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OECD-Bildungsbericht

Ausbildung schützt fast so gut vor Arbeitslosigkeit wie ein Studium

Wer eine Berufsausbildung macht, findet in Deutschland inzwischen fast genauso leicht einen Job wie ein Akademiker. Das zeigt der neue OECD-Bildungsbericht.

Von

DPA

Auszubildender

Dienstag, 11.09.2018   11:31 Uhr

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Ein Studium ist die beste Lebensversicherung, so hieß es lange. Inzwischen schützt eine Berufsausbildung jedoch fast genauso gut vor Arbeitslosigkeit, zeigt eine neue OECD-Studie: 25- bis 34-Jährige mit einer abgeschlossenen betrieblichen Ausbildung kommen in Deutschland auf eine fast genauso hohe Beschäftigungsquote (83 Prozent) wie ihre Altersgenossen mit einem Hochschulstudium (87 Prozent).

"Denjenigen, die nicht studieren möchten, bieten Berufsqualifikationen einen sicheren Weg in die Beschäftigung", heißt es im Bericht "Bildung auf einen Blick", den die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, am Dienstag vorgestellt hat. Die Statistiker haben darin Daten aus den Bildungssystemen in 35 OECD-Staaten sowie aus elf weiteren Ländern zusammengetragen.

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Dieser internationale Vergleich fällt aus deutscher Sicht auf den ersten Blick gar nicht schlecht aus. Die wichtigsten Ergebnisse:

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Doch trotz der positiven Entwicklungen gibt es nach wie vor Kinder und Jugendliche, die innerhalb des Bildungssystems auf der Strecke bleiben. Einer der Faktoren ist das Geschlecht: Zwar haben Mädchen innerhalb des Bildungssystems bessere Chancen auf einen hochwertigen Abschluss, auf dem Arbeitsmarkt werden sie bei den Einstellungschancen und beim Gehalt aber von den Männern überholt. Im OECD-Durchschnitt beträgt der Gender Pay Gap bei Akademikern etwa 26 Prozent.

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Größere Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben auch Menschen, die im Ausland geboren wurden. Das spiegelt sich sowohl bei den Beschäftigungsquoten als auch beim Einkommen wider. Und auffällig ist in Deutschland die nach wie vor hohe Zahl von 13 Prozent der Jugendlichen, die ohne höheren Schul- oder Berufsabschluss das Bildungssystem verlassen. Ändere Länder bekommen das deutlich besser hin: Vorbildlich seien hier die Tschechische Republik, Korea, Polen und Slowenien, heißt es in dem Bericht.

Betrachtet man die Gesamtausgaben pro Schüler, fällt im internationalen Vergleich vor allem ein Land auf: Luxemburg führt diese Liste mit deutlichem Abstand an. Den größten Anteil machen dabei die Kosten für Schulen und Lehrkräfte aus, hinzu kommen Dienstleistungen wie Psychologen oder Sozialarbeiter und die Ausgaben für Projekte in der Bildungsforschung. Die deutschen Ausgaben pro Schüler lagen dabei auch deutlich über dem OECD-Durchschnitt, heißt es im Bericht.

Im internationalen Vergleich sehr gut sei in Deutschland die Bezahlung der Lehrerinnen und Lehrer. Der Bericht bezeichnet die Lehrergehälter in Deutschland als wettbewerbsfähig, verweist aber auch darauf, dass sie "tendenziell das generelle geschlechtsspezifische Lohngefälle" abbilden. Abgesehen von Luxemburg, das seinen Lehrkräften konkurrenzlos hohe Gehälter zahlt, gehören deutsche Lehrer mit ihrem Einkommen dennoch zur OECD-Spitzengruppe.

Kritisiert wird im OECD-Bildungsbericht wie bereits in den vergangenen Jahren, dass Deutschland den Lehrern auf den verschiedenen Bildungsstufen keine vergleichbaren Gehälter zahlt. Das Einkommen in der Grundschule liege elf Prozent niedriger, was sich negativ auf die Attraktivität der Jobs und auf die Wettbewerbsfähigkeit des Lehrerberufs auswirke. Auf die in mehreren Bundesländern geführten Debatten über eine Erhöhung des Einstiegsgehalts für Grundschullehrer geht der OECD-Bericht nicht ein.

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