Nürnberg Asef N. kann sich an Drohung nicht erinnern

"In einem Monat bin ich eh wieder hier und bringe Deutsche um." Diesen Satz soll Asef N. nach seiner Festnahme gesagt haben. Der 21-Jährige will das weder bestätigen noch dementieren.

Asef N. nach der Entlassung aus dem Polizeigewahrsam
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Asef N. nach der Entlassung aus dem Polizeigewahrsam

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Es sind schwere Vorwürfe, die die Polizei gegen Asef N. erhebt: Er habe mit einem Anschlag gedroht, heißt es. "In einem Monat bin ich eh wieder hier und bringe Deutsche um." Diesen Satz soll der junge Afghane gesagt haben - wann und wo, ist unklar. In der Pressekonferenz am Donnerstag hieß es von der Polizei zunächst, er habe die Drohung nach seiner Festnahme in der Polizeidienststelle ausgesprochen, dann hieß es, er habe den Satz während der Festnahme gesagt.

Asef N. sagt, er könne sich nicht daran erinnern, eine solche Drohung ausgesprochen zu haben. "Die ganzen Ereignisse ließen ihn verständlicherweise wütend und aggressiv werden und riefen Angst bei ihm hervor. Er fühlte sich verletzt und getäuscht. Sollte Asef in diesem Zustand höchster Erregtheit eine solche Drohung ausgestoßen haben, so tut es ihm leid und er entschuldigt sich dafür", heißt es in einer Gegendarstellung zu den Vorwürfen des bayerischen Innenministeriums, die von der Vorsitzenden des Vereins Mimikri unterzeichnet wurde und dem SPIEGEL vorliegt.

"Die Behauptung, Asef habe die Behörden jahrelang wissentlich über seine Identität getäuscht und sich unkooperativ verhalten, weisen wir zurück", heißt es weiter in dem Schreiben. Seit der Ablehnung seines Asylantrages habe er mehrere Male beim Konsulat in München vorgesprochen, um die Ausstellung eines Passes zu beantragen.

Asef N. hatte einen Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis gestellt, mit Verweis auf Paragraf 25a des Aufenthaltsgesetzes, der "gut integrierten Jugendlichen", die seit vier Jahren "erlaubt, geduldet oder mit einer Aufenthaltsgestattung" in Deutschland leben und "erfolgreich eine Schule besuchen" eine solche gestattet.

Meinungskompass

Der mittelfränkische Regierungspräsident Thomas Bauer (CSU) hatte Asef N. vorgeworfen, die bayerischen Ausländerbehörden "jahrelang systematisch getäuscht" zu haben, weil er für diesen Antrag einen afghanischen Pass vorgelegt haben soll, obwohl er zuvor behauptet hatte, keinen Pass zu besitzen. Sein Antrag wurde mit Bescheid vom 23. Mai abgelehnt, "mangels Vorliegen der Voraussetzungen".

"Es ist nicht richtig, dass der jetzt vorgelegte Pass schon im Jahr 2007 ausgestellt wurde", heißt es in der Gegendarstellung. "Lediglich eine Tazkira (afghanische Geburtsurkunde), die er dem Ausländeramt vorlegte, datiert aus dem Jahr 2007. Ganz offenbar verwechselt das Innenministerium diese Urkunde mit dem Pass."

Seit Donnerstagnachmittag ist der 21-Jährige nicht mehr in Polizeigewahrsam. Ein Richter hatte entschieden, dass Abschiebehaft unangemessen sei. Gegen den Beschluss habe die Bezirksregierung von Mittelfranken schon Beschwerde eingelegt, meldet die Nachrichtenagentur AFP.

Im Video: Augenzeuge schildert seine Eindrücke von den Ausschreitungen

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