Nürnberg Drei Polizisten wollen Drohung von Asef N. gehört haben

Es sind schwere Vorwürfe, die die Polizei gegen Asef N. erhebt: Er habe mit einem Anschlag gedroht, heißt es. Aber was sagte er wann zu wem?

Asef N. (Mitte, im gelben Shirt) bei seiner Festnahme am Mittwoch
NEWS5

Asef N. (Mitte, im gelben Shirt) bei seiner Festnahme am Mittwoch

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"Ich bin in einem Monat wieder da. Und dann bringe ich Deutsche um." Diese Drohung soll Asef N. ausgesprochen haben. Wann und wo, darüber gab es zunächst unterschiedliche Angaben. Nun erklärte ein Sprecher der Polizei Mittelfranken gegenüber dem SPIEGEL die genauen Umstände:

Asef N. wurde nach den Tumulten vor der Berufsschule im Streifenwagen zur Polizeiwache Inspektion Süd gebracht. Nach etwa einer Stunde baten ihn drei Beamte, sie erneut zu begleiten. Er sollte im Auto zu einer anderen Polizeiwache gebracht werden, von wo aus die Abschiebung nach Kabul starten sollte. Auf dem Weg zum Streifenwagen sollen dann die drohenden Sätze gefallen sein. Das geht aus einem Vermerk hervor, den die drei Beamten nach dem Einsatz verfassten.

Mit diesem beschäftigt sich nun der Staatschutz K14, der für die "Endsachbearbeitung" des Polizeieinsatzes am Mittwoch zuständig ist. Der Vermerk über die Drohung werde genauso bewertet wie alle anderen Einträge, so der Sprecher. Was wer wem vorwerfe, müsse nun aufgearbeitet werden - und zwar in beide Richtungen, also auch in Bezug auf Vorwürfe, die Demonstranten gegen Polizisten erheben.

Asef N. selbst sagt, er könne sich nicht daran erinnern, eine solche Drohung ausgesprochen zu haben. Sollte er dies getan haben, "so tut es ihm leid und er entschuldigt sich dafür", heißt es in einer Stellungnahme, die von der Vorsitzenden des Vereins Mimikri unterzeichnet wurde und dem SPIEGEL vorliegt. "Niemals würde er den Bewohnern des Landes, das ihn aufgenommen und ihm Schutz gegeben hat, Schaden zufügen", heißt es in dem Schreiben weiter: "Überlegen wir alle einmal, was wir in einer solchen Situation vielleicht ausstoßen würden!"

Video: Augenzeuge schildert die Ausschreitungen

SPIEGEL ONLINE/News5

Auch vor der Ermittlungsrichterin, die am Donnerstag über eine mögliche Abschiebehaft für Asef N. zu entscheiden hatte, war die Drohung thematisiert worden. Die Richterin hatte dies offenbar nicht beeindruckt: Eine Abschiebehaft sei nicht angemessen, entschied sie. Gegen diesen Beschluss legte die Regierung von Mittelfranken Beschwerde ein.

Das Landgericht lehnte diese Beschwerde am Freitag jedoch ab. "Die Kammer teilte die Auffassung des Amtsgerichts Nürnberg, wonach keine Haftgründe gegeben sind", sagte ein Sprecher des Landgerichts..

Asef N. will nun so schnell wie möglich seine Ausbildung als Schreiner beginnen. Noch am Freitag sollte er eine Art Aufnahmeprüfung bei einem Ausbildungsbetrieb absolvieren. "Wir wollen den Weg, den er hier gegangen ist, fortsetzen", sagte sein Anwalt. Er werde alle Rechtsmittel ausschöpfen, damit der Afghane in Deutschland bleiben könne. Als erstes wolle er nun eine Duldung beantragen.

Meinungskompass

mit Material von dpa

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