Schüler an der Uni 18-Jähriger schafft Vordiplom in Mathe

Mikko Fischer ist der erste Schüler, der gleichzeitig mit seinem Abi auch seine Zwischenprüfung als Mathematik-Student absolviert hat. Sein Vordiplom wurde dem 18-jährigen Kölner an seinem ersten Tag als offizieller Student überreicht.


Während sich Hunderte aufgeregter Studienanfänger noch in die Aula der Uni Köln zwängen, um sich die Erstsemester-Einführung anzuhören, sitzt Mikko Fischer ganz gelassen in der ersten Reihe. Der 18-Jährige ist, was die Uni angeht, schon ein alter Hase. Im Frühjahr hat er sein Abitur gemacht, trotzdem studiert er schon seit vier Jahren Mathe. Möglich macht es das Projekt "Schüler in der Universität", das seit dem Wintersemester 2001 an mehr als 30 Unis in Deutschland läuft und begabte Jugendliche motivieren und entsprechend ihrer Talente fördern will.

Talent Mikko Fischer: Schule war langweilig

Talent Mikko Fischer: Schule war langweilig

"Das Projekt will den Schülern die Möglichkeit geben, ihre Begabung gemäß Leistung zu erbringen. Viele wollen eben nicht Musik machen oder Fußball spielen, die wollen sich gern mit Mathematik beschäftigen. Solche Schüler gibt es genauso wie alle anderen", erklärt Ulrich Halbritter vom Mathematischen Institut der Uni Köln. "Merkwürdigerweise erscheint es niemandem merkwürdig, wenn jemand dauernd Tennis spielen will. Aber wenn jemand andauernd Mathematik machen will, finden die Leute das ganz komisch."

Im Projekt mitmachen dürfen Schüler, die von ihrer Schule empfohlen werden, weil sie überdurchschnittlich gut sind. Mikko Fischer hat sich schon immer für Mathe interessiert und konnte es kaum abwarten, an die Uni zu gehen. In seiner Schule hat er sich eher gelangweilt.

Mathe-Unterricht war ihm zu leicht

"Der Matheunterricht war nicht schwierig, der Lehrer hat mir gelegentlich mal erlaubt, mal ein paar Referate zu halten über fortgeschrittenere Themen", sagt Mikko Fischer, "aber ich glaube, das hat die Klasse nicht so interessiert." Ansonsten habe er den Unterricht abgesessen und versucht, möglichst an der Uni zu sein, wenn Mathe war. Aber der einfache Matheunterricht in der Schule habe ihn auch nicht gestört. "Ich hab dann auch gern den anderen geholfen, wenn da ein Problem war."

Seine Leidenschaft für die Mathematik war manchmal auch stressig für den Abiturienten. Etwa zwölf Stunden extra pro Woche müssen Schüler, die nebenbei studieren wollen, einplanen. Dazu kommen noch Hausaufgaben, Klausuren und Prüfungen. Weil viele Vorlesungen vormittags stattfinden, können sich Uni und Schule auch mal überschneiden. Da muss die Schulleitung dann ein Auge zudrücken. Wenn man den Schulstoff nachholt, ist das aber kein Problem, meint Mikko Fischer.

An zwei Tagen in der Woche ging Mikko Fischer vormittags in die Uni und nicht in die Schule oder kam erst später von der Uni dann noch mal zurück zur Schule. An anderen Tagen führte ihn nachmittags sein Weg direkt von der Schule in den Hörsaal. "Ich habe versucht, meine Veranstaltungen vor allem auf den Nachmittag zu legen", erklärt Mikko seinen vollen Stundenplan.

Keine Extrabehandlung an der Uni

In Köln studieren zurzeit knapp 90 Schüler Mathe, Physik, Chemie, Informatik oder an der philosophischen Fakultät. Extrabehandlungen gibt es aber keine. Die Schüler nehmen an den laufenden Veranstaltungen teil und müssen sich alles genauso erarbeiten wie ihre etwas älteren Kommilitonen. Der Vorteil ist allerdings, dass sie viel schneller mit ihrem Studium fertig sein können. Auf lange Sicht soll das möglichst vielen hochbegabten Schülern ermöglicht werden.

Uni Köln: Lockt Schüler in den Hörsaal
R. Oranski

Uni Köln: Lockt Schüler in den Hörsaal

"Das sind natürlich Ausnahmen, aber wenn man das hochrechnet, sind das ganz viele Ausnahmen", sagt Ulrich Halbritter. Der schulpsychologische Dienst der Stadt Köln rechne damit, dass etwa drei bis sechs Prozent der Schüler für dieses Programm geeignet sind. Auf den etwa 80 Gymnasien und Gesamtschulen im Umkreis der Universität Köln wären das 300 bis 600 Schüler. "Von denen bekommen wir nur einen geringen Teil", sagt Halbritter.

Mikko Fischer will sein erstes Semester als richtiger Student ruhig angehen lassen. Zukunftspläne hat er noch keine. Am liebsten würde er sich erstmal für ein Auslandssemester bewerben. Falls das nicht klappt, fängt er mit dem Diplom an. Denn obwohl das Vordiplom anstrengend war, freut er sich auf noch mehr Lernen. "Es bedeutet schon viel Arbeit", sagt der Abiturient. Aber das sei so, als ob man im Sport das Gefühl habe, nicht mehr weiter zu können. "Wenn man dann die Leistung dann doch gebracht hat, ist man glücklich. Und so ist das in Mathe auch."

Von Hilke Janssen, Campus & Karriere / Deutschlandfunk



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