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12. Januar 2018, 22:41 Uhr

Nürnberg

Berufsschüler nach umstrittenem Abschiebeversuch angeklagt

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen jungen Afghanen erhoben, sie wirft ihm Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor. Im vergangenen Jahr hatten etwa 300 Menschen versucht, die Abschiebung des Berufsschülers zu verhindern.

Knapp acht Monate nach dem umstrittenen Polizeieinsatz an einer Nürnberger Berufsschule wegen der Abschiebung eines jungen Afghanen droht dem jungen Flüchtling ein Prozess. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erhob gegen den 21-Jährigen Anklage wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, wie eine Sprecherin der Behörde mitteilte. Auch eine Reihe anderer Delikte werde ihm vorgeworfen.

Die Anklage sei beim zuständigen Jugendschöffengericht eingegangen. Der Richter habe aber noch nicht darüber entschieden, ob sie zugelassen werde, erläuterte Justizsprecher Friedrich Weitner. Nur dann kommt es auch zu einem Prozess.

Polizisten wollten den jungen Afghanen Asef N. am 31. Mai 2017 in der Berufsschule abholen, weil er abgeschoben werden sollte. Schüler und später hinzugekommene Linksautonome wollten die Abschiebung mit einer Sitzblockade verhindern. Etwa 300 Menschen waren zu einer spontanen Demonstration zusammengekommen. Einige warfen unter anderem Flaschen und ein Fahrrad auf die Beamten. Neun Polizisten wurden verletzt und drei Demonstranten festgenommen.

Das Landgericht entschied wenige Tage später, dass Asef N. nicht in Abschiebehaft muss.

cop/dpa

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