Studie zur Kinderbetreuung Forscher prangern mangelnde Kita-Qualität an

Deutschland streitet, ob es genug Kita-Plätze gibt. Jetzt attestieren Forscher nach Informationen des SPIEGEL den Krippen und Kindergärten mangelnde Qualität: Eine Studie zeigt, dass es kaum gelingt, benachteiligten Kindern zu helfen.

Kinder im Kindergarten: Nur drei Prozent der Krippen werden mit "gut" bewertet
DPA

Kinder im Kindergarten: Nur drei Prozent der Krippen werden mit "gut" bewertet


Hamburg - Die Qualität der Kindertagesbetreuung in Deutschland ist nach SPIEGEL-Informationen nur mittelmäßig. Den Krippen und Kindergärten gelingt es derzeit nicht, die Chancengleichheit zu erhöhen und unterprivilegierten Schichten zu helfen.

Zu diesen Ergebnissen kommt ein Team von Wissenschaftlern um den Berliner Frühpädagogen Wolfgang Tietze im 200 Seiten starken Abschlussbericht zur Nubbek-Studie ("Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit"), die unter anderem vom Bundesfamilienministerium von Kristina Schröder (CDU) finanziert wird.

Demnach suchen vor allem "gut gebildete deutsche Mittelschichtsfamilien" Unterstützung, nicht aber "sozial benachteiligte Familien beziehungsweise Familien mit geringen Bildungsressourcen". Migranten nehmen die Angebote ebenfalls seltener in Anspruch: Russischstämmige Familien behalten ihre Kinder im Schnitt sieben Monate länger zu Hause als deutsche, türkischstämmige Familien sogar elf Monate.

Laut der Studie wirken sich "Familienmerkmale um ein Vielfaches stärker" auf die Entwicklung eines Kindes aus als "Merkmale der außerfamiliären Betreuung". Die Qualität leide, wenn wenig Fläche pro Kind zur Verfügung stehe oder ein Außengelände fehle. Die Betreuungsqualität zu verbessern, so die Nubbek-Forscher, erfordere "ein ähnliches Ausmaß an gesellschaftlicher Anstrengung wie der quantitative Ausbau der vergangenen Jahre".

Die Wissenschaftler befanden nur drei Prozent der Krippen für gut, 85 Prozent für mittelmäßig und zwölf Prozent für schlecht.

In der vergangenen Woche hatte Familienministerin Kristina Schröder (CDU) angekündigt, für Kinder unter drei Jahren würden zum Stichtag 1. August ausreichend Kita-Plätze zur Verfügung stehen. 813.000 seien das im Laufe des kommenden Kindergartenjahres 2013/14. Der Deutsche Städtetag hingegen geht von deutlich weniger Plätzen aus, die Opposition sprach sogar von einer "geschönten Bilanz."

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insgesamt 264 Beiträge
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Seite 1
HaioForler 14.07.2013
1.
Die Schule kann die Versäumnisse der Eltern nicht vollständig ausgleichen? Hammer-Erkenntnis.
lagermeister17 14.07.2013
2. Fremdbetreuung ist grundsätzlich schlechter als Familienbetreuung.
Kita ist für Kinder wie Altenheim für Alte: eine Notlösung. Eine Unmenschlichkeit, wenn sie ohne Not erfolgt. Es geht doch nur um den Fetisch "Vereinbarkeit von Familie und Beruf". Diese Vereinung ist eine Absurdität, geboren aus dem Feminismus, der Frauen zu Männern machen will. Den Kindern zum Schaden.
BettyB. 14.07.2013
3. überlegenswert
Natürlich ist es traurig, dass viele Kitas nicht die notwendige Qualität bieten, doch die sich beschwerenden Eltern sollten such erst einmal an die eigenen Nasen fassen, sind Sie doch Hauptverantwortliche für ihre Kinder...
HaioForler 14.07.2013
4.
Zitat von HaioForlerDie Schule kann die Versäumnisse der Eltern nicht vollständig ausgleichen? Hammer-Erkenntnis.
Sind alsio die Kitas schlecht oder der Wille der Familien ungenügend!? Kleiner, aber feiner Unterschied. Letzters gibt eventuell jedoch nicht so eine griffige Überschrift ab.
Altesocke 14.07.2013
5. Mangelnde Qualitaet
Kuemmert es Politiker, was Forscher sagen? Oh, Wahljahr! Nochmal: Kuemmert es Politiker laenger als die naechsten 2 1/2 Monate, was Forscher sagen?
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