Schlafmützen-Studie Späteres Aufstehen macht Schüler fitter

Morgens ein Pennbruder oder mehr der muntere Lerchentyp? Schülern tut es gut, wenn sie eine halbe Stunde später zum Unterricht müssen, haben US-Forscher ermittelt. Auch viele Lehrer sprechen sich für eine späteren Schulstart aus - und das nicht etwa nur aus Eigennutz.

Neue Studie: Schüler, die später aus dem Bett müssen, sind besser und schwänzen weniger
DDP / DAK / Schlaeger

Neue Studie: Schüler, die später aus dem Bett müssen, sind besser und schwänzen weniger


Schüler, denen man eine halbe Stunde mehr Schlaf gönnt, leisten mehr, sind motivierter und schwänzen seltener den Unterricht - das hat eine Forschergruppe am Hasbro Kinderkrankenhaus in Providence im US-Bundesstaat Rhode Island herausgefunden.

Für ihre Studie ließ das Forscher-Team 201 Schülern der Klassen 9 bis 12 für eine Probephase den Unterrichtsbeginn von 8 Uhr auf 8.30 Uhr verlegen. Ergebnis: Die Jugendlichen waren besser bei der Sache und machten seltener blau. Trotz des nach hinten verschobenen Schulstarts blieben die Jugendlichen abends nicht länger auf, sondern gingen zur gleichen Zeit wie sonst ins Bett.

Entsprechend ging die Zahl der Schüler, die in der Woche weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht bekamen, um fast 80 Prozent zurück. Jeder zweite Jugendliche schlief nun acht oder mehr Stunden. Zuvor schafften diesen erstrebenswerten Wert nur rund jeder Sechste.

Die halbe Stunde mehr wirkte sich auch positiv auf den allgemeinen Gemütszustand der Jugendlichen aus. Der Anteil derjenigen, die sich als nicht richtig glücklich oder als deprimiert beschrieben, sank durch den späteren Schulbeginn von gut 65 auf rund 45 Prozent. Um zwei Drittel zurück ging zudem die Zahl der Jugendlichen, die sich auf der Krankenstation ihrer Schule meldeten, weil sie sich erschlagen und zu müde für den Unterricht fühlten.

Manche deutschen Schüler müssen um 7.30 Uhr und früher ran

Das Ergebnis passt zu ähnlichen Untersuchungen auch aus Deutschland. Wissenschaftler sind schon lange der Ansicht, dass sich der Biorhythmus von Jugendlichen besonders in der Pubertät, im Alter zwischen 12 und 14 Jahren, stark verändert. Viele vormalige Frühaufsteher werden in der Zeit der hormonellen Umstellung zu Nachteulen, die später ins Bett gehen und morgens schwerer wieder rauskommen. Ab der Pubertät schadet der Mehrzahl der Schüler ein Unterrichtsbeginn um 8 Uhr eher, als er nützt. Untersuchungen hatten auch ergeben, dass Frühaufsteher im Schnitt bessere Noten schreiben als Langschläfer.

Die amerikanischen Forscher berichteten auch, dass die Lehrer vor dem Versuch gegen einen späteren Schulstart waren, sich aber nach Ende der Probephase mit großer Mehrheit für den späteren Schulbeginn aussprachen - und zwar nicht aus persönlichen Gründen, sondern wegen der positiven Erfahrungen mit ihren Schülern.

In Deutschland beginnt die Schule zwar meist um 8 Uhr, aber der Schulstart ist nicht einheitlich reglementiert. In Baden-Württemberg etwa legen die Schulen den Unterrichtsbeginn selbst fest, in Sachsen und Sachsen-Anhalt müssen Schüler oft schon um 7.30 Uhr oder teils noch früher an ihren Tischen sitzen. Wenn in ländlichen Regionen noch lange Schulwege hinzukommen, müssen die Schüler oft schon extrem früh aus den Federn.

Die aktuelle Untersuchung aus den USA veröffentlichten die Forscher um die Ärztin und Psychologin Judith Owen in der Juli-Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine".

cht/dpa

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