Schlechtes Abi im Norden Ministerium lässt Mathe-Noten aufbessern

Mehr als die Hälfte der Schüler hat an den Beruflichen Gymnasien Schleswig- Holsteins das zentrale Mathe-Abi vergeigt. Neue Lehrpläne hätten Schüler und Lehrer verunsichert, sagt das Bildungsministerium und korrigiert die Noten nach oben. Die Pädagogen müssen sich jetzt fortbilden lassen.

Zahlen, überall Zahlen: In Schleswig-Holstein lief das Mathe-Abi ziemlich schief
AP

Zahlen, überall Zahlen: In Schleswig-Holstein lief das Mathe-Abi ziemlich schief


Es war eine Premiere: Die rund 2400 Schüler des aktuellen Abiturjahrgangs an den Beruflichen Gymnasien in Schleswig-Holstein schrieben erstmals alle dieselbe Prüfung im Fach Mathematik - Zentralabitur. Allerdings ging das ziemlich schief. Mehr als die Hälfte der Schüler bekam weniger als fünf Punkte, Note "mangelhaft", wie das Ministerium für Bildung und Kultur mitteilte. Das seien deutlich mehr als in den Vorjahren.

Woran lag das? Dass die Schüler nicht durch die Bank dümmer geworden sein können, als es die vorherigen Jahrgänge waren, sei ja klar, sagte ein Ministeriumssprecher. Es handele sich um Einführungsprobleme, die mit zweierlei zu tun haben könnten: Zum einen seien die Schüler verunsichert gewesen, weil zum ersten Mal die Prüfung zentral durchgeführt wurde. Zum anderen seien die Lehrpläne umgestellt worden, sie seien jetzt "kompetenzorientiert".

Das Ministerium habe deswegen entschieden, die erreichte Punktzahl bei allen Schülern um 20 Prozent anzuheben und die Mathematik-Lehrer zur Fortbildung zu schicken. Eine Expertengruppe, die die Einführung neuer Lehrpläne begleite, habe die Aufstockung der Ergebnisse empfohlen.

Kompetenzen deutscher Mathematiklehrer im internationalen Vergleich
Teds-M-Ergebnisse
DPA
Deutschlands junge Mathelehrer an Gymnasien sind weltklasse - auch Grundschullehrer mit spezieller Matheausbildung schneiden gut ab. Haupt- und Realschullehrer sind dagegen oft erschreckend schlecht. Die Ergebnisse von Teds-M im Überblick.
Mathematische Kompetenz angehender Grundschullehrkräfte
Land Mittelwert
Taiwan 623
Singapur 590
Schweiz 543
Russland 535
Thailand 528
Norwegen 519
USA 518
Deutschland 510
International 500
Polen 490
Malaysia 488
Spanien 481
Botswana 441
Philippinen 440
Chile 413
Georgien 345

© TEDS-M Germany


Im Durchschnitt nur Mittelmaß: Angehende deutsche Grundschullehrer zeichnen sich durch besonders große Unterschiede in ihren Kompetenzen aus, Mathematik zu unterrichten. Wer dieses Fach in der Ausbildung gewählt hat, weist im internationalen Vergleich überdurchschnittliche Leistungen auf; wer nicht, bleibt zurück. In Singapur und Taiwan ist es nicht möglich, ohne einen Schwerpunkt in Mathematik Grundschullehrer zu werden.
Mathematikdidaktische Kompetenz angehender Grundschullehrkräfte
Land Mittelwert
Singapur 593
Taiwan 592
Norwegen 545
USA 544
Schweiz 537
Russland 512
Thailand 506
Malaysia 503
Deutschland 502
International 500
Spanien 492
Polen 478
Philippinen 457
Botswana 448
Chile 425
Georgien 345

© TEDS-M Germany


Im Durchschnitt nur Mittelmaß: Angehende deutsche Grundschullehrer zeichnen sich durch besonders große Unterschiede in ihren Kompetenzen aus, Mathematik zu unterrichten. Wer dieses Fach in der Ausbildung gewählt hat, weist im internationalen Vergleich überdurchschnittliche Leistungen auf; wer nicht, bleibt zurück. In Singapur und Taiwan ist es nicht möglich, ohne einen Schwerpunkt in Mathematik Grundschullehrer zu werden.
Mathematische Kompetenz angehender Sekundarstufen-I-Lehrkräfte
Land Mittelwert
Taiwan 667
Russland 594
Singapur 570
Polen 540
Schweiz 531
Deutschland 519
USA 505
International 500
Malaysia 493
Thailand 479
Oman 472
Norwegen 444
Philippinen 442
Botswana 441
Georgien 424
Chile 354

© TEDS-M Germany


Die Kompetenzen, Mathematik in der Sekundarstufe I zu unterrichten, sind in Taiwan mit Abstand am höchsten ausgeprägt. Eine Gruppe von fünf Ländern zeichnet sich dadurch aus, dass die Leistungen ihrer Lehrkräfte am Ende der Ausbildung stabil über dem internationalen Mittelwert liegen. Zu dieser Gruppe gehört Deutschland.
Mathematikdidaktische Kompetenz angehender Sekundarstufen-I-Lehrkräfte
Land Mittelwert
Taiwan 649
Russland 566
Singapur 553
Schweiz 549
Deutschland 540
Polen 524
USA 502
International 500
Thailand 476
Oman 474
Malaysia 472
Norwegen 463
Philippinen 450
Georgien 443
Botswana 425
Chile 394

© TEDS-M Germany


Die Kompetenzen, Mathematik in der Sekundarstufe I zu unterrichten, sind in Taiwan mit Abstand am höchsten ausgeprägt. Eine Gruppe von fünf Ländern zeichnet sich dadurch aus, dass die Leistungen ihrer Lehrkräfte am Ende der Ausbildung stabil über dem internationalen Mittelwert liegen. Zu dieser Gruppe gehört Deutschland.
Mathematikdidaktische Kompetenz von Mathematiklehrern bis Klasse 10
Land Mittelwert
Taiwan 649
Schweiz 549
Singapur 539
Polen (Bachelor, Vollzeit) 520
Polen (Bachelor, Teilzeit) 520
Deutschland (HR) 518
Deutschland (GHR) 513
Gruppen-Mittelwert 498
Norwegen (mit Mathe als Fach) 480
USA (konsekutiv) 479
USA (grundständig) 470
Norwegen (ohne Mathe als Fach) 455
Philippinen 450
Botswana 436
Chile (mit Mathe als Fach) 407
Chile (ohne Mathe als Fach) 392

© TEDS-M Germany


Am Ende der Ausbildung zeichnen sich deutsche Gymnasiallehrkräfte durch herausragende mathematikdidaktische Kompetenz aus. Nur noch übertroffen von Mathematik-Lehrkräften aus Taiwan liegt ihre Kompetenz, Mathematik in der Sekundarstufe I zu unterrichten, auf einer Höhe mit Russland und signifikant über Singapur. Nicht-Gymnasiallehrkräfte zeigen dagegen Schwächen. Selbst im Bezug auf vergleichbare Ausbildungsgänge gilt, dass sie deren Gruppen-Mittelwert nur wenig übertreffen. Hier schlagen sich vermutlich niedrigere Eingangsvoraussetzung aufgrund geringerer Attraktivität des Berufs im Vergleich zum Gymnasiallehramt und weniger fachbezogene Lerngelegenheiten angesichts der Kürze ihrer Ausbildung nieder.
Mathematikdidaktische Kompetenz von Mathematiklehrern bis Klasse 13
Land Mittelwert
Deutschland (GY) 586
Russland 566
Singapur 562
USA (grundständig) 544
Polen (Master, Vollzeit) 536
USA (konsekutiv) 535
Gruppen-Mittelwert 505
Thailand (konsekutiv) 495
Norwegen 495
Oman (Universität) 485
Georgien (Master) 482
Malaysia (BEd) 476
Thailand (grundständig) 474
Oman (Pädagogische Hochschule) 473
Malaysia (BScEd) 471
Polen (Master, Teilzeit) 441
Georgien (Bachelor) 437
Botswana 409

© TEDS-M Germany


Am Ende der Ausbildung zeichnen sich deutsche Gymnasiallehrkräfte durch herausragende mathematikdidaktische Kompetenz aus. Nur noch übertroffen von Mathematiklehrkräften aus Taiwan liegt ihre Kompetenz, Mathematik in der Sekundarstufe I zu unterrichten, auf einer Höhe mit Russland und signifikant über Singapur. Nicht-Gymnasiallehrkräfte zeigen dagegen Schwächen. Selbst im Bezug auf vergleichbare Ausbildungsgänge gilt, dass sie deren Gruppen-Mittelwert nur wenig übertreffen. Hier schlagen sich vermutlich niedrigere Eingangsvoraussetzung aufgrund geringerer Attraktivität des Berufs im Vergleich zum Gymnasiallehramt und weniger fachbezogene Lerngelegenheiten angesichts der Kürze ihrer Ausbildung nieder.

otr



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insgesamt 146 Beiträge
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Seite 1
schniggeldi 27.05.2011
1. lorem ipsum
Da lernen die Schüler doch gleich noch was fürs praktische Leben. "Was nicht passt wird passend gemacht." oder wahlweise "Wer nicht pfuschen kann, kann auch nicht arbeiten."
shokaku 27.05.2011
2. Verschlimmbesserungsvorschlag
Stellt doch zeitgleich mit der Gebutsurkunde auch gleich das Abi aus. Da spart man sich dann später die eine oder andere Farce.
Schah.Wenzel 27.05.2011
3. [{-_-}] ZZZzz zz z...
Zitat von sysopMehr als die Hälfte der Schüler hat an den Beruflichen Gymnasien Schleswig- Holsteins das zentrale Mathe-Abi vergeigt. Neue Lehrpläne hätten Schüler und Lehrer verunsichert, sagt das Bildungsministerium und korrigiert die Noten nach oben. Die Pädagogen müssen sich jetzt fortbilden lassen. http://www.spiegel.de/schulspiegel/abi/0,1518,765323,00.html
Ich kann überhaupt nicht aufhören zu lachen, einfach nur klasse. Was nicht passt, wird passend gemacht. Zu dieser Meldung passt wunderbar das Statement eines Doktoranden des Bauingenieurwesens hier auf SpON, "Studenten als Nesthocker", er wisse nicht einmal, wie ein Mietvertrag zu unterschreiben sei... =.-O Der Knaller aber ist, die _Pädagogen_ müssten sich jetzt fortbilden lassen. Ein Land beim aktiven, staatlich verordneten Gesundschrumpfen von Hirnleistung, köstlich.
saako 27.05.2011
4. ...
warum auch nicht? schließlich ist D weltspitze in wissenschaft, handwerk und technik ;) ach ja, in khs-hygiene natürlich auch ...
Umbriel 27.05.2011
5. Die armen Schüler
Können einem leid tun. Jahrelang Matheunterricht in Schleswig Holstein und dann so etwas. Das reicht nach Verschwörung alter Reformpädagogen. Wahrscheinlich herrschte dort ein allzu lässiger Geist bei den Kultusbehörden und in manchen Kollegien und der Matheunterricht war vermutlich a la Reformpädagogik aufgehübscht. Und dann kam die erste richtige Prüfung, etwas zu spät um sich daran zu gewöhnen. Die Zensurkorrektur ist natürlich eine extreme Maßnahme, die allenfalls als Indikator für das Ausmaß der Leistungsschwäche der betroffenen Schulen sind.
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