Früher in die Sommerferien Hohe Bußgelder für Schulschwänzer

Immer mehr Schulkinder verpassen vor oder nach den Ferien Unterricht, damit die Familie günstiger in den Urlaub fahren kann. Wenn die Schummelei auffliegt, drohen happige Strafen.

Eine Familie auf dem Weg zum Flughafen-Terminal - bestenfalls während der offiziellen Schulferien
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Eine Familie auf dem Weg zum Flughafen-Terminal - bestenfalls während der offiziellen Schulferien

Von Maximilian König


Als an diesem Freitag in NRW Zeugnisse vergeben wurden, konnten auffällig viele Schüler ihre Noten nicht persönlich entgegennehmen - Kinder fehlten in der Schule, weil angeblich die Oma runden Geburtstag feiert oder der Bruder heiratet oder irgendeine Krankheit zugeschlagen hat. In vielen Fällen sitzen die Kinder jedoch in Wahrheit schon am Pool oder am Strand - den Eltern war der günstigere Reisepreis außerhalb der Ferienzeit wichtiger als die Schulpflicht.

Das Phänomen ist seit Jahren bekannt, aber inzwischen kann es richtig teuer werden: Wer beim Mogeln erwischt wird, den erwarten empfindliche Strafen. In Köln kostet die unerlaubte Ferienverlängerung 155 Euro pro Fehltag, in Düsseldorf können bis zu 80 Euro fällig werden - pro Elternteil, pro Kind und pro Tag. Die Ersparnis für den selbst gewählten Ferienbeginn schmilzt so schnell dahin. Selbst die Höchststrafe von 1000 Euro wurde bereits verhängt.

Zahl der Bußgeldverfahren steigt

Die Eltern scheint das nicht abzuschrecken: Im vergangenen Jahr erließen die Schulbehörden allein in Nordrhein-Westfalen fast 1200 Bescheide wegen Ferien-Flunkerei, wie eine dpa-Umfrage in allen fünf Regierungsbezirken ergab. Die Zahl steigt seit Jahren an, in den Bezirken Arnsberg und Münster hat sie sich in den vergangenen drei Jahren gar verdoppelt.

Laut Münsters Bezirkssprecherin Ulla Lütkehermölle schaue man nun verstärkt hin: "Inzwischen ist es Usus, dass bei Fehlzeiten am ersten und letzten Schultag grundsätzlich ein Attest vorliegen muss. Wenn die Erklärung fehlt, wird nachgehakt."

Nicht nur einen Termin im Rektorat müssen Eltern fürchten, auch auf Flughäfen könne es mitunter zu polizeilichen Kontrollen kommen, sagt Arnsbergs Sprecher Christoph Söbbeler: "Polizisten sprechen Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter außerhalb der Ferienzeiten durchaus an. Wenn es dann heißt, wir kommen aus Weeze und wollen nach Mallorca fliegen, gibt es ein Problem", so Söbbeler. Unklar ist jedoch, wer diese Kontrollen vornimmt: Auf Nachfrage verweisen Bundes- und Landespolizei jeweils auf die Zuständigkeit des anderen.

Eltern sind uneinsichtig

Bezirkssprecher Söbbeler appelliert zudem an die Verantwortung der Eltern gegenüber ihren Kindern und erinnert an ihre Vorbildfunktion. Auf die Moral der Eltern können die Schulbehörden allerdings kaum zählen: In Internetforen tauschen sich Erziehungsberechtigte über Regelungen und Schlupflöcher aus und äußern Unverständnis. "Am letzten Tag wird doch eh nichts mehr gemacht", heißt es oft lapidar. Oder: "Sind doch nur zwei Stunden Sport."

Diese Sichtweisen verteidigt Regina Schwarzhoff, Landesvorsitzende des nordrhein-westfälischen Elternvereins: "An den letzten Tagen vor den Ferien gibt es oft eine Feierabendstimmung, die nicht mit dem Schulverständnis der Eltern übereinstimmt: Filme schauen, Eis essen gehen, häufig fallen Stunden aus. Um Schule ernst nehmen zu können, braucht es auch ein ernst zu nehmendes Angebot."

Und was ist, wenn nach dem unerlaubt vorgezogenen Kanaren-Urlaub ein Bußgeldbescheid ins Haus flattert? Schwarzhoff: "Für Eltern lohnt sich die Reiseplanung offenbar finanziell. Sie beschweren sich eher über die Abzockermentalität der Urlaubsanbieter als über die Geldstrafen."



insgesamt 150 Beiträge
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jemde 14.07.2017
1. Für mich ist der Staat hier ...
... schlicht übergriffig. Meine Eltern haben mich schon vor 50 Jahren mal für ein oder zwei Tage aus der Schule genommen, wenn die Ferienplanung das sinnvoll erscheinen ließ. Das war nie ein Problem. Auch habe ich meine Tante in Amerika besuchen dürfen und habe die Sommerferien mit Einverständnis der Schule eine Woche verlängert. Ich plädiere für 5 Tage Extra-Ferien, die beliebig im Jahr genommen werden dürfen. Dafür könnte man die Ferienzeit für alle entsprechend verkürzen. Wenn man krank ist, fehlt man mal zwischendurch und das ist ja auch kein Problem. Insbesondere sind die letzten Tage vor den Ferien meist ätzend langweilig...
territrades 14.07.2017
2. Die letzten beiden Schulwochen ...
14 vor Zeugnisausgabe war immer Notenstopp, danach konnten keine Zensuren mehr erteilt werden. Die vorletzte Woche bestand meistens aus lockerem Unterricht ohne großen Anspruch, die letzte Woche war dann totales Abgammeln, gelernt wurde da nichts mehr. Da die Kinder in die Schule zu zwingen ist nichts weiter als Arroganz der Lehrer. Die kommen schließlich zum Lernen, Spaß haben die woanders deutlich mehr.
rjumin 14.07.2017
3.
Was lernen Kinder denn weltbewegendes am ersten bzw. letzten Schultag? In der Regel finden nur Gottesdienste an diesen Tagen statt und dann werden Geschichten vorgelesen, um die Zeit bis zum Ende des Schultages totzuschlagen.
B.F.Skinner 14.07.2017
4. Schweizer Modell
In der Schweiz stehen Familien 2 ganze oder 4 halbe sogenannte "Jokertage" zur Verfügung, an denen das Kind in der Schule fehlen darf und die frei wählbar sind. Diese können für Familienfeiern, verlängerte Wochenenden oder Urlaub verwendet werden. Warum nicht auch bei uns? Und: Wir halten uns schon an die Regeln. Trotzdem ärgert es mich, dass an unserem Gymnasium trotz hohen Stundenausfalls während des Schuljahrs am 10. 07. Bücherabgabe ist und bis zum Schuljahresende fast nur noch Kurzstunden, Projekte und Feste abgehalten werden und kein regulärer Unterricht mehr stattfindet. Das hat sicher auch seine Berechtigung, aber nicht über drei volle Wochen.
womo88 14.07.2017
5. Nix Arroganz der Lehrer
Zitat von territrades14 vor Zeugnisausgabe war immer Notenstopp, danach konnten keine Zensuren mehr erteilt werden. Die vorletzte Woche bestand meistens aus lockerem Unterricht ohne großen Anspruch, die letzte Woche war dann totales Abgammeln, gelernt wurde da nichts mehr. Da die Kinder in die Schule zu zwingen ist nichts weiter als Arroganz der Lehrer. Die kommen schließlich zum Lernen, Spaß haben die woanders deutlich mehr.
Meistens will der Schulleiter das so. Natürlich ist 14 Tage vorher Notenstopp, weil ja die Zeugniskonferenzen stattfinden müssen. Danach geht nix mehr mit Benotungen. Noten sind fest. Die müssen beschlossen werden, eingegeben werden, Zeugnisse müssen gedruckt werden ... Das dauert eben. Außerdem ist es nichts Schlimmes, wenn man als Lehrer/in seinen Schüler/innen mal ein paar Tage anders begegnet bei sog. Projekttagen. Meine Projekte "Progressive Muskelentspannung" und "Yoga" waren immer überlaufen.
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