Lehrerin im Ruhestand "Wer nach der Schule arbeitet, hat weniger Zeit zum Lernen"

Sie wusste, wie es Kindern geht, die arm sind. Deshalb sammelte eine pensionierte Lehrerin aus Niedersachsen, 70, auf eigene Faust für Klassenreisen.

DPA


"Ich weiß, wie schwierig es ist, nicht genug Geld für Klassenreisen oder teure Materialien in der Schule zu haben. Ich habe selbst drei Kinder allein erzogen, und mein ältester Sohn konnte damals nicht mit zur Skifreizeit fahren. Ich war noch Studentin, die Reise kostete 300 Mark. Die Lehrer reagierten verständnislos, mein Sohn verbrachte die Woche im Unterricht in der Parallelklasse.

Ich erinnere mich heute noch an seinen traurigen Blick. Er fühlte sich stigmatisiert, arm, anders als die anderen. Als ich mein Studium abschloss und Lehrerin wurde, behielt ich diese Erfahrungen im Hinterkopf.

Aber meine Schüler erzählten selten, wenn das Geld knapp war. Sie schämten sich zu sehr. Wenn ich es doch einmal durch Elterngespräche herausfand, versuchte ich zu helfen, sammelte unter Lehrern und Eltern und kontaktierte das Jugendamt.

Mehrmals fand ich heraus, dass Jugendliche nach der Schule arbeiten gingen, um sich die Klassenreise zu verdienen. Diese Kinder hatten weniger Zeit zum Lernen und deshalb oft schlechtere Noten. Das macht mich heute noch wütend.

Ich habe mich immer für Schuluniformen eingesetzt. Im Teenageralter ist die Diskriminierung wegen fehlender Markenkleidung oft groß. Wer sich bestimmte Kleidung nicht leisten kann, ist raus. Kinder merken schon früh, dass Geld eine große Rolle spielt. Lehrer verstärken das, indem sie auch für Schulmaterial bestimmte Marken fordern."

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