Paderborner Schulboykotteure Baptisten flüchten in den Süden

Aus religiösen Gründen schickten baptistische Familien im Kreis Paderborn ihre Kinder anderthalb Jahre lang nicht zur Schule - dort werde allzu freizügig über Sex gesprochen. Nun hat der Streit ein Ende: Die Kinder besuchen eine christliche Ersatzschule in Heidelberg.


Ermahnungen, Bußgelder und die Androhung, ihnen das Sorgerecht zu entziehen, konnten die sieben Elternpaare lange Zeit nicht umstimmen. Nun scheint der schier endlose Streit um die religiösen Schulverweigerer doch beendet. Die Eltern haben einem Besuch einer Ersatzschule in Heidelberg zugestimmt. Das teilte der Kreis Paderborn gestern mit.

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Das Ehepaar hatte seine Kinder im Oktober 2003 von der Schule abgemeldet, weitere Paare folgten im September 2004. Sie beriefen sich dabei auf ihre Glaubens- und Gewissensfreiheit. Nun besuchen die Kinder die Freie Christliche Schule, eine Einrichtung, die in Baden-Württemberg als Ersatzschule zugelassen ist.

"Hier endet unsere Zuständigkeit. Deshalb werden wir die Akten schließen", sagte der Paderborner Landrat Manfred Müller am Mittwoch. Die Aufgabe des Kreises sei es, dafür zu sorgen, dass die Kinder eine staatlich anerkannte Schule besuchen. "Das ist derzeit der Fall", sagte Müller.

"Geradezu sexuell stimuliert"

Den aus Kasachstan zugewanderten Baptisten ging es vor allem um den Sexualkundeunterricht in regulären Grund- und Hauptschulen. Dort würden Kinder "geradezu sexuell stimuliert" hatte einer der Befürworter der Schulverweigerung argumentiert. Dies sei nicht mit den Glaubensgrundsätzen der Baptisten zu vereinen. Die Eltern bestehen darauf, dass Gott ausschließlich ihnen selbst die Erziehungsgewalt über ihre Kinder zugestanden habe.

Zunächst wollten die Baptisten ihre Kinder zu Hause unterrichten und dazu das Lehrmaterial von zwei Fernschulen nutzen. Zwischenzeitlich beantragten sie die Gründung einer eigenen Bekenntnisschule.

Zwei Familien sind in der Zwischenzeit mit ihren Kindern nach Österreich gezogen und unterrichteten sie dort zu Hause. Auch dies sei vom Bezirksschulrat Villach-Land abgesegnet, denn in Österreich gilt im Unterschied zu Deutschland keine allgemeine Schulpflicht, sondern nur eine Unterrichtspflicht.



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