Abi-Debakel Durchgefallene Schüler verklagen Schule

27 Schüler haben an der privaten Schule in Schweinfurt ihr Fachabi geschrieben - und fast alle sind durchgefallen. Jetzt klagen sie auf Schadensersatz.

Eingang der Privaten Schulen Schwarz: Ehemalige Schüler fordern Schadensersatz
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Eingang der Privaten Schulen Schwarz: Ehemalige Schüler fordern Schadensersatz


Fast der gesamte Jahrgang war im vergangenen Jahr durchs Abitur gefallen, inzwischen haben sie Klage eingereicht: Sie fordern von der Ersten Privaten Fachoberschule (Epfos) in Schweinfurt Schadensersatz. Am Dienstag wurden die ersten vier Fälle vor dem Schweinfurter Amtsgericht verhandelt.

In dem Verfahren geht es darum, ob die Schule und ihr Geschäftsführer eine Aufklärungspflicht verletzt haben und ob dies der Grund für das schlechte Abschneiden der Schüler war. Bei der mündlichen Verhandlung sagten die Schüler, sie seien erst Wochen nach Beginn des zwölften Schuljahres über die Prüfungsmodalitäten informiert worden. Deswegen fordern die Eltern das Schulgeld von rund 3000 Euro für zwei Jahre zurück. Laut Kläger-Anwältin Patricia Fuchs-Politzki liegen insgesamt 16 Zivilklagen gegen die Schule vor. Ende Juni würden die Richter voraussichtlich über die Klage entscheiden, teilte das Gericht mit.

Chaotische Zustände an der Schule

Die private Fachoberschule des Betreibers Private Schulen Schwarz war "staatlich genehmigt"; erst wenn in zwei Jahrgängen hintereinander zwei Drittel der Schüler ihren Abschluss bestanden haben, wird eine Schule auch "staatlich anerkannt". Im vergangenen Jahr hatte erstmals ein Jahrgang sein Fachabitur geschrieben. Die Schüler bekamen - wie überall in Bayern - zentral gestellte Abiturprüfungen. Offenbar waren sie allerdings schlecht vorbereitet: Fast alle 27 Prüflinge fielen durch. Anschließend war von chaotischen Zuständen an der Schule die Rede, von denen das bayerische Kultusministerium seit Monaten gewusst haben soll.

Bereits kurz nach dem Abi-Debakel hatte die Schule ihren Betrieb eingestellt: Per E-Mail hatte die Schule dem Kultusministerium in Bayern im Juli mitgeteilt, dass es im Schuljahr 2013/14 keinen Unterricht mehr gebe und keine Klassen gebildet würden. Die beiden anderen Schularten des Betreibers, eine Realschule und eine Wirtschaftsschule, seien von der Schließung nicht betroffen.

Die Fachoberschüler konnten nach dem Desaster nicht problemlos auf eine staatliche Schule wechseln, sondern mussten eine Aufnahmeprüfung bestehen. Das Kultusministerin hatte damals aber an die betreffenden Schulen appelliert, die Tests der Schüler großzügig zu bewerten.

Fünf Jahre nach dem Abi: Was ist bloß aus mir geworden!

fln/dpa



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insgesamt 79 Beiträge
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borussenharry 13.05.2014
1. Ich glaub's ja nicht
Die Jungs und Mädels sollten sich was schämen! Die einzigen, die an dem Debakel schuld sind, sind sie selbst. Abiprüfungen fallen nicht vom Himmel und alle vorher geschriebenen Abituraufgaben sind auf dem Markt verfügbar. Damit ist auch klar ersichtlich, was man für seine Reifeprüfung lernen und leisten muss. Und es ist gut so, dass man in Deutschland das Abi nicht geschenkt bekommt. Natürlich sollten die Lehrer den Schülern beratend zur Seite stehen und sie im Unterricht auf die Anforderungen vorbereiten, doch was der einzelne als Abivorbereitung macht, ist entscheidend für Erfolg oder Misserfolg!
elizar 13.05.2014
2. Schuldfrage
Ja wer hat nun Schuld? "Inkompetente Lehrer" oder warum lachen sich die Schweinfurter über die Schüler kaputt, die angeblich alle "zu dumm" für ein reguläres Gymnasium gewesen sein sollen. Ich weiß es nicht, aber wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
Mr. Swiss 13.05.2014
3. Alternativlos
Zum Lernen und Pauken gibt's nun einmal auch im Internet Zeitalter keine Alternative. Hoffentlich wird das auch durch ein Gericht offiziell bestätigt.
Orthoklas 13.05.2014
4. Wenn der Bauer nicht schwimmen kann...
Wie sollen die Schüler auch reagieren? Sie bekommen ja von ihren Eltern vorgelebt, dass ihre schwachen Leistungen grundsätzlich den Lehrern anzulasten sind - und Klagen die Mittel der Wahl. Armes Deutschland!
wiegesagt 13.05.2014
5. War ja klar
dass hier einer gleich den Fehler bei den Schülern sucht. Aber ehrlich: Wenn so viele Schüler eiens Jahrgnags durchfallen, dann stimmt da was nicht. Auch bei unserer Abi-Prüfung vor zehn Jahren (Ba-Wü, also auch nicht gerade das leichteste Abi) sind nur zwei Schüler durchgefallen. Wenn so viele Schüler es nicht packen, dann hat die Schule ihren Bildungsauftrag verfehlt.
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