Berufsschüler aus Afghanistan Asef N. darf vorerst in Nürnberg bleiben

Als der afghanische Berufsschüler Asef N. abgeschoben werden sollte, protestierten Hunderte Jugendliche, Polizisten setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Nun rollt die Behörde seinen Fall neu auf.

Am 31. Mai eskalierte eine erst friedliche Demonstration gegen die Abschiebung von Asef N. (mit gelbem Shirt)
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Am 31. Mai eskalierte eine erst friedliche Demonstration gegen die Abschiebung von Asef N. (mit gelbem Shirt)

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Er wurde gewaltsam aus der Schule geholt, 300 Menschen protestierten gegen seine Abschiebung, neun Polizisten und mehrere Jugendliche wurden verletzt: Der Tumult vor einer Berufsschule Ende Mai in Nürnberg machte Asef N. in ganz Deutschland bekannt. Nun hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) einen Asylfolgeantrag des 21-Jährigen zugelassen, wie Michael Brenner, der Anwalt des jungen Afghanen, dem SPIEGEL bestätigte. Damit ist seine Abschiebung vorerst abgewendet.

"So lange das Asylverfahren läuft, darf Asef in Deutschland bleiben", sagt Brenner. Sein Fall werde nun neu aufgerollt.

Polizisten hatten Asef N. unter dem Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray abtransportiert, im Landeskriminalamt gehen Ermittler derzeit der Frage nach, ob ihr Vorgehen zu brutal war. Offen ist auch noch die Bewertung eines Vermerks, den drei Beamte nach dem Einsatz verfassten: Ihrer Aussage nach sagte Asef N. auf dem Weg zum Streifenwagen: "Ich bin in einem Monat wieder da. Und dann bringe ich Deutsche um." Asef N. selbst sagt, er könne sich nicht daran erinnern, eine solche Drohung ausgesprochen zu haben. Sollte er dies getan haben, so tue es ihm leid.

Noch am selben Abend hatte der junge Afghane nach Kabul fliegen sollen. Doch der Abschiebeflug wurde wegen des schweren Anschlags in der Nähe der deutschen Botschaft in Kabul kurzfristig abgesagt. Nach einer Nacht in Polizeigewahrsam durfte Asef N. wieder nach Hause - und sein Anwalt stellte einen Antrag auf Wiederaufnahme seines Asylverfahrens.

Brenner nannte der Behörde dafür drei Punkte: Die veränderte Sicherheitslage in Afghanistan, Asefs Zugehörigkeit zu der schiitischen Minderheit der Hazara, die von der Taliban verfolgt wird, und "sein besonderes Risikoprofil aufgrund seines Bekanntheitsgrades". Seit der Protestaktion vor der Berufsschule kursiere Asefs Name und Foto im Internet, und da Rückkehrer in Afghanistan ohnehin schon besonders gefährdet seien, sei davon auszugehen, dass er ins Visier der Taliban gerate, so Brenner.

Welches dieser Argumente das Bamf letztlich überzeugte, wisse er nicht. Und wann mit einem endgültigen Bescheid der Behörde zu rechnen ist, darüber wolle er nicht spekulieren. Fest stehe aber: Sollte Asef N. auch nach der erneuten Prüfung seines Falls kein Asyl gewährt werden, könne er dagegen klagen. Aus der Behörde heißt es, aus datenschutzrechtlichen Gründen könne keine Auskunft zu Einzelfällen im Asylverfahren erteilt werden.

Asef N. hatte sich ursprünglich auf Paragraf 25a des Aufenthaltsgesetzes berufen, der "gut integrierten Jugendlichen", die seit vier Jahren "erlaubt, geduldet oder mit einer Aufenthaltsgestattung" in Deutschland leben und "erfolgreich eine Schule besuchen", eine Aufenthaltserlaubnis gestattet. Doch diese Regelung gilt nur für unter 21-Jährige. Im neuen Verfahren spielt die Frage, wie gut er in Deutschland integriert ist, nun keine Rolle.

Am 1. September will Asef N. eine Ausbildung zum Schreiner beginnen. Den Vertrag hat er schon, die Erlaubnis der Ausländerbehörde aber noch nicht.

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