Finanzielle Probleme Odenwaldschule plant Verkauf von Immobilien

Die Missbrauchsskandale kosten die Odenwaldschule Schüler und damit Geld. Vergangene Woche hatte der Trägerverein die Führung entlassen - nun werden nach SPIEGEL-Informationen Immobilien veräußert, um die Zahlungsfähigkeit zu sichern.

Odenwaldschule: Sinkende Schülerzahlen, sinkende Einnahmen
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Odenwaldschule: Sinkende Schülerzahlen, sinkende Einnahmen


Als Reaktion auf sinkende Schülerzahlen und geringere Einnahmen plant die Odenwaldschule den Verkauf von Grundstücken und Gebäuden am Rande des Schulgeländes im hessischen Ober-Hambach. Dies sei nötig, um die Liquidität der Einrichtung zu sichern, bestätigte der Vorsitzende des Schul-Trägervereins, Gerhard Herbert, dem SPIEGEL. Auch eine Reduzierung des Lehrpersonals schloss er nicht aus.

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Heft 30/2014
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Nach Herberts Angaben haben zum Schuljahresende etwa 60 Schülerinnen und Schüler das Internat verlassen, das seit dem Bekanntwerden eines Kindesmissbrauchsskandals vor vier Jahren nicht zur Ruhe kommt. Dem stehe nur eine niedrige zweistellige Zahl an Anmeldungen gegenüber, sagte Herbert. Andere Trägervereinsmitglieder sprachen von nicht einmal fünf festen neuen Plätzen.

Der Trägerverein hatte in der vergangenen Woche die Entlassung des Führungspersonals einschließlich des Schulleiters und der Internatsleiterin bekannt gegeben. Beide hätten sich nicht auf ein gemeinsames Konzept zur Neuausrichtung der Einrichtung einigen können. In einem Plan, den die Internatsleiterin Ende Juni bei den Aufsichtsbehörden eingereicht hat, ist von nur gut 80 derzeit belegten Internatsplätzen die Rede. Zum Schuljahresbeginn 2011/12 waren nach einem internen Bericht noch 138 Plätze belegt. Das Konzept ist in der Schule umstritten, weil es eine strikte personelle Trennung von Lehr- und Internatsbetrieb vorsieht.

Danach sollen Lehrer künftig nicht mehr als "Familienhäupter" mit den Kindern unter einem Dach wohnen. Im Trägerverein haben sich unter anderem Eltern- und Lehrervertreter nach Herberts Darstellung bereits "sehr aggressiv" gegen das neue Konzept ausgesprochen. Gleichwohl wolle er eine neue Schulleitung suchen, die sich an diesem Plan orientiere, kündigte Herbert an.



insgesamt 5 Beiträge
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shardan 20.07.2014
1. Anfang vom Ende
Der Verkauf des Tafelsilbers, so nennt man das wohl. Ein Abgang, denn einmal verkaufte Immobilien werden nicht mehr zurückkommen. Vielleicht hätte man gleich "aufräumen" sollen - das Gezerre mit Verschleiern und Vertuschen war genau so unwürdig wie es dieses schleichende Ende nun sein wird.
RELCH 20.07.2014
2.
Förderverein und Lehrpersonal haben in ihrer moralischen und ethischen Verantwotung versagt. Macht diese Schule endlich zu!!!
commentador 21.07.2014
3. Hessisches Schulgesetz
Hessisches Schulgesetz § 172 i.V. mit § 171… Die Genehmigung ist zu widerrufen, wenn die Führung einer Schule erforderliche Zuverlässigkeit des Trägers und die Eignung der Schulleitung weggefallen sind oder wenn die wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Lehrkräfte nicht genügend gesichert ist.
ergo-oetken 21.07.2014
4. Auch beim Gesinnungspendant gibt es...
....Stress wegen der Finanzen http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/godesberg-zentrum/Stadt-verklagt-Ako-pro-Seminar-article1408484.html Einer der Hauptdrahtzieher bei der wundersamen Geldvermehrung, seines Zeichens auch wissenschaftlich anerkannter Kinderquäler http://www.aloisiuskolleg.de/images/schulnachrichten/0_B-Bericht_final_2013-06-03_nach_Vgl.pdf hat seinen Tatort nach Ägypten verlegt. Wo er offenbar ein Backpacker-Hotel betreibt http://www.express.de/bonn/vereins-streit-vor-gericht--ako-pro--will-vom-ex-chef-geld-und-auto-zurueckhaben,2860,22347472.html Wie dem auch sei: es wurden ja öffentliche Gelder akquiriert. Die wohl verbrannt sind. Bzw. in dringend notwendige, allgemein nützliche Dinge wie den AKO-Tennisplatz usw. investiert wurden. Insofern müssen sich die Betreiber des Aloisiuskollegs wohl keine Sorgen machen. Es läuft alles wie gehabt weiter ;-). Wozu ist man denn Elite. Auserwählte Experten... in welchem Gewerbe auch immer... Angelika Oetken, Berlin-Köpenick
ulaula 23.07.2014
5. Der Pleitegeier kreist...
...nicht nur über der Odenwaldschule. Auch das zweite Flaggschiff der ehemaligen "Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime", die Schule Schloss Salem, scheint in ernsten Schwierigkeiten zu sein. Vor Jahresfrist erst wurde das im Jahr 2000 pompös eröffnete "Salem International Colleg" wegen Schülermangels "umgewidmet". Jetzt scheint der Verkauf der Zweigschule Schloss Hohenfels erwogen zu werden (https://mbasic.facebook.com/story.php?story_fbid=10152125457846271&id=125405061270&refid=17 ). Anders als im Fall der Odenwaldschule, der die Sündenbockrolle für all die anderen in Verruf geratenen "Elite-Schmieden" zufällt, finden sich im Fall dieses an Skandalen nicht eben armen Internats bis heute immer wieder Unterstützer aus der hohen Politik. Unter Ministerpräsident Günther Oettinger rettete der Steuerzahler mit 60 Millionen Euro den Markgrafen von Baden vor dem Konkurs und sorgte so dafür, dass das Schloss Salem als prunkvolles Domizil der Schul-Mittelstufe erhalten blieb. Momentan sucht die Schule Schloss Salem in auffälliger Weise Kontakt zur grün-roten Landesregierung. MP Kretschmann bezeichnete anlässlich eines Besuchs der Schule das wegen der hohen Rolexdichte seiner Schüler berüchtigte Institut unpassenderweise als "Teil des öffentlichen Schulsystems" (http://www.suedkurier.de/region/bodenseekreis-oberschwaben/ueberlingen/Schueler-sprachen-mit-Ministerpraesident-Kretschmann;art372495,6057753 ). Da wird's wohl nicht mehr lange dauern, bis der Steuerzahler mit einem "Elite-Notopfer Schloss Salem" oder einer "Exklusionsschulmaut" auf Fahrradwege geschröpft wird. Ereigniskarte bei Monopoly: "Du wirst zur Sanierung der Schlossallee herangezogen..." Was den Schutz vor Missbrauch an der Odenwaldschule angeht, weiß im Übrigen jedes Kind, dass es auch an Internaten ohne "Familienprinzip" inflationären sexuellen Missbrauch gegeben hat. Und noch viel höher ist die Zahl der Missbrauchsfälle in Jugendhilfeeinrichtungen ohne Schule, in denen ausschließlich Sozialpädagogen zur Betreuung eingesetzt sind, genau wie dies jetzt für die OSO gefordert wird. Kann man in der Studie des Deutschen Jugendinstituts zum sexuellen Missbrauch in Schulen, Heimen und Internaten aus dem Jahr 2011 (http://zfi-gruenberg.beepworld.de/files/internatedji-studiendrauchkindersindtter.pdf ) nachlesen. Ein weiteres Ergebnis: "Als mögliche Täter haben die betroffenen Kinder vergleichsweise selten Betreuer, Erzieher oder Lehrer angegeben. In den befragten Heimen gerieten bei zehn Prozent der Missbrauchsvorwürfe die dort tätigen Erwachsenen unter Verdacht, an Schulen vier und an Internaten drei Prozent. Dagegen ist sexueller Gewalt unter Kindern und Jugendlichen offenbar viel weiter verbreitet: Knapp 40 Prozent der Heime berichten über Verdachtsfälle, bei denen die mutmaßlichen Täter andere Kinder oder Jugendliche waren. An Schulen und Internaten werden bei 16 (Schulen) bis 28 Prozent (Internate) der Vorwürfe Gleichaltrige dafür verantwortlich gemacht. Die Hälfte dieser Verdächtigten war unter 14 Jahre alt." Was also soll dieser ganze Aufstand um ein "neues Konzept"? Das müsste ja wohl für sämtliche Jugendhilfeeinrichtungen und Internate gefunden werden!
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