Rustikaler Unterricht Lehrerin muss für Kopfnüsse zahlen

Diese Lehrerin wähnte sich wohl im vorletzten Jahrhundert: Vergaßen Kinder ihre Namen auf Übungszetteln, schlug sie den Grundschülern als Ermahnung rhythmisch auf die Stirn. Das kam die 58-Jährige vor Gericht teuer.


Eine Grundschullehrerin hat Schülern immer wieder Kopfnüsse verpasst und ist deshalb am Freitag vom Amtsgericht Fürth wegen Körperverletzung im Unterricht zu einer Geldstrafe von 4950 Euro verurteilt worden. Die 58 Jahre alte Lehrerin hatte gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt, der auf eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung gelautet hatte.

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DPA

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Die Lehrerin hatte sechs Drittklässlern einer Fürther Grundschule im Schuljahr 2004/05 die Kopfnüsse verpasst. Sobald ein Kind vergessen hatte, seinen Namen auf ein Arbeitsblatt zu schreiben, schlug sie ihm im Takt des Satzes "Ordentliche Kinder schreiben ihren Namen" leicht auf die Stirn.

Die Ermittlungen waren ins Rollen gekommen, nachdem Schüler der dritten Klasse einer Fürther Grundschule ihren Eltern von den Erziehungsmethoden der Frau berichteten. Ein weiterer Schüler, der in einer Strafarbeit vier Fehler gemacht hatte, musste sich vier Mitschüler aussuchen, die ihm ins Gesäß traten.

Mit der Begründung, die Lehrerin habe die Schüler nicht gravierend misshandelt, und die Kinder hätten nur kurzfristigen Schmerz verspürt, sah das Gericht von einer Freiheitsstrafe ab. Zudem stehe die Lehrerin zu ihren Fehlern. "Die Schüler haben die Kopfnüsse eher als Gaudi gesehen, und selbst der Schüler, der die Fußtritte bekommen hat, hat dabei gelacht", begründete der Richter das Urteil.

Oberstaatsanwalt Reinhard Lubitz hielt der Pädagogin "Versagen" vor. Er räumte ein, dass es immer schwieriger werde, an Volksschulen zu unterrichten. "Dies sind allerdings Grenzüberschreitungen, wie sie für Pädagogen absolut tabu sind."

Die Lehrerin ist der Fall zwar teuer zu stehen gekommen, er könnte aber noch ein Trostpflaster bereit halten: Ihr Anwalt will nun für die seit Februar vom Schuldienst suspendierte Mandantin einen vorzeitigen Ruhestand statt einer Entlassung aushandeln.

cpa/dpa/ddp

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