Pisa-Studie Sprachunterricht schon im Kindergarten?

Nach dem Paukenschlag der Pisa-Studie, bei der deutsche Schüler erschreckend schlecht abschnitten, wird der Ruf nach Konsequenzen lauter. So fordert die deutsche Pisa-Koordinatorin Petra Stanat eine gezielte Sprachförderung bereits im Vorschulalter.


Schon vor der Schule sollen Kinder besser gefördert werden
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Schon vor der Schule sollen Kinder besser gefördert werden

So früh wie möglich soll die Sprachförderung nach Auffassung von Bildungsexpertin Petra Stanat einsetzen. Das gegliederte Schulsystem in Deutschland verteile die "Kinder relativ früh auf verschiedene Schulformen" - umso wichtiger sei die vorschulische und die Grundschul-Förderung, sagte die deutsche Koordinatorin der Pisa-Studie in einem Interview mit der "Mitteldeutschen Zeitung". "Kindergärten etwa sollten wieder mehr als Bildungseinrichtungen wahrgenommen und geführt werden und Sprachunterricht anbieten", forderte sie.

Aus den Ergebnissen der internationalen Vergleichsstudie folgert Stanat, dass die "Koppelung zwischen schulischen Leitungen und sozialem Hintergrund in keinem anderen Land so eng ist wie in Deutschland". Bei gleichem Leistungsvermögen habe ein Arbeiterkind geringere Chancen als ein Akademikerkind, aufs Gymnasium zu kommen. Diese ungleichen Startchancen könnten mit einer besseren Vorschulbildung zumindest annähernd ausgeglichen werden.

"Lese-Unlust" in Deutschland stark verbreitet

Stanat kritisierte, dass in Deutschland die Freizeit viel stärker Lebensmittelpunkt der Jugendlichen sei als die Schule. Außerdem sei der Unterricht viel zu wenig auf die Praxis ausgerichtet. Beides sei bei den Spitzenreitern in der Pisa-Studie genau umgekehrt. Deshalb sollten etwa in den Mathematikunterricht mehr praktische Fragestellungen einbezogen werden.

Als positives Beispiel nannte die Bildungsexpertin die Niederlande: "Die Schüler lernen Mathematik in realen Lebenssituationen zu erkennen, die Probleme mathematisch zu lösen und das Ergebnis in die reale Situation zurück zu übertragen. So wird erfahrbar gemacht, wie man Mathematik nutzen kann, um ganz alltägliche Probleme zu lösen."

Stanat sprach sich gegen mehr Leistungsdruck in der Schule, aber für "variationsreichen Unterricht" aus - "also durchaus mal Frontalunterricht, aber auch Gruppenarbeit". Die Ganztagsschule könne dazu beitragen, dass Schüler ihren Lebensmittelpunkt wieder mehr in der Schule sehen. Zudem müsse das Lesen wieder selbstverständlicher Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen werden - denn in Deutschland sei die "Lese-Unlust" so ausgeprägt wie nur in wenigen anderen Pisa-Teilnehmer-Staaten.

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