann die Notenverteilung in der Klasse noch einer Glockenkurve folgen soll, statt den Unterricht so zu organisieren, dass alle mindestens ein "gut" erhalten, ist der Zynismus dieses Notensystems doch offenkundig. Diese Form des Feedback ist nicht an Lerninhalten selbst orientiert und daher nicht nur zynisch und unproduktiv, sondern ungeeignet als Vorbereitung auf die spätere Arbeitswelt (wo sich niemand für Noten interessiert).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.