Quiz zu Frauenrechten Welches Land hat die meisten Chefinnen?

In vielen Regionen der Welt haben es Frauen deutlich schwerer als Männer. Im weltweiten Vergleich ist die Ungleichheit in Deutschland noch überschaubar - aber manche Länder sind uns auch voraus. Wissen Sie, welche?

Von Marcel Pauly


Mädchen dürfen keine Schule besuchen, werden jung verheiratet, Schwangere kaum versorgt - in vielen Regionen der Welt lebt es sich besser als Mann. Selbst in Industrieländern wie Deutschland haben Frauen beruflich geringere Aufstiegschancen und Löhne, und politische und wirtschaftliche Entscheidungen werden mehrheitlich von Männern getroffen.

Die Vereinten Nationen (UN) haben daher die Geschlechtergerechtigkeit auf ihre Liste der Nachhaltigkeitsziele genommen, die 2015 zwischen den Staaten vereinbart wurden und bis 2030 umgesetzt sein sollen. SPIEGEL ONLINE untersucht die verschiedenen Ziele in der Serie "Expedition ÜberMorgen".

Wie ist es heute um Frauenrechte weltweit bestellt? Testen Sie im Quiz, wie gut Sie sich auskennen. Mit jeder Antwort bekommen Sie weitere Informationen auf der Weltkugel angezeigt. Klicken Sie hierfür auf "Los geht's"!

Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern hat viele Dimensionen. Schauen wir uns einige näher an:

Schulbildung

Wie soll die Zukunft eines vom Bürgerkrieg gebeutelten Landes aussehen, wenn die heranwachsende Generation nicht mal die Grundrechenarten und Schreiben lernt? Im Südsudan besucht nur gut jedes dritte Kind die Grundschule. Mädchen haben dort kaum eine Chance auf Unterricht, hat eine Erhebung der Unesco ergeben. Gründe dafür sind unter anderem finanzielle Zwänge, kulturelle Konventionen und frühe Hochzeiten.

In einigen anderen afrikanischen Ländern lässt sich eine ähnlich große Ungleichheit beobachten, etwa in Angola und der Zentralafrikanischen Republik. Aber auch Afghanistan wird in diesem Zusammenhang immer wieder genannt: Unter der Taliban-Herrschaft war es Mädchen sogar verboten, in die Schule zu gehen. Aktuelle Zahlen für das Land enthält die Unesco-Erhebung nicht, doch eine andere UN-Organisation, das Kinderhilfswerk Unicef, stellt klar: Noch immer ist der Bildungsstand von afghanischen Mädchen deutlich niedriger als der von Jungen.

Politische Teilhabe

Wählen dürfen alle "deutschen Männer und Frauen, die am Wahltage das 20. Lebensjahr vollendet haben", so stand es erstmals im Reichswahlgesetz von 1918. Im darauffolgenden Jahr waren bei der Wahl zur Nationalversammlung 18 Millionen deutsche Frauen erstmals berechtigt, ihre Stimme abzugeben. 82 Prozent von ihnen taten das auch.

Im internationalen Vergleich war das schon recht früh. Frankreich hat ein allgemeines Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene erst 1944 eingeführt, die Schweiz 1971 und der Inselstaat Samoa erst 1990. Etwas schneller als die Deutschen waren unter anderem die Russen (1917), Dänemark (1915) und Finnland (1906). Besonders früh dran war Neuseeland 1893.

Aber gestalten Frauen auch aktiv die Politik mit? Die meisten Länder haben männlich dominierte Regierungen. Nur in 26 von 175 untersuchten Staaten fand das Projekt WomanStats ein nach Geschlechtern einigermaßen ausgeglichenes Kabinett. Auch in der Legislative sind Frauen oft unterrepräsentiert. Daher will die UN für die Bewertung ihrer Nachhaltigkeitsziele unter anderem den Frauenanteil in den Parlamenten heranziehen.

Karriereaussichten

In Norwegen konnte man lange Zeit vergeblich nach Frauen in Verwaltungsräten suchen. Dann kam die Quote: Seit 2008 müssen die Gremien staatlicher und börsennotierter Unternehmen zu mindestens 40 Prozent von Frauen besetzt sein. Eine Erhebung des Credit Suisse Research Institutes bestätigt: Das Geschlechterverhältnis in den untersuchten norwegischen Chefetagen ist heute nahezu ausgeglichen, kein Land kommt auf einen höheren Frauenanteil.

Wie gut oder schlecht die Quote funktioniert, dazu gibt es verschiedene Interpretationen. Manche Beobachter sagen, die Quote habe das Betriebsklima verbessern und männlich dominierte Strukturen aufbrechen können. Doch in einigen Betrieben ist die erhoffte Gleichstellung der Geschlechter ausgeblieben, weil einfach die Rechtsform geändert wurde, um das Gesetz zu umgehen.

Eine Studie des arbeitgebernahen Instituts zur Zukunft der Arbeit kommt zu dem Schluss, dass ein höherer Frauenanteil auf der Vorstandsetage kaum einen Effekt auf andere Frauen in der Firma hat. In den untersuchten Unternehmen hätten sich für sie keine bedeutenden Karriere- oder Lohnvorteile ergeben.

Genau solche Verbesserungen unterhalb der Vorstands- und Aufsichtsratseben sind aber entscheidend für die meisten Frauen. In 54 von 187 untersuchten Ländern stellt die Internationale Arbeitsorganisation fest, dass in der Gruppe der Führungskräfte, Akademiker und Techniker weniger als jede dritte Person eine Frau ist. In immerhin gut 100 Staaten sind die Geschlechteranteile relativ ausgeglichen.

Gesundheit

Die Uni fordert in ihren Nachhaltigkeitszielen "die gesundheitliche Unversehrtheit von Frauen". Zwangsheirat, Zwangsprostitution und auch die noch immer vorkommende Genitalverstümmelung sollen vom Erdball verschwinden.

Auch Sexualaufklärung und der Zugang zu einer ausreichenden Gesundheitsversorgung während der Schwangerschaft sollen garantiert werden. Bislang sterben in vielen afrikanischen Ländern mehr als 500 Mütter je 100.000 Geburten. Zum Vergleich: In den meisten europäischen Ländern liegt die Müttersterblichkeit bei weniger als zehn. Der Weg zum Ziel ist noch lang.

Hinweis: Falls Sie die SPIEGEL-ONLINE-Android-App nutzen, aktualisieren Sie diese bitte, um den interaktiven Globus fehlerfrei nutzen zu können. Sie benötigen auf Android-Geräten außerdem mindestens Version 4.4 des Betriebssystems.

Ihr Feedback ist uns jederzeit sehr willkommen. Sie erreichen uns unter der E-Mail-Adresse uebermorgen@spiegel.de .

SPIEGEL ONLINE

Konzept: Marcel Pauly; Programmierung: Christopher Pietsch und Lorenz Matzat

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.