Nach Spendenaufruf Odenwaldschule kann wohl doch weitermachen

Die Odenwaldschule ist womöglich gerettet: Bis Freitag kamen die nötigen 2,5 Millionen Euro zusammen, um den weiteren Betrieb der umstrittenen Traditionsschule für die nächsten drei Jahre zu finanzieren. Doch noch fehlt die Genehmigung.

Odenwaldschule in Ober-Hambach bei Heppenheim: Erst sollte nach den Sommerferien Schluss sein, nun geht es wohl doch weiter
DPA

Odenwaldschule in Ober-Hambach bei Heppenheim: Erst sollte nach den Sommerferien Schluss sein, nun geht es wohl doch weiter


Erst hieß es, sie müsse nach den Sommerferien schließen - nun kann an der krisengeschüttelten Odenwaldschule wohl doch weiter unterrichtet werden. Wie die Schule am Freitag mitteilte, sei das nötige Geld aufgetrieben worden, damit die Schule weiter betrieben werden kann.

Eltern, Altschüler und Externe brachten dafür 2,5 Millionen Euro auf. Damit sei die Finanzierung für die nächsten drei Jahre gesichert, sagte Geschäftsführer Marcus Halfen-Kieper. In der kommenden Woche wolle man mit den Aufsichtsbehörden des Landes Hessen und des Kreises Bergstraße über eine neue Betriebsgenehmigung sprechen.

Vor drei Wochen hatte die Schule mitgeteilt, dass die Finanzierung nicht zu stemmen sei und die Schule zum Schuljahresende daher ihre Pforten schließen müsse. "Für das, was sich danach getan hat, fehlen mir fast die Worte. Die Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft hat uns alle überwältigt", sagte Halfen-Kieper.

Vor allem die Schüler hatten sich für den Erhalt der Odenwaldschule eingesetzt, zu Demonstrationen aufgerufen und Crowdfunding-Aktionen gestartet. Am Montag hatte die Schule bereits mitgeteilt, dass sie 1,9 Millionen Euro gesammelt habe. In einem Brief an Eltern und Altschüler hatte Halfen-Kieper um weitere Spenden geworben: "Helfen Sie mit, damit etwas gelingt, was uns niemand mehr zugetraut hat. Helfen Sie mit, damit die Schule nicht zugemacht, sondern am Lernort Ober-Hambach auch in Zukunft Schule gemacht wird!", hieß es in dem Schreiben. Die Frist bis zu diesem Freitag hatte sich die Schule selbst gesetzt.

Hintergrund der Turbulenzen an der 1910 gegründeten Reformschulen waren Missbrauchsfälle in den Siebziger- und Achtzigerjahren. Vor fünf Jahren wurde bekannt, dass sich der frühere Rektor und mehrere Lehrkräfte damals an mindestens 132 Schüler vergriffen hatten.

Die Anmeldezahlen und damit auch die Einnahmen der Schulen gingen nach Bekanntwerden der Fälle zurück. Nach dem Abgang des aktuellen Abiturjahrgangs blieben nur noch 113 Schülerinnen und Schüler übrig, zu wenig, um die Schule kostendeckend zu betreiben.

Nun dürfte die Odenwaldschule Zeit gewinnen: In den kommenden drei Jahren will die Schule einmal mehr den Neuanfang versuchen. Erst im Februar war eine neue Führung in der Schule im Trägerverein angetreten. Zahlreiche Unterstützer hätten ihre Spende mit dem Appell verbunden, dass es ein "Weiter-So" nicht geben dürfe, sagte Schul-Geschäftsführer Marcus Halfen-Kieper: "Dauerhaft werden wir nur erfolgreich sein können, wenn alle Voraussetzungen für eine wirklich 'neue' Schule erfüllt sind."

bkr



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