Späte Würde nach dem Tod Schüler lassen Schulskelett bestatten

War es eine Vietnamesin? Oder doch der alte Hausmeister? Schulskelette aus echten Knochen gruseln Schüler seit Generationen. In einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen ist das jetzt vorbei.

Schulskelett in Stolberg bei Aachen (undatiert)
DPA

Schulskelett in Stolberg bei Aachen (undatiert)


Generationen von Schülern kannten die Knochen, doch niemand kannte den Menschen: Skelette sind Anschauungsmaterial für die Biostunden - und sie sind etwas gruselig, wenn die Knochen echt sind.

So ging es jedenfalls Schülern am Ritzefeld-Gymnasium in Stolberg, Nordrhein-Westfalen. Die Knochen einer Unbekannten wurden für den Unterricht jahrelang von einer Klasse in die andere getragen. "Es gab immer Schüler, denen das unheimlich oder unangenehm war", sagte Lehrerin Birgit Heck-Wattjes. Außerdem entspreche es nicht der Vorstellung von Würde nach dem Tod.

Nun hat die Unbekannte ihre letzte Ruhe gefunden. Sie wurde auf einem Stolberger Friedhof anonym beerdigt. Die 16-jährigen Schüler eines Religionskurses hatten den Vorschlag ihrer Lehrerin aufgegriffen und sich bei der Stadt dafür eingesetzt, dass die Unbekannte beigesetzt wird.

Der Überlieferung nach soll das Skelett aus Vietnam stammen, erzählte Biologie- und Religionslehrerin Heck-Wattjes. "Das ist ein weibliches Skelett, das sieht man an der Form des Beckens. Und es ist eine erwachsene Frau, das sieht man an den Zähnen. Sie ist ungewöhnlich klein."

Nachdem die Schule ein Skelett aus Kunststoff angeschafft hatte, sollte die Unbekannte ihre letzte Ruhe bekommen. "Wir fanden das ziemlich cool", sagte Schülerin Alina Ganser. Sie hätten recherchiert und mit der Stadt telefoniert. "Die haben uns das erst nicht geglaubt", erzählte die Schülerin - und dann sicherheitshalber noch mal im Schulsekretariat angerufen.

Als die Zusage für eine anonyme Bestattung kam, montierten Schüler und Lehrerin das Skelett gemeinsam auseinander, legten es in eine geschmückte Kiste und feierten einen Abschiedsgottesdienst. "Uns ist mitgeteilt worden vom Schulamt, dass es auf einem bestimmten Friedhof hier in Stolberg beigesetzt worden ist", sagte Heck-Wattjes.

lov/dpa



insgesamt 72 Beiträge
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jebeb 17.06.2016
1. Idiotisch
Sowas kann auch nur ein Religionskurs machen. Dass die sich damit durchsetzen konnten, ist ein Skandal. Religion ist und bleibt Verdummung.
Ringmodulation 17.06.2016
2. Das ist dann vielleicht der erste Mensch
der offiziell an zwei verschiedenen Orten bestattet liegt. Man könnte mal eine Rangliste der bestattungswürdigen Körperteile aufstellen. Bei diversen Ausscheidungen angefangen, über Fuß- und Fingernägel, Haare, Warzen, Tumore, Wurmfortsätze bis zu amputierten Armen, Beinen und weiteren Gliedmaßen.
Thomas Schnitzer 17.06.2016
3.
Mir persönlich wäre es ja lieber, nach dem Ableben noch eine Zeit Aufmerksamkeit zu genießen, als in einem Sarg zu verrotten, und an sich fände ich es sogar ganz interessant, plastiniert zu werden und als Ausstellungsstück zu dienen. Aber da die meisten menschlichen Kulturen es vorziehen, ihre Toten nicht öffentlich auszustellen, ist es absolut verständlich, dass die Schüler so gehandelt haben. Faire Geste.
Teile1977 17.06.2016
4. Würde
Ich denke das es so am besten ist, Nun hat die Tote zumindest einen Teil ihrer Würde wieder, die hätte sie als Grußelstück im Keller der Schule nicht mehr bekommen. Man bedenke auch das die Betroffene ihr Skelett mit Sicherheit nicht bewußt gespendet hat, wer weiß was der armen Frau damals passiert ist.
lex1976 17.06.2016
5.
Weitgehend unbekannt ist, dass in vielen Instituten Röntgenaufnahmen liegen, die aus der Zeit vor 1945 sind. Aufnahmen von einer Qualität, die man nicht überleben konnte.
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