Lustige Prüfungsantworten Genial daneben

Woher weißt du, dass 6 eine gerade Zahl ist? "Weil ich ziemlich clever bin", schreibt der Schüler. Viel zu oft verschmähen Lehrer die besten Prüfungsantworten. Pädagogin Petra Cnyrim hat ihnen nun ein ganzes Buch gewidmet.

Riva

Zur Person
  • Petra Cnyrim
    Petra Cnyrim, 38, studierte Pädagogik und arbeitete danach eine Zeitlang mit schwerbehinderten Kindern und Erwachsenen in der Pferdepädagogik. Inzwischen lebt und arbeitet sie als Autorin in München.
SPIEGEL ONLINE: Frau Cnyrim, kaum jemand hat so viele lustige Prüfungsantworten von Schülern gesammelt wie Sie. Warum dieses Hobby?

Cnyrim: Ich war nie eine Musterschülerin. Vor Klausuren war ich immer angespannt, irgendwann habe ich richtig Prüfungsangst entwickelt. Ich versuchte immer, auf Punkt und Komma alles richtig zu beantworten. Mich fasziniert es, wenn Schüler so kreativ antworten. In der Prüfungszeit während des Studiums nahmen mir die Antworten sogar ein bisschen die Angst.

SPIEGEL ONLINE: Wie das?

Cnyrim: Weil sie mich ermutigten. Manchmal sagte ich mir: Jetzt lehn dich zurück, atme durch und nimm die Prüfung nicht so furchtbar ernst.

SPIEGEL ONLINE: Seit wann sammeln Sie?

Cnyrim: Im Prinzip seit der 13. Klasse: Im Biologie-Leistungskurs sollten wir die Merkmale von Trisomie 21 beschreiben. Mein Mitschüler hat damals einfach ein Comic gezeichnet. Ich fand die Idee wahnsinnig toll.

SPIEGEL ONLINE: Und die Lehrerin?

Cnyrim: Die war nicht so begeistert. Sie hat es ihm durchgehen lassen, aber gesagt: einmal und nie wieder.

SPIEGEL ONLINE: Inzwischen haben Sie Ihre Sammlung in einem Buch veröffentlicht. Haben Sie einen Favoriten?

Cnyrim: Mir gefallen die kurzen Antworten, so wie diese: "An welchem Tag starb Friedrich Schiller?" Der Schüler antwortet: "An seinem letzten".

SPIEGEL ONLINE: Manche wirken fast schon zu genial. Haben Sie sich nicht doch die ein oder andere ausgedacht?

Cnyrim: Keine! Ich habe aber alle leicht abgeändert und nachgebaut. Ich sammle seit Jahren, manchmal stecken mir Freunde einen zerknüllten Zettel zu, manche schickten mir Exemplare per E-Mail, manche fand ich in Schülerforen im Internet. Ich weiß meist nicht, von wem die Klausuren stammen, es hätte Jahre gedauert, das zu recherchieren. Eins zu eins hätte ich sie nicht übernehmen können und wollen. Aber im Kern sind Fragen und Antworten gleich geblieben.

SPIEGEL ONLINE: Bei manchen Aufgaben fragt man sich: Was nur hat sich der Lehrer dabei gedacht? Beispielsweise lautet eine Frage: "Was denkst Du über die Zukunft? Wo wirst Du Dich zum Beispiel in 90 Jahren befinden?". Der Schüler antwortet: "Unter der Erde!!!"

Cnyrim: Dabei fühle ich mich oft in meine Schulzeit zurückversetzt: Manchmal fühlte ich mich durch Fragen total verunsichert. Da saß ich mit meiner Prüfungspanik und dachte: Oh Gott, was soll ich darauf nur antworten?

SPIEGEL ONLINE: Dann können Lehrer auch etwas aus Ihrem Buch mitnehmen?

Cnyrim: Ich hoffe das. Schüler verstehen oft nicht, warum Lehrer eine kreative Antwort einfach durchstreichen - nur weil sie nicht dem entspricht, was der Lehrer erwartet hat. Ich wünsche ihnen, dass Lehrer heute anders reagieren als zu meiner Schulzeit.

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Das Interview führte Frauke Lüpke-Narberhaus

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felisconcolor 08.04.2014
1. ich bewundere die Kreativität
der Schüler und kann über die Lehrer nur den Kopfschütteln. Wer solche Fragen stellt (auch noch mit dem Zusatz "beeindrucke mich") sollte sich vielleicht langsam mal fragen ob er sie es nicht den falschen Beruf ausübt. Die 16 jährige Tochter meiner bekannten erzählte mir eine längere Geschichte aus ihrer Schule. Ihr Fazit war das der Lehrer wohl ziemlich dumm sei. Ich musste ihr leider beipflichten. Haltet die Kinder nicht für blöd, sondern bringt ihnen endlich mal wieder was bei und respektiert sie, wenigstens ab und an
charles.f 08.04.2014
2. Dumme Fragen - kreative Antworten
In den meisten Fällen muss sich doch der Lehrer an die eigene Nase fassen. Wären die Fragen klar und präzise formuliert, dann gäbe es auch die richtigen Antworten. So lustig die Antworten der Schüler auch sein mögen, tatsächlich sind sie das Ergebnis eines schlechten Sprachverständnisses oder Sprachvermögens der Lehrer - und das ist bedenklich.
Imrahil02 08.04.2014
3. Exo- oder endotherm
Meine Lieblingsprüfungsantwort: Im Folgenden eine wirklich gestellte Frage im Abschlusstest Chemie der Universität Maynooth (Grafschaft Kildare, Irland). Die Antwort eines Studenten war so tiefschürfend, dass der Professor sie seinen Kollegen nicht vorenthalten wollte und über das Internet verbreitete, weshalb wir uns nun ebenfalls darüber amüsieren dürfen. Bonusfrage: Ist die Hölle exotherm (gibt Wärme ab) oder endotherm (absorbiert Wärme)? Die meisten Studenten mutmaßten mit Hilfe von Boyles Gesetz, dass sich Gas beim Ausdehnen abkühlt und die Temperatur bei Druck steigt oder etwas in der Art. Ein Student allerdings schrieb Folgendes: Zuerst müssen wir herausfinden, wie sehr sich die Masse der Hölle über die Zeit verändert. Dazu benötigt man die Zahl der Seelen, die in die Hölle wandern, und die Zahl jener Seelen, die die Hölle verlassen. Ich bin der Meinung, dass man mit einiger Sicherheit annehmen darf, dass Seelen, die einmal in der Hölle sind, selbige nicht mehr verlassen. Deswegen ist der Rückschluss zulässig: keine Seele verlässt die Hölle. Bezüglich der Frage, wie viele Seelen in die Hölle wandern, können uns die Ansichten der vielen Religionen Aufschluss geben, die in der heutigen Zeit existieren. Bei den meisten dieser Religionen wird festzustellen sein, dass man in die Hölle wandert, wenn man ihrer Religion nicht angehört. Da es mehr als nur eines dieser Glaubensbekenntnisse gibt und weil man nicht mehr als einer Religion angehören kann, kann man davon ausgehen, dass alle Seelen in die Hölle wandern. Angesichts der bestehenden Geburts- und Todesraten ist zu erwarten, dass die Zahl der Seelen in der Hölle exponentiell wachsen wird. Betrachten wir nun die Frage des sich ändernden Umfangs der Hölle. Da laut Boyles Gesetz sich der Rauminhalt der Hölle proportional zum Wachsen der Seelenanzahl ausdehnen muss, damit Temperatur und Druck in der Hölle konstant bleiben, haben wir zwei Möglichkeiten: 1. Sollte sich die Hölle langsamer ausdehnen als die Menge hinzukommender Seelen, wird die Temperatur und der Druck in der Hölle so lange steigen bis die ganze Hölle auseinander bricht. 2. Sollte sich die Hölle schneller ausdehnen als die Menge hinzukommender Seelen, dann werden Temperatur und Druck fallen, bis die Hölle zufriert. Welche der Möglichkeiten ist nun die Lösung? Wenn wir die Prophezeiung meiner Kommilitonin Sandra aus dem ersten Studienjahr mit einbeziehen, nämlich, dass eher die Hölle zufriere, bevor sie mit mir schlafe, sowie die Tatsache, dass ich gestern mit ihr geschlafen habe, kommt nur Möglichkeit zwei in Frage. Deshalb bin ich überzeugt, dass die Hölle endotherm ist und bereits zugefroren sein muss. Aus der These, wonach die Hölle zugefroren ist, folgt, dass keine weiteren Seelen dort aufgenommen werden können, weil sie erloschen ist. Womit nur noch der Himmel übrig bleibt, was die Existenz eines göttlichen Wesens beweist und was wiederum erklärt, warum Sandra gestern Abend die ganze Zeit “Oh mein Gott!” geschrien hat. Dieser Student erhielt als einziger eine Eins.
flanker01 08.04.2014
4. Erstens:
Klasse Artikel, bitte mehr davon:-) Und dem User mit dem 3. Kommentar vielen Dank! Hab lange nicht so gelacht, mehr davon!
zerr-spiegel 08.04.2014
5.
Zitat von sysopRivaWoher weißt du, dass 6 eine gerade Zahl ist? "Weil ich ziemlich clever bin", schreibt der Schüler. Viel zu oft verschmähen Lehrer die besten Prüfungsantworten. Pädagogin Petra Cnyrim hat ihnen nun ein ganzes Buch gewidmet. http://www.spiegel.de/schulspiegel/schuelerantworten-petra-cnyrim-sammelt-lustige-pruefungsantworten-a-962334.html
4. Klasse Religionsuntericht (1970): Hausaufgabe: Male ein Bild, wie Du Dir Gott vorstellst. Hatte ich natürlich völlig vergessen, es gab ja wichtigeres zu tun (z.B. mit der Klassenkameradin aus der Parallelklasse knutschen). Morgens fiel es mir dann siedendheiß ein. Heft raus, dann den Satz der Sätze reingeschrieben: "Du sollst Dir kein Bild von Gott machen." Der Herr Pfarrer kontrollierte die Hausaufgaben, ich bekam eine 6. Das hat mein Verhältnis zur Bibeltreue der Pfarrer und der Kirche nachhaltig geprägt.
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