Flughafen-Kontrollen in Bayern Polizei erwischt 20 Familien beim Schulschwänzen

Die bayerische Polizei macht Jagd auf Schulschwänzer. Nicht nur in Memmingen, auch in Nürnberg und München kontrollierten Beamte Familien an Flughäfen - mit unterschiedlichem Ergebnis.

Der Nürnberger Flughafen
DPA

Der Nürnberger Flughafen


Polizeikontrolle beim Check-in: Mit dieser Maßnahme sorgte die Polizei im bayerischen Memmingen für Aufsehen. Im Visier hatten die Beamten vor allem Kinder, beziehungsweise deren Eltern. Denn immer wieder lassen Eltern ihre Kinder die Schule schwänzen, um früher in den Urlaub starten zu können - obwohl in Deutschland die Schulpflicht gilt.

Doch nicht nur in Memmingen griff die bayerische Polizei zu dieser Maßnahme. Auch am Nürnberger Flughafen kontrollierten Polizisten Familien mit Kindern und entlarvten in elf Fällen Eltern, die mit dem Nachwuchs lieber in den Urlaub flogen, als die Kinder in den Unterricht zu schicken. Gegen die Eltern wurde daraufhin bei den zuständigen Landratsämtern Anzeige erstattet.

Offenbar keine Schulschwänzer am Münchner Flughafen

Bayernweit wurden zum Beginn der Pfingstferien rund 20 Familien beim Schwänzen erwischt, den Familien droht nun ein Bußgeld.

Am größten Flughafen des Freistaats in München erwischte die Polizei in den vergangenen Tagen dagegen keine Unterrichtsünder. Wie an den beiden anderen Airports habe die Bundespolizei bei der Passkontrolle und die Landespolizei bei allgemeinen Kontrollen darauf geachtet, ob zu normalen Schulzeiten Eltern mit schulpflichtigen Kindern unterwegs waren, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Flughafen München.

Eine Straftat ist das unerlaubte Fernbleiben vom Unterricht in Bayern nicht, aber eine Ordnungswidrigkeit.

Bei Verdachtsfällen an allen Flughäfen ließen sich die Beamten Genehmigungen der Schulen zeigen. Konnten Eltern ein solches Dokument nicht vorzeigen, erkundigte sich die Polizei bei der Schule. Ob in Einzelfällen Kinder vom Flughafen zurück in die Schule mussten, blieb zunächst unklar.

Die Polizei appellierte an Eltern, ihre Kinder nicht ohne die nötige Schulbefreiung vor den Ferien aus der Schule zu nehmen, um eventuell günstigere Flüge zu ergattern.

ene/dpa/AFP



insgesamt 230 Beiträge
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Seite 1
s.pam 21.05.2018
1. Genau!
Genau! Jetzt ist mir auch klar, wofür Bayern das neue Polizeigesetz benötigt. Spass beiseite-geht es noch? Seit wann findet in Deutschen Schulen denn in der letzten Woche vor den Ferien noch inhaltlicher Unterricht statt? Das war und ist doch nur Beaufsichtigung, kein neuer Stoff. Haben die Sicherheitsbehörden wirklich keine anderen Sorgen? Muss dieses Fehlverhalten wirklich kriminalisiert werden? Was für ein Kindergarten!
rainerwäscher 21.05.2018
2. Spielverderber
Das ist aber hart an der Grenze zum Polizeistaat. Ich wusste gar nicht, dass es die Aufgabe der Polizei ist, die Einhaltung der Schulpflicht zu überwachen. Dabei heißt es doch immer, unsere Polizei sei überlastet.
lachina 21.05.2018
3. Felix Bavaria....
hat keine andere Sorgen ..... ich bin selbst Lehrerin, habe aber dafür kein Verständnis, denn ob ein Kind an einem Tag zur Schule kommt oder fehlt , entscheiden die Eltern solange es keine Attestpflicht gibt.. Und es gibt Grenzfälle: Hatte eine Schülerin mit einer überstandenen Lungenentzündung, die Familie wohnte in einer ungesunden Wohnung, der Arzt empfahl Luftveränderung. Die Familie sagte mir, sie könne sich nur die Reise außerhalb der Hauptsaison leisten oder gar nicht wegfliegen ( sie wollten ins Heimatland des Kleinen zu den Großeltern). ich sagte dann : Das darf ich gar nicht wissen.....gute Erholung..... Bei Familienfeiern und religiösen Sachen darf ich als Klassenlehrerin ohnehin einen Tag freigeben. Auch da kann ich den Wahrheitsgehalt nicht nachprüfen "Meine Tante heiratet......" Und wenn das Kind ein Attest hätte? Ein Attest verpflichtet ja nicht zur Bettruhe....wie gesagt , sehr schwierig das Ganze. .
Meinungsführer 21.05.2018
4. Endlich mal Rechtsstaat oder nur Wahlkampf ddr CSU?
Eigentlich zeigt unser Rechtsstaat ja regelmäßig, dass er überfordert, unzuverlässig und watteweich ist. Darüber freuen sich Mafiosis, Kleinkriminelle und unseriöse Manager weltweit. Bis auf Ordnungswidrigkeiten bei KFZ-Haltern wird Recht zumeist ja nicht mehr konsequent durchgesetzt. Gerichte, Staatsanwaltschaften, Geheimdienste und Polizei sind regelmäßig überfordert (siehe Attentäter, Gefährder, NSU, Aufklärungs- und Verurteilungsquoten). Bayern glänzt auch nicht, denn es stellt absichtlich zu wenige Steuerfahnder ein. Dieses Staatsversagen nennen die Bayern Wirtschaftsförderung. Ich nenne das Millionärs-Vetternwirtschaft. Nun also Kontrollen an bayerischen Flughäfen vor der Wahl. Eigentlich auch nur Aktionismus, leicht als CSU-PR zu entlarven. Man fragt sich, warum Polizisten bei Passkontrollen außerhalb der Ferien nicht generell die Missachtung der Schulpflicht kontrollieren. Bei jedem vorgelegten Kinder-Pass! Das ist ja nun wirklich simpel und erfordert kein zusätzliches Personal. Bei Fernreisen müssten sie eigentlich 100% der Schulschwänzer erwischen. Ohne Kinder-Pass keine Ausreise von Schülern am Flughafen. Aber dass das als einmalige Aktion derzeit durch die Medien geistert und somit nicht Regelfall ist, ist nur dem Wahlkampf geschuldet und stärkt leider auch nicht das Vertrauen in den Rechtsstaat.
touri 21.05.2018
5.
Zitat von rainerwäscherDas ist aber hart an der Grenze zum Polizeistaat. Ich wusste gar nicht, dass es die Aufgabe der Polizei ist, die Einhaltung der Schulpflicht zu überwachen. Dabei heißt es doch immer, unsere Polizei sei überlastet.
Natürlich ist die Polizei auch dafür zuständig. Wer solls denn sonst tun? Gesetze werden nun einmal von der Polizei überwacht.
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