Geberkonferenz Deutschland knausert bei globaler Bildungskrise

Deutschland ist ein wirtschaftliches Schwergewicht in der Welt. Aber wenn es darum geht, die weltweite Bildungskrise zu bekämpfen, wird vor allem schwer gespart.

Macky Sall, Emmanuel Macron, Rihanna (von links nach rechts)
AFP

Macky Sall, Emmanuel Macron, Rihanna (von links nach rechts)


Rihanna setzt sich für weltweit bessere Bildung ein, der Papst sowieso, und auch Emmanuel Macron rührte die Werbetrommel: 260 Millionen Kinder weltweit gehen nicht zur Schule, und die Globale Bildungspartnerschaft (GPE) will das ändern. Gerade ging eine Geberkonferenz in Dakar zu Ende, doch es ist ein mühsames Geschäft, die Summe zusammenzubekommen, mit denen die GPE in den Jahren bis 2020 finanziert werden soll.

Das liegt auch an Ländern wie Deutschland, die entgegen allen Beteuerungen knausern. Die Bundesrepublik sagte zu, in den kommenden vier Jahren 38 Millionen Euro beizusteuern. Pro Jahr werden 9 Millionen Euro fließen, kündigte der deutsche Botschafter im Senegal an - Entwicklungshilfeminister Gerd Müller war nicht gekommen.

Ein kleiner Betrag, insgesamt sollen in den kommenden drei Jahren 2,3 Milliarden Euro eingesammelt werden. Auch reagiert die deutsche Regierung kaum auf die bedrückende Entwicklung der globalen Bildungskrise. Sieben Millionen Euro jährlich hatte Deutschland längst zugesagt, jetzt wurde lediglich auf neun Millionen erhöht.

Zum Vergleich: Kanadas Premierminister hatte bereits auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos angekündigt, dass sein Land bis 2020 rund 117 Millionen Euro zum GPE beiträgt. Frankreichs Präsident Macron sagte nun 200 Millionen Euro zu.

Sammeln Geld für Bildung: Senegals Präsident Macky Sall (links) und Emmanuel Macron (3. von rechts) bei einer Schuleröffnung in Dakar
AFP

Sammeln Geld für Bildung: Senegals Präsident Macky Sall (links) und Emmanuel Macron (3. von rechts) bei einer Schuleröffnung in Dakar

"Scheitern wir in Dakar, wird es uns sehr teuer zu stehen kommen", hatte Gayle Smith gewarnt, die Präsidentin der Entwicklungshilfe-Lobbygruppe One. "Die Kosten für Millionen Kinder auf der Welt, die Weltwirtschaft, globale Stabilität und die Stärkung von Frauen wären einfach zu hoch." Ihre Organisation hielte als deutschen Beitrag 100 Millionen Euro pro Jahr für angemessen - dann erst hätte die Bundesrepublik im Kreis der Geberländer den Anteil, der ihrer Wirtschaftskraft im Vergleich entspricht.

Die Bildungsinitiative GPE ist ein von der Weltbank unterstütztes Bündnis zur Stärkung der Schulbildung in ärmeren Ländern, das Geberstaaten, Entwicklungsländer und Privatwirtschaft zusammenbringt.

In Kenia zum Beispiel wurden mit GPE-Mitteln sechs Millionen neue Mathematikbücher für Grundschulen produziert und verteilt. Im ärmeren Burkina Faso hingegen hilft GPE dabei, die Infrastruktur der Schulen auf dem Land zu verbessern sowie Lehrer einzustellen und auszubilden. In Malawi, wo Grundschullehrer mitunter bis zu 100 Kinder unterrichten, bemüht sich GPE um bessere Infrastruktur, zusätzliche Lehrer und bessere Schulbücher.

"Bildung gibt Kindern, deren Eltern und Gemeinschaften auch in den schwierigsten Zeiten Hoffnung", sagte die neue Chefin des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Henrietta Fore. Bildung sei der Weg, um sich eine bessere Zukunft zu sichern. "Doch die internationale Unterstützung für Bildung befindet sich weiter auf gefährlich niedrigem Niveau."

Kommt Rihanna?

Das Problem indes wird mit jedem Jahr dringlicher, vor allen wegen des raschen Bevölkerungswachstums in Afrika. Die Bevölkerung des Kontinents soll sich bis 2050 auf rund 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln. Bereits jetzt gehen der Unesco zufolge knapp 100 Millionen Kinder in Afrika gar nicht in die Schule, unzählige weitere bekommen nur schlechte Bildung.

In manchen Krisenstaaten wie dem Niger, dem Tschad oder dem Südsudan sind nach UN-Angaben rund 70 Prozent aller Jugendlichen Analphabeten. Zudem herrscht laut Unesco in den Staaten südlich der Sahara akuter Lehrermangel: Bis 2030 werden dort 17 Millionen Grund- und Sekundarschullehrer benötigt.

Frankreichs Präsident Macron, der die Geberkonferenz in Dakar zusammen mit seinem senegalesischen Kollegen Macky Sall leitete, warb engagiert für die Initiative. Und stellte sich die Frage: Kommt Rihanna oder nicht? Die Sängerin ist Botschaftern für GPE und hatte zwar nicht abgesagt, aber auch bis zuletzt nicht wirklich zugesagt. Neben anderen Prominenten wie Malala oder Bono verleiht die Sängerin aus Barbados dem wichtigen Thema Bildung für die Ärmsten Aufmerksamkeit.

Doch sie kam tatsächlich und trug die Botschaft der Konferenz in die Welt ihrer Twitter-Follower. "Alle Kinder überall sollten die Chance auf qualitativ hochwertige Bildung haben", sagte sie und forderte unter anderem die britische Premierministerin Theresa May auf, einen historischen Beitrag zuzusagen.

mamk/Jürgen Bätz/dpa



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