Hamburg 3500 Schüler demonstrieren für Lampedusa-Flüchtlinge

Mit einem Protestzug am Vormittag haben Hamburger Schüler für das Bleiberecht von Lampedusa-Flüchtlingen in der Stadt demonstriert. Die Lehrergewerkschaft befürwortet den "praktischen Politikunterricht", die Schulbehörde will das Schwänzen ahnden.

DPA

Etwa 3500 Schüler haben am Donnerstagvormittag für die Rechte von 300 in Hamburg lebenden Flüchtlingen demonstriert. Sie trugen Transparente mit Parolen wie "Still loving Bleiberecht" und "Politikunterricht auf der Straße". Auch einige Lehrer unterstützten die Schülerinitiative für die "Lampedusa-Gruppe", einer Gruppe von Flüchtlingen aus dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Libyen.

Neben Bleiberecht und Arbeitserlaubnis für alle Flüchtlinge forderten die Schüler auch den Rücktritt von Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD). "Er hat versagt", sagte Initiatorin Leonie Meliones, 23, dem Norddeutschen Rundfunk. An seinem Verhalten gegenüber der Gruppe "Lampedusa in Hamburg" habe sich gezeigt, wie unmenschlich mit Flüchtlingen in Hamburg umgegangen werde. Neumann wird unter anderem vorgeworfen, für Durchsuchungen der Männer aus Afrika, von denen die meisten über die italienische Insel Lampedusa nach Europa gekommen sind, verantwortlich zu sein.

Die Gruppe von Lampedusa-Flüchtlingen fordert seit Monaten mit Protesten ein Bleiberecht, das ihnen der Hamburger Senat nicht gewähren will. Eine Zeitlang hatte die Hamburger Regierung die Gruppe ignoriert, dann Einzelne mittels umstrittener Kontrollen aufgegriffen und schließlich einen vermeintlichen Kompromiss vorgeschlagen: Die Flüchtlinge sollten sich bei der Ausländerbehörde melden, ihre Aufenthaltsgesuche würden einzeln geprüft, bis zu einer Entscheidung bekämen sie eine Duldung, könnten also legal, jedoch ohne Arbeitserlaubnis, in Deutschland bleiben. Knapp 70 der 300 Flüchtlinge sind der Hamburger Innenbehörde mittlerweile namentlich bekannt. Doch die meisten weigern sich, ihre Identität preiszugeben.

"Unentschuldigtes Fehlen wird entsprechend vermerkt"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützte die Schüleraktion. Schon vor Beginn der Demonstration hatte die Lehrergewerkschaft die Hamburger Lehrerschaft gebeten, die Schülerinitiative zu unterstützen. "Wir rufen die Schulen dazu auf, den Schulstreik als praktischen Politikunterricht zum Zwecke der politischen Bildung zu verstehen und wohlwollend mit dieser Aktivität umzugehen", sagte GEW-Sprecherin Anja Bensinger-Stolze dem NDR.

Doch der Unterricht fand an den meisten Hamburger Schulen regulär statt, berichtete das "Hamburger Abendblatt". Die Schulbehörde begrüße zwar prinzipiell, dass sich die Schüler mit gesellschaftlich relevanten Themen kritisch auseinandersetzen. "Es gibt aber keinen überzeugenden Grund, weshalb dies in der Unterrichtszeit passieren muss", sagte Behördensprecher Peter Albrecht. "Sollten Schüler am Donnerstag dem Unterricht fernbleiben, gilt dies als unentschuldigtes Fehlen und wird entsprechend vermerkt."

cpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 64 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hansi06 12.12.2013
1. Seltsame Aktion
Außerhalb der Schulzeit, wären nicht halb so viele Schüler auf die Demo gegangen. Inwiefern sich die Schüler von den Linken haben instrumentalisieren lassen sei mal dahingestellt. Ich habe mich heute morgen in der Hamburger S-Bahn kaputt gelacht, als einer der Schüler meinte, Lampedusa wäre ein Land in Afrika. Da wollten wohl einer lieber zur Demo, als in die Schule.
humpensack 12.12.2013
2. ...
Albern. Es gibt in diesem Land Gesetze, an die man sich halten muss. Ob die richtig sind, ist eine andere Frage. Jedenfalls darf sich der Staat nicht entgegen seiner Gesetze erpressen lassen.
brux 12.12.2013
3. ------------
Da Schüler in der Regel noch nicht wahlberechtigt sind und somit auch keine politischen Konsequenzen zu verantworten haben, ist das alles nur infantil. Offenbar fehlt es auch am Wissen jenseits der rohen Emotion (was mich bei der Qualität unserer Lehrerschaft nun wirklich nicht wundert). Dass die Migranten, die sich illegal von Lampedusa nach Hamburg aufgemacht haben, mehrheitlich ihre Identität nicht preisgeben wollen, sollte eigentlich Grund genug sein, ihren Flüchtlingsstatus anzuzweifeln. Es sind wohl schlicht und einfach Wirtschaftsmigranten, deren Schicksal man bedauern kann, aber das ist es dann auch. Unsere Gesetze sehen eine derartige Zuwanderung eben nicht vor. Wem das nicht passt, muss eine Mehrheit gewinnen und die Gesetze ändern.
Soyb 12.12.2013
4. Streik!
Es sollte ein Schüler-STREIK werden... Und der macht tatsächlich nur Sinn wenn er während der Schulzeit stattfindet. Betriebe werden soweit ich weiß auch tagsüber und nicht nachts bestreikt...
Eggerten 12.12.2013
5. Gelebte Demokratie
Ich kann daran nichts Schlimmes finden. Schüler die lernen, wie man seine demokratischen Grundrechte wahrnimmt sind mir jedenfalls tausendmal lieber als jene Foristen, die nur auf der Couch sitzen und meinen, Meckern und Motzen im Internet hätte etwas mit politischem Engagement zu tun.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.