Schüler-Abzocke Der teure Klick zur schnellen Hausaufgabe

Manche Schüler umkurven lästige Hausaufgaben und laden die Lösung mal eben im Internet runter. Doch dort lauern windige Anbieter, die erst die Anschrift und dann viel Geld verlangen. Eltern sollten ihre Kinder aufklären - und bloß nicht sofort bezahlen.


Hausaufgabenhilfe aus dem Internet kann für Schüler ein teures Nachspiel haben. Nicht jedes Angebot, das schnelle Unterstützung bei Referaten und Hausarbeiten verspricht, ist kostenfrei zu haben, wie Verbraucherschützer aus der Beratungspraxis wissen.

Hausaufgaben-Seite: Im Internet lauern Fallstricke

Hausaufgaben-Seite: Im Internet lauern Fallstricke

Für einen einzigen Deutsch-Aufsatz können Gebühren von 30 Euro und mehr anfallen. Die Rechnung kommt dann meist Tage später. Der Nachwuchs merkt beim Surfen in der Regel gar nicht, dass das Herunterladen nicht umsonst war. Und die Eltern sollen zahlen - zum Teil enorme Summen, für die Nachhilfe beim Profi drin gewesen wäre.

"Bloß nicht bezahlen, wenn der Klick zu Hausaufgaben-Seiten im Netz dubios gelaufen ist", rät Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Auch dann nicht, wenn massiv Druck von Inkassobüros oder Anwälten gemacht wird.

Ein von Minderjährigen abgeschlossener Vertrag ohne Einverständnis der Erziehungsberechtigten ist ungültig. Bei Verschleierung der Kosten kommt kein wirksamer Vertrag zustande, hat das Amtsgericht München zudem entschieden (Aktenzeichen 161 C 23695/06). "Uns ist kein Fall bekannt, dass Vater oder Mutter, die standhaft nicht zahlten, jemals vor Gericht mussten", macht Steinhöfel Mut.

Das Altersfeld kennt nur 18 Jahre oder älter

Und so wird versucht, Schüler über den Tisch zu ziehen: Die Nutzer fragwürdiger Seiten werden aufgefordert, sich erst einmal zu registrieren. Gefragt wird nach Adresse, E-Mail und Alter, wie Rudolf Boll, Sprecher der Bundesnetzagentur, erklärt. Das Alter lässt sich aber nur eingeben, indem man das Geburtsjahr auswählt. Und das beginnt ab 1990 und älter. Jüngere haben also gar keine Möglichkeit, ihr wirkliches Alter einzutippen.

Unseriöse Anbieter verstecken Preishinweise zudem im Kleingedruckten. Sie setzen dabei auf die Unerfahrenheit der Kinder und Jugendlichen, die wohl kaum auf die Idee kommen, Allgemeine Geschäftsbedingungen durchzulesen oder so lange das Angebot zu durchkämmen, bis sie auf eine Preisklausel stoßen.

Eltern sollten das neue Schuljahr dazu nutzen, mit ihrem Nachwuchs über Tricks und Gebührenfallen zu sprechen, empfiehlt Steinhöfel. Sonst geben die Jugendlichen arglos persönliche Daten preis - und der Ärger nimmt seinen Lauf. Ihr Tipp: sich als Erwachsener die Zeit nehmen und zusammen mit den Kindern nachgucken, was im Internet an Fallstricken lauert.

Auch für Kinder gilt: Keine Adressdaten angeben

"Die jungen Leute müssen wissen, dass sie auf keinen Fall ihre Adresse oder E-Mail angeben dürfen", warnt Fachmann Boll. Auch Lehrer hätten vor, die Problematik aktiv im Unterricht anzusprechen, betont Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands.

Hat ein Schüler dubiose Seiten genutzt, folgt die Rechnung wenig später. Manchmal sitzt der Jugendliche sogar in einem teuren Abonnement fest. Nach einer Umfrage der Verbraucherzentralen aus dem Jahr 2007 wurden Internet-Nutzer mit Rechnungen von durchschnittlich 120 Euro konfrontiert. In jedem vierten Fall hatte es jedoch Jugendliche unter 18 Jahren erwischt. Und jeder zehnte Befragte bezahlte.

Eltern sollten wissen: Minderjährige, die das siebte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind nicht geschäftsfähig. Ein Vertrag mit ihnen kann deshalb nicht rechtens sein. Vom siebten bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind Kinder und Jugendliche beschränkt geschäftsfähig. Das heißt, dass ihre Rechtsgeschäfte ohne Einwilligung der Eltern unwirksam sind. Vater und Mutter sollten das dem Anbieter schriftlich mitteilen, um auf der sicheren Seite zu sein. Musterbriefe dazu gibt es bei den Verbraucherzentralen.

Und über noch eine Sache sollten Eltern mit ihren Sprösslingen reden: Darüber, dass Lehrer es häufig merken, wenn eine Hausarbeit aus fremder Feder ist. "Wir sind ja nicht blank, was das angeht", betont Kraus. Dann kann die "Inspiration" per Mausklick nicht nur teuer werden, sondern auch mit viel Ärger verbunden sein: Lehrer nutzen bereits Suchmaschinen, die Plagiate aus dem Netz aufspüren können.

Berrit Gräber, AP



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
felice4077 19.09.2008
1.
Zitat von sysopVorsicht Falle: Dubiose Webseiten ködern Schüler mit Hausaufgaben zum Herunterladen. Wer hier seine Adresse angibt, dem flattert bald eine teure Rechnung ins Haus. Wie können Kinder besser vor solchen Abzockern geschützt werden?
Kinder sind - weil nur beschränkt geschäftsfähig - bestens geschützt. Wenn die Rechnung kommt,müssen nur die Eltern die Genehmigung des Geschäfts verweigern und die Rechnung löst sich in Luft auf. Entsprechende Musterschreiben - auch für reingefallene Erwachsene - finden sich zu Hauf im Netz, einfach mal mit dem Namen der Seite googlen. Das Wichtigste ist: Nicht einschüchtern lassen. In den meisten Fällen haben diese Anbieter eine große Klappe, aber nichts dahinter. (ceterum censeo: Erst lesen, dann Hirn einschalten, dann (ggf.) "jetzt registrieren" anklicken. Dann fällt man gar nicht erst rein)
Herzkasper, 21.09.2008
2.
Da hilft meistens schon die Drohung per e-mail einen guten Rechtsanwalt gegen diese/n Betreiber(in) aufzuhetzen. Danach wird man meistens in Ruhe gelassen. Diese Erfahrungen hatte ich in ähnlicher Form, nur mit Online-Quiz Seiten.
tancarino, 21.09.2008
3. Die Masse macht's
Die Betreiber dieser Abzockerseiten hoffen auf den Masseneffekt. Wenn nur ein paar Prozent all jener, die eine Rechnung erhielten, diese auch bezahlen, geht die Rechnung auf. Es gibt anscheinend auch noch genügend Leichtgläubige, die auf eine Spam, welche einer offiziellen Online-Banking-Seite ähnelt, sämtliche PINs und TANs preisgeben. Diese kleine Prozentsatz unkritischer Internetnutzer hält Abzocksysteme am Laufen. Natürlich kann man gesetzliche Regeln zur Kenntlichmachung von kostenpflichtigen Seiten fordern. Das nützt im nationalen Alleingang nichts, und wenn ein Anbieter sich auf eine Taka-Tuka-Insel mit zweifelhafter Rechtslage zurückzieht, sieht's ohnehin mau aus mit der Einhaltung von Regeln. Abzockerseiten sperren? Das riecht nach Zensur. Wo will man die Grenze ziehen? Am Ende hilft nur: aufklären und nochmals aufklären. Wer dann trotzdem bezahlt, der muß sich vorhalten lassen, die "Anleitung für's Internet" nicht aufmerksam genug studiert zu haben. Meine Oma drückte das einfacher aus: "Dummheit muß bestraft werden".
Taraxacum 21.09.2008
4.
Gegen Websites, die klar gegen das Recht verstoßen sollte so schnell wie möglich vorgegangen werden, damit möglichst wenig Personen geschädigt werden. Allerdings verhindert dieses leider nicht, dass Personen geschädigt werden. Solange die Geschäfte dubioser Websites nicht von vornherein unterbunden werden können, muss man als Verbraucher immer wachsam sein und sein Bestes tun, um sich den Ärger von vornherein zu ersparen. Bei den meisten kostenlosen Angeboten im Internet werden weder eine Adresse noch Kontodaten verlangt. Wozu denn auch? Wenn solche Informationen trotzdem verlangt werden, sollte man sich die Seite einschließlich der AGB und aller anderen Bestimmungen anschauen. Wenn trotzdem noch ein ungutes Gefühl bleibt, kann man ja auf den Dienst verzichten. Der Haken an dieser Vorgehensweise ist der hohe Zeitaufwand. Allerdings ist dieser wohl immer noch geringer, als dann wenn man bereits in die Falle gegangen ist.
Jan B. 22.09.2008
5.
Zitat von TaraxacumGegen Websites, die klar gegen das Recht verstoßen sollte so schnell wie möglich vorgegangen werden, damit möglichst wenig Personen geschädigt werden. Allerdings verhindert dieses leider nicht, dass Personen geschädigt werden. Solange die Geschäfte dubioser Websites nicht von vornherein unterbunden werden können, muss man als Verbraucher immer wachsam sein und sein Bestes tun, um sich den Ärger von vornherein zu ersparen. Bei den meisten kostenlosen Angeboten im Internet werden weder eine Adresse noch Kontodaten verlangt. Wozu denn auch? Wenn solche Informationen trotzdem verlangt werden, sollte man sich die Seite einschließlich der AGB und aller anderen Bestimmungen anschauen. Wenn trotzdem noch ein ungutes Gefühl bleibt, kann man ja auf den Dienst verzichten. Der Haken an dieser Vorgehensweise ist der hohe Zeitaufwand. Allerdings ist dieser wohl immer noch geringer, als dann wenn man bereits in die Falle gegangen ist.
Das Problem ist ja, dass die meisten dieser Angebote, streng gesehen, nicht mal unbedingt rechtswidrig sind. Sicherlich müssen Kosten deutlich sichtbar ausgewiesen werden, aber wer legt denn fest, was deutlich sichtbar bedeutet? Es gibt keine Regelung wo diese Kosten stehen müssen, oder in welcher Schriftgröße oder ob mit Ausrufezeichen dahinter oder nicht. Es gibt einen Haken an der ganzen Geschichte und das im wörtlichen Sinne. Sobald man bestätigt, dass man die AGB gelesen hat (was wohl 99 % der Internetuser nicht machen - von mir mal so gedacht), sitzt man quasi in der Falle. Meine Mutter ging letztes Jahr einer der bekannteren Firmen, die Seiten mit Lebenszeitrechnern, IQ-Tests etc. betreiben (dem interessierten Nutzer muss ich keinen Namen nennen oder), ins Netz. Sie lies sich auch von dem scheinbar kostenlosen Angebot verführen, nur durch Eingabe von Alter, Adresse und einiger weniger persönlichen Daten das zu erwartende Lebensalter zu bestimmen. Es kam natürlich wie es kommen musste, eine Rechnung vn 59 € flatterte keinen Monat später ins Haus. Und hätte ich meiner Mutter nicht davon abgeraten zu zahlen, wäre diese Firma wieder mal davon gekommen. Diese ganze Geschichte hätte damit natürlich vorbei sein können, wären da nicht die immer wiederkehrenden Schreiben einer münchner Rechtsanwältin namens...na?...na?...genau, Katja Günther. Derzeit sind wir glaube ich schon bei der angdrohten Klage beim Landesgericht mit Verweis auf ein Urteil des LG Wiesbaden. Wenn das so weitergeht, muss sich meine Mutter in 2 Jahren vor dem europäischen Gerichtshof verantworten. Letztens gab es bei Akte 08 (glaube ich) einen Beitrag über diese Rechtsanwältin (zu sehen auch bei Youtube). Da wurden mal die Dimmensionen dieser Masche aufgedeckt. Etwa 1 Million Mahnschreiben wurden im Namen von Fr. Günther seit 2004 verschickt und nun rechne man das mal mit 60 € "Provision" für die Anwältin und davon nehme man mal nur 10 %, die wirklich bezahlt wurden. Vielleicht sollten manche Manager doch mal umsatteln. ^^ Das Problem für die Justiz ist eigentlich, dass sie derzeit nur Urteile gegen einzelne Seiten oder im besten Fall gegen die Betreiberfirma aussprechen kann. Wer sich etwas mit Wirtschaft auskennt, der weiß, dass dies bei einer Ltd. in etwa so wäre, wie wenn man mit Kanonen auf Spatzen schießt. Solang nicht definitiv geregelt ist, dass anfallende Kosten klar und deutlich auf der Startseite ausgewiesen werden müssen, solang bleibt den Hereingefallenen nur zu raten: sitzt es aus!
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