Rockige Vertretungsstunde Beinhartes Schusstraining mit den Sportlehrern Stiller

Gold in der Kehle und in den Beinen: Die Sportfreunde Stiller besingen nicht nur König Fußball auf ihrer neuen Platte. Sie kicken auch selbst und zeigten Dresdner Gymnasiasten als Aushilfslehrer, wie man dribbelt, mit dem Ball tänzelt- und mit Anstand verliert.


Wieso heißen die eigentlich Sportfreunde Stiller? Weil Sänger Peter und Schlagwerker Florian lange Zeit unter Trainer Hans Stiller beim SV Germering kickten. Heute spielen die Herren Sportfreunde nicht mehr Bezirksliga, sondern sind in die Bundesliga des deutschen Rocks aufgestiegen. Für das Jugendmagazin "Spiesser" tauschten sie noch einmal coole Popstarjeans gegen schlabberige Turnhosen und gaben am Gymnasium Dresden-Plauen eine Sportstunde.

10.53 Uhr. "Nur Jungen?" Bassist Rüde überrascht die Zusammensetzung des Sportkurses. Auch Peter schielt zu den Mädels auf den Schulhof neben dem Tartan-Platz, macht aus der Not aber schnell eine Tugend: "Lass uns nach der Stunde mit den Jungs noch Panini-Bildchen tauschen." Seine Kollegen grinsen und nicken.

10.57 Uhr. Vorfreudig tänzelt Flo mit dem Ball. Auch das Sticheln ohne Ball hat er noch drauf und provoziert den Peter: "Du hast doch keine Beine!" Der reagiert kühl: "Das ist eine falsche Information."

11.20 Uhr, Anpfiff der Sportstunde: Die müden Mannsbilder der neunten Klasse trotten im sanften Sommerwind in Richtung Sportplatz. Schüler Martin wird am schnellsten munter: "Die sehen ja fast so aus wie die Sportfreunde Stiller. Krass."

11.25 Uhr. Peter begrüßt die Mannschaft: "Hallo Schüler! Wir sind heute eure Lehrer." Und adaptiert darauf den Kaiser: "Lasst uns Fußball spüln!" Flo übt sich im grimmig gucken und versucht, Peter einen Schlag Autorität zu verpassen: "Wer nicht kicken will, kann sich direkt einen Verweis im Sekretariat abholen. Peter hier hat auch 'nen Trainerschein, der weiß also, wie das geht." Schon weht ein anderes Lüftchen. Erst aber wird sich warm gemacht. Die ballgeilen Schüler murren erst, strahlen aber, als Peter Aufwärmen mit Ball ankündigt. Der Wahnsinn – ein Trainer, der die Mannschaft mit Ball aufwärmen lässt.

Rocker als Oberlehrer

11.33 Uhr. Der Ton bleibt oberlehrerhaft, Bassist Rüde verliert seinen Spitznamen: "Assistenzlehrer Rüdiger! Wo ist unser Ball?", fährt Peter ihn an. Flo pfeift nebenher die Truppe zusammen und kämpft mit Widerworten. – Schüler André: "Wirf uns doch gleich nen Knochen vor die Füße. Sind doch keine Hunde." – Florian: "Keine Widerrede!"

11.34 Uhr. Und sie sind doch Hunde, die Schüler. Denn Flo stellt beim folgenden Torschusstraining und nach einigen Glanzparaden von Keeper Yves Erstaunliches fest. – Florian: "Der Yves is a Hund! Hält immer, der Sauhund! Spitzentorwart. Unüberwunden! Der Yves is a Teufelskerl!" Peter ist das Vorspiel leid, jetzt soll’s zur Sache gehen: "Wollmer spüln, sollmer?" Schwupps, schon werden Teams gewählt. Bevor er weiß, mit wem er spielt, klopft Schüler Tobias vorsichtshalber bei allen Sportfreunden an: "Könnt ihr nicht jede Woche kommen?"

11.45 Uhr. Anpfiff – auf zwei Feldern wird parallel gezockt.

11.48 Uhr. Ein guter Fußballer braucht neben Gold in den Beinen und Grips in der Birne vor allem eins: psychologische Kniffs. Die Schüler auf dem Kleinfeld haben das begriffen: "Ich bin das große Tor gewöhnt", schiebt einer die Verantwortung für einen verzogenen Schuss von sich.

11.50 Uhr. Gegentor für die Sportfreunde Rüde und Flo. Eine Minute später fallen auch noch das 2:0 und 3:0. Der gegnerische Torwart lacht sich ins Fäustchen und treibt seine Vorderleute gleich wieder an: "Na, aber, hey! Dann deckt doch wenigstens noch Michi! Michi! Den Michi decken!"

11.56 Uhr. Das Team der beiden Sportfreunde Rüde und Flo fliegt raus. Immerhin hat sich Sportfreund Peter mit seinem Team fürs Endspiel qualifiziert. Anpfiff!

11.57 Uhr. Peter holt sich die Pille. Dribbelt erst einen, dann zwei, dann vier Gegner aus. Sofort bildet sich ein Rudel Schüler um ihn, aus dem Tobias als Sieger hervorgeht – gleich danach rappelt es im Tor von Peters Team. Peters Mitspieler Martin versucht vergebens, eine dritte Halbzeit auszuhandeln: "Mist! Können wir nicht Rugby spielen? Da niete ich hier alle um."

12.06 Uhr. Geht doch: Martin haut das Leder mit voller Wucht in die Maschen. Am Ende verliert das Team um ihn und Peter trotzdem mit 1:3. Und auch das noch: Schüler Markus hat sich die Leiste verrenkt. Ob er bis zur Weltmeisterschaft wieder fit ist?

12.08 Uhr. Sportfreunde, stillgestanden: Nur das Gruppenfoto verlangt jetzt noch Disziplin ab. Die Schüler benoten ihre drei Aushilfslehrer mit glatten Einsern, dann werden Hände gereicht. "Hat Spaß gemacht", sagt Peter. Es hört sich ehrlich an. Den endgültigen Beweis dafür, dass es Sportfreunden wie Schülern ein großes Vergnügen war, erblicken wir beim Abgang: Auf Flos Rücken regiert ein riesiger Schweißfleck – der Mann hat wirklich alles gegeben.

Protokoll: Cornelius Pollmer, Martin Machowecz

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.