"Fridays for Future" Altmaier kritisiert Demos während der Schulzeit

"Wenn sie später die Welt verändern wollen, ist eine gute Ausbildung wichtig": Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier spricht sich im SPIEGEL dagegen aus, dass Schüler den Unterricht schwänzen, um sich für den Klimaschutz zu engagieren.

Peter Altmaier
DPA

Peter Altmaier

Von


Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) fordert die Zehntausenden Jugendlichen, die in den vergangenen Monaten für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen sind, dazu auf, nicht mehr während der Schulzeit zu protestieren. "Die Demos wären außerhalb der Schulzeit nicht weniger sinnvoll. Dann würden wir auch mehr über das Klima und weniger über die Schulpflicht diskutieren", sagte Altmaier dem SPIEGEL.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 12/2019
Warum so viele Menschen im Alltag die Nerven verlieren und ausrasten

"Letztlich streiken die Schüler gegen sich selbst. Wenn sie später als Erwachsene die Welt verändern wollen, und das hoffen wir ja alle, dann ist eine gute Ausbildung wichtig", sagte Altmaier.

Seit Wochen versammeln sich Jugendliche immer freitags unter dem Motto "Fridays for Future" in vielen deutschen Städten. An diesem Freitag sind die Proteste besonders groß: Rund um den Globus gehen Schüler während der Unterrichtszeit auf die Straße. Den Anfang machten Schüler in Neuseeland, Australien und Asien. In Deutschland sind rund 200 Kundgebungen geplant. In Berlin kamen bereits am Morgen Tausende junge Menschen vor dem Bundeswirtschaftsministerium zusammen.

"Ich würde mitdemonstrieren. Aber lieber am Samstag oder Sonntag", sagte der für Energie zuständige Minister Altmaier. "Als Schüler haben wir damals in unserer Freizeit Grenzpfosten zersägt und für ein Europa ohne Binnengrenzen gekämpft, für eine gemeinsame Währung, für eine europäische Umweltpolitik", sagte Altmaier. "Damals haben uns viele gesagt, dass unsere Forderungen völlig illusorisch seien. Heute sind sie Realität."

Die Mitorganisatorin der Schülerproteste, Luisa Neubauer, kritisiert Altmaier im SPIEGEL-Streitgespräch scharf: "Wir gehen nicht auf die Straße, weil wir später als Erwachsene etwas verändern wollen, sondern weil Entscheidungsträger wie Sie jetzt handeln müssen."

Zahlreiche Politiker und Behördenvertreter hatten sich gegen Streiks während der Schulzeit ausgesprochen, unter anderem der FDP-Vorsitzende Christian Lindner. Das Deutsche Kinderhilfswerk warnte hingegen davor, Jugendliche wegen ihres Einsatzes in der "Fridays-for-Future"-Bewegung zu bestrafen. "Es ist absolut in Ordnung, wenn Schülerinnen und Schüler auch während der Schulzeit für einen wirksamen Klimaschutz demonstrieren", sagte Kinderhilfswerk-Präsident Thomas Krüger der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

insgesamt 171 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Angelheart 15.03.2019
1. Welch eine dummdreiste Aussage...
...wäre er früher mal demonstrieren gegangen, wie diese engagierten Jugendlichen heute, hätte er möglicherweise einen weiteren Horizont!
lyoner 15.03.2019
2. Problem nicht etkannt!
Luisa Neubauer hat völlig recht, Herr Altmeyer (wie viele andere Politiker auch!) müßte bloß in den Spiegel schauen, um das eigentliche Problem zu sehen.
orca20095 15.03.2019
3. Na ja, die mosernden Politiker
drücken sich ja auch um die Abarbeitung der Aufgaben. Wie weit ist den Herr Altmeier mit seinen Stromtrassen? Wer im Glashaus sitzt....
spon-facebook-10000031099 15.03.2019
4.
"Wenn sie SPÄTER die Welt verändern wollen." Ein Satz fasst die gesamte arrogante Hybris der CDU perfekt zusammen. Vollständige Realitätsverweigerung wird in Deutschland mit 30-40% belohnt.
don_peppone 15.03.2019
5. Das große Ganze
Etwas kurzsichtig der Gute. Die Schüler protestieren damit JETZT etwas passiert! Was bringt es Ihnen wenn sie selbst 2040 im Bundestag sitzen, wenn die Welt dahin unumkehrbar vor die Hunde gegangen ist. #NiewiederCDU
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.