Deutschland In zehn Jahren wurden Tausende Schulen geschlossen

Die Schülerzahlen in Deutschland sinken stetig, heute gibt es 6100 Schulen weniger als vor zehn Jahren. Der größte Verlierer ist die Hauptschule.

Klasse ohne Schüler: Immer mehr Schulen müssen dichtmachen
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Klasse ohne Schüler: Immer mehr Schulen müssen dichtmachen


Die Zahl der allgemeinbildenden Schulen ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken: Im Schuljahr 2012/13 gab es insgesamt 34.400, das waren 6100 (15 Prozent) weniger als vor zehn Jahren, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Die Zahl der Schüler sank im Vergleich zum Schuljahr 2002/03 um 13 Prozent.

Das Bundesamt spricht von "Neustrukturierungen der Schullandschaft", denn es gibt Gewinner und Verlierer bei den einzelnen Schulformen: So sank die Zahl der reinen Hauptschulen (minus 37 Prozent) und Realschulen (minus 16 Prozent) im Zehnjahresvergleich deutlich. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die sich schon länger abgezeichnet hat. So stritten Bildungspolitiker seit Jahren über Sinn und Überlebensfähigkeit der Hauptschule, Bildungsexperten befanden bereits 2007: "Die Schulform wird nicht zu retten sein." Tatsächlich haben viele Bundesländer die Hauptschule inzwischen abgeschafft.

Mehr Schüler besuchen das Gymnasium

Zugleich erhöhte sich die Zahl der Integrierten Gesamtschulen, an denen Haupt- und Realschulabschlüsse sowie das Abitur erworben werden können, klar um 51 Prozent. Einen Boom erlebten auch die freien Waldorfschulen (plus 22 Prozent) und Schulen mit mehreren Bildungsgängen (plus 14 Prozent). Auch die schulartunabhängigen Orientierungsstufen für die Jahrgangsstufen fünf und sechs waren stark von den Schulschließungen betroffen: Die Zahl halbierte sich (minus 51 Prozent).

Die Zahl der Schüler im Grundschulbereich sank nach Angaben des Bundesamts aufgrund der sinkenden Geburtenrate in den vergangenen zehn Jahren um zwölf Prozent. Die Zahl in der Sekundarstufe I, die bis zum Haupt- oder Realschulabschluss geht, nahm dabei um 19 Prozent ab. Zugleich nahm die Zahl der Schüler in der Sekundarstufe II, also der gymnasialen Oberstufe, im Vergleich um 36 Prozent zu. Die Zahlen belegen eindrücklich eine bekannte Entwicklung: Immer mehr junge Menschen streben die Hochschulreife an.

Dauer der Gymnasialzeit: Acht Jahre? Neun Jahre? Oder beides?

Stand: Juni 2016

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fln/dpa

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insgesamt 63 Beiträge
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westerwäller 24.04.2014
1. Abgesehen von den demographiebedingten Änderungen ...
Zitat von sysopDPADie Schülerzahlen in Deutschland sinken stetig, heute gibt es 6100 Schulen weniger als vor zehn Jahren. Der größte Verlierer ist die Hauptschule. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/schueler-6100-schulen-in-deutschland-geschlossen-a-965926.html
... hat es nur eine Verschiebung unter den Schulformen gegeben: Sonderschule ---> Hauptschule Hauptschule ---> Realschule Realschule ---> Gymnasium (Für diejenigen, die ursprünglich "Gymnasialeignung" hatten gibt es keine Aufstiegsmöglichkeit, außer Noten vielleicht ...) Somit wurden - um ein altes Zitat zu gebrauchen - generell Unterhemden zu Oberhemden befördert ... Einziges Gegenbeispiel: In Hessen wurden Realschulen zu "Mittelpunktschulen" degradiert (Quasi von "Mittelhemden" zu "Unterhemden")
sitcom 24.04.2014
2. Sparmaßnahmen
Wenn irgendein Bildungpolitiker glaube das solche "Sparmaßnahmen" unentdeckt bleiben im welchem Mäntelchen sie auch kommen dann haben Sie sich geschnitten... Pisa und co gibt da ganze klare Erkenntnisse...
mielforte 24.04.2014
3. Es war am 3. Oktober 1990 nicht das Ziel,
dieses Land wirtschaftlich und finanziell abhängig zu machen, seine Souveränität zu untergraben und die Zukunft zu verbauen. Mit Bildung (bzw. mit schlechter Bildung) kann ich eine Volkswirtschaft ruinieren. Und da ist noch nicht von Familien- und Kinderpolitik die Rede. Kurzum: Es riecht im Staate Dänemark, sorry, in Deutschland.
urbaine 24.04.2014
4. Wieviel Schüler
wechseln vom Gymnasium zurück auf Gesamtschule auf Gymnasien? Wieviel Schüler wechseln von Realschule oder Gesamtschule auf das Gymnasium ?
rodelaax 24.04.2014
5. Nein
Der größte Verlierer ist nicht die Hauptschule, sondern, seit Jahrzehnten, sind die größten Verlierer die Hauptschüler.
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