Schülerprojekt Hier stand einmal eine Synagoge

Im Herbst jährt sich die Reichspogromnacht zum 80. Mal. Bis dahin fotografieren Schüler in ganz Deutschland die alten Synagogenstandorte - und erstellen Vorher-nachher-Bilder. Die ersten gibt es bereits.

Alexander Jäckel | Stadtbild Deutschland Halle-Dessau/Future History

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland Synagogen. Es geschah Ungeheuerliches: Eine staatlich gelenkte Gewaltaktion gegen eine Bevölkerungsgruppe, die Juden. Die Nationalsozialisten begannen, sie systematisch massenweise zu ermorden.

Bald jährt sich dieser Tag zum 80. Mal. Die Verheerungen von damals wirken bis heute nach: in den Familien der Opfer, in den gesellschaftlichen Debatten dieser Tage, zum Beispiel. Und im Erscheinungsbild unserer Städte. Wo Synagogen brannten, wurde später oft neu gebaut; an anderen Stellen finden sich heute Orte, die an den millionenfachen Mord an Juden erinnern sollen.

Was aus den Orten der Synagogen wurde, soll in den kommenden Monaten der Schülerwettbewerb "Erinnerung sichtbar machen" dokumentieren. Klassen, Schülergruppen oder einzelne Schüler sollen dafür Fotos der alten Synagoge in ihrer Stadt aus der Zeit vor 1938 ausfindig machen - und vom selben Standort aus fotografieren wie der historische Fotograf. Aus beiden Bildern entsteht dann ein plastischer Vorher-nachher-Vergleich.

"Erinnerung sichtbar machen" will verdeutlichen, wie sich die Städte verändert haben. Die Idee: Wenn man die Einschnitte klar sieht, kann man leichter vermitteln, was die Pogrome vom 9. November bedeuten. Die Schüler laden ihre Bilder in eine Datenbank hoch, wo sie künftig jeder Interessierte finden kann.

Startschuss für den Wettbewerb ist eine Auftaktveranstaltung am Donnerstag in der Neuen Mainzer Synagoge. 16 Schulen haben sich schon jetzt für das Projekt gemeldet, zwei davon haben es bereits durchgeführt, die Hugo-Höfler-Realschule in Breisach und die Lessing-Realschule in Freiburg. Eine Reihe von Beispielen kann man sich in der Datenbank Future History ansehen - oder in diesem Artikel.

Mit den Bildern allein ist es nicht getan: Die Schüler können auch Texte, Video- und Audiobeiträge hochladen, wenn sie noch mehr über die Synagogen in ihrer Nachbarschaft herausgefunden haben. Etwa Gespräche mit Zeitzeugen oder Informationen aus zeitgeschichtlichen Dokumenten. Die drei besten Recherchen werden belohnt, mit insgesamt 8000 Euro Preisgeld. Veranstalter ist die Zentrale für Unterrichtsmedien (ZUM), die Hilfsmittel zum Lernen kostenlos im Internet bereitstellt.

mamk



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