Pöbeleien bei Facebook Englische Lehrer lästern über Schüler

"Inzucht schadet dem Gehirn": Britische Lehrer haben via Facebook Schüler und Einwohner ihrer Heimatstadt beleidigt. Die Eltern sind empört, die Behörden ermitteln. Die Direktorin, die an der Web-Diskussion teilnahm, sagt: Es ging nur um Sport. Im schlimmsten Fall droht den Lehrern die Kündigung.

Angemessen, bitte: Britische Lehrer haben Richtlinien fürs richtige Kommunizieren
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Angemessen, bitte: Britische Lehrer haben Richtlinien fürs richtige Kommunizieren


Die Lästerei startete mit dem Kommentar eines Lehrers, schnell gepostet bei Facebook wie so viele andere Sätze jeden Tag. Er habe es "satt", in der Stadt immer wieder Kindern zu begegnen, soll der Lehrer aus Hull im Nordosten Englands geschrieben haben.

Einige Kollegen tippten Antworten - und es entspann sich eine Unterhaltung, die Eltern erbost und nun sogar die Behörden beschäftigt, berichtet unter anderem die britische Tageszeitung "The Telegraph".

Für ihre kleine Stänkerei über Schüler und Einwohner ihrer Stadt wählten die Pädagogen einen arbeitsfreien Samstag. Beteiligt waren ein Lehrer, zwei Kolleginnen und schließlich auch die Schulleiterin der Westcott Primary School.

Eine Lehrerin machte sich lustig darüber, dass haufenweise Fünft- und Sechstklässler bei einem Geschäft der Billigkette Poundland Schlange stünden. Eine Kollegin äußerte sich abfällig über die Gegend nordöstlich der Schule. "Kein Wunder, dass jeder beschränkt ist", zitiert der "Telegraph" aus der Diskussion. "Inzucht muss der Entwicklung des Gehirns schaden." An dieser Stelle unterbrach Schulleiterin Debbie Johnson die samstägliche Lästerei und machte klar, dass sie den Kommentar überzogen fand. Die Kollegin antwortete: "Wenn jemand, der das liest, beleidigt ist, dann soll er sich wieder einkriegen."

Die Eltern erfuhren von der Unterhaltung, weil jemand die ausgedruckten Zeilen an Zäunen in der Nähe der Schule aufgehängt hatte - und sie reagierten empört. "Als mein Sohn am Montag nach Hause kam, musste ich ihm erklären, was Inzucht bedeutet", zitierte der "Telegraph" eine Mutter. Sie habe vor Wut gekocht und darüber nachgedacht, ihren Sohn von der Schule nehmen.

"Wir nehmen das sehr ernst"

Schulleiterin Johnson bestätigte die Facebook-Unterhaltung und verteidigte ihre Kollegen: Die Kommentare seien aus dem Zusammenhang gerissen und nicht mehr als Geplänkel, das sich auf die Rivalität von einheimischen Rugby-Fans beziehe, berichtet die Tageszeitung "Metro".

Den beteiligten Lehrern drohen nun ernste Konsequenzen. "Wir untersuchen den Fall", sagte Rachel Alexander, Sprecherin des Hull City Council, SPIEGEL ONLINE. Behördenvertreter seien dabei, mit allen Beteiligten zu reden. Sollten sich die Vorwürfe als begründet und sehr ernst herausstellen, drohe den Lehrern die Entlassung.

Auch in ihrer Freizeit müssten Lehrer sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein, sagte eine Vertreterin der Stadtverwaltung. Alle Schulen hätten Richtlinien erhalten, wie Lehrer mit sozialen Netzwerken angemessen und verantwortungsvoll umgehen. "Wir nehmen das sehr ernst", sagte sie. Mary Wallace, Vorsitzende des Schulbeirats, entschuldigte sich schriftlich bei allen, die sich von den Bemerkungen der Lehrer beleidigt fühlen.

Der "Telegraph" schreibt, es sei nicht das erste Mal, dass britische Lehrer Ärger mit Einträgen auf Facebook haben. Eine Lehrerin sei 2009 vom Dienst suspendiert worden, weil sie ihre Schüler in dem sozialen Netzwerk als schlecht bezeichnet hatte.

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